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21. Juli 2011

20. Juli: Gedenken an Opfer der Naziherrschaft

Am 67. Jahrestag des gescheiterten Hitler-Attentats haben Vertreter von Staat und Regierung in Berlin der Opfer der Naziherrschaft gedacht. Bundestagspräsident Norbert Lammert (CDU) legte im Beisein von Bundespräsident Christian Wulff und Berlins Regierendem Bürgermeister Klaus Wowereit (SPD) am 20. Juli 2011 im Bendlerblock einen Kranz nieder. Dort war Hitler-Attentäter Claus Schenk Graf von Stauffenberg in der Nacht nach dem gescheiterten Anschlag vom 20. Juli 1944 erschossen worden.Zudem wurde in der Gedenkstätte Plötzensee mit einer Feierstunde an den Widerstand gegen die nationalsozialistische Gewaltherrschaft erinnert. Dieser Widerstand sei Voraussetzung und Grundlage für die Wiederherstellung des Ansehens Deutschlands in der Welt gewesen, sagte Lammert in seiner Rede am Nachmittag. Der 20. Juli 1944 berge ein doppeltes Vermächtnis: „Die Scham über eine beispiellose Verwirrung und das Selbstbewusstsein für ein neues Deutschland.“

Rühe: 20. Juli ist starke Traditionslinie der Bundeswehr.

Mit Blick auf eine für den Abend geplante Gelöbnisfeier von Bundeswehrrekruten vor dem Reichstagsgebäude lobte der ehemalige Bundesverteidigungsminister Volker Rühe (CDU) die Fortsetzung dieser Tradition. Trotz der mit der Abschaffung der Wehrpflicht eingetretenen Zäsur herrsche Kontinuität, sagte Rühe der Mitteldeutschen Zeitung. „Der 20. Juli ist eine ganz starke Traditionslinie der Bundeswehr.“

Erstmals Rekrutengelöbnis der neuen Bundeswehr vor Reichstag

Zum ersten Mal seit dem Ende der Wehrpflicht haben freiwillige Rekruten vor dem Berliner Reichstagsgebäude ihr Gelöbnis abgelegt. „Unser Land hat Ihren Einsatz verdient, unser Land ist Ihren Einsatz wert“, sagte Bundespräsident Christian Wulff in seiner Ansprache. Angetreten waren auf dem Platz der Republik vor dem Bundestag 450 Wehrdienstleistende des Wachbataillons – stellvertretend für jene 3.400 Freiwilligen, die seit 4. Juli ihren Dienst in der Bundeswehr versehen.

Verteidigungsminister Thomas de Maizière (CDU) erinnerte daran, dass der Dienst in den Streitkräften eine innere Überzeugung voraussetze. Das sollte auch die Bevölkerung verstehen und die Freiwilligenarmee weiterhin als wichtigen Teil der Gesellschaft begreifen. „Ohne die demokratische Gesellschaft kann die Bundeswehr wenig ausrichten. Aber umgekehrt gilt auch: Ohne die Bundeswehr kann der demokratische Staat nicht bestehen.“ Beide seien aufeinander angewiesen.

Bundeswehr ist und bleibt Parlamentsarmee

Das öffentliche Gelöbnis fand am 67. Jahrestag des gescheiterten Attentats auf Hitler statt. Mit der Zeremonie in der Nähe des Bundestages will die Bundeswehr ihr Bekenntnis als Streitkräfte in der Demokratie ablegen. Zum anderen stellt sich die deutsche Armee mit diesem Datum bewusst in die Tradition der Männer um Claus Schenk Graf von Stauffenberg, der am 20. Juli 1944 gemeinsam mit einer kleinen Gruppe von Verschwörern versucht hatte, Adolf Hitler zu töten.

Wulff unterstrich, es sei gut, dass das Parlament über alle bewaffneten Auslandseinsätze der Bundeswehr entscheide. „Andere mögen der Auffassung sein, dass der Parlamentsvorbehalt unsere außenpolitische Handlungsfähigkeit einschränkt. Für mich ist es der eindrucksvolle Beweis dafür, dass unsere Bundeswehr im Auftrag des deutschen Volkes handelt.“

Wulff nimmt Politik in die Pflicht für die Soldaten

Zugleich zeigte sich der Bundespräsident besorgt über den Umgang der Gesellschaft mit der Bundeswehr. „Ihre Freiwilligkeit darf nicht zu Gleichgültigkeit in der Gesellschaft führen“, sagte er mit Blick auf das Ende der Wehrpflicht. Er mahnte, kein öffentliches Desinteresse zuzulassen. „Wir müssen Anteil nehmen an Ihren Leistungen, an Ihren Ängsten, an Ihren Zweifeln. Öffentliche Debatten führen über Einsätze der Bundeswehr. Und uns mehr kümmern – gerade um die, die in ihrem Einsatz innerlich oder äußerlich verwundet wurden.“

Ausdrücklich nahm der Bundespräsident beim Rekrutengelöbnis, das von viel Prominenz begleitet wurde, die Politik in die Pflicht. Es sei Aufgabe des Parlaments und der Regierung, die Notwendigkeit der Einsätze „immer und immer wieder glaubhaft zu vermitteln“, mahnte er. Derzeit ist die Bundeswehr mit knapp 7.000 Soldaten an zehn Auslandsmissionen beteiligt.

Pazifisten parodieren Gelöbnis

Anhänger linker Gruppen parodierten am Abend in Berlin-Kreuzberg mit einem Kulturprogramm das Gelöbnis. Rund 100 Teilnehmer feierten mit pazifistischen Liedern, eingespielten Kurzfilmen und selbst verfassten Kabaretttexten ein „GelöbNIX“.

Ein Sprecher der Deutschen Friedensgesellschaft kritisierte das Gelöbnis für die neuen Bundeswehr-Rekruten. Diese Soldaten würden „zum Morden in aller Welt vereidigt“. Der zeremonielle Akt sei ein „Zwangsgelöbnis“, auch wenn es sich erstmals in diesem Jahr um Freiwillige handele, die zum Dienst anträten.

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Aktuelle Veranstaltungen


Do. 05.03.2026 | 16. Adar 5786

Kultur

»Wie rettet man das Tote Meer?«

Vorstellung eines Dokumentarfilmprojekts und Vortrag im Rahmen der 17. Jüdischen Filmtage

Initiatoren: Florentinfilm, Herzliya / Israel

Das Tote Meer stirbt. Es verliert anderthalb Meter pro Jahr. Der Wasserspiegel sinkt, die Strände verschwinden, Erdfälle öffnen sich. Wenn das so weitergeht, ist es in 30 Jahren verschwunden.

Der in Entstehung befindliche Film will die Geschichte dieses Binnenmeeres aus der Perspektive von drei Personen erzählen: Mosche Bernstein, einem orthodoxen jungen Mann, der statt in der Jeschiwa zu lernen, mit seiner Kamera die Salzschichten, Rückzugslinien, sich ändernden Farben, dokumentiert; Oded Rahav, Umweltaktivist , Extremsportler und Gründer der Initiative Dead Sea Guardians; Jackie ben Zaken, ehem. Marine-Soldat, der dort seine innere Ruhe wiederfand und nun Bewußtseins-Touren leitet, mit Blick auf die sich ändernden Landschaften und seltene geologische Phänomene, die das zurückweichende Wasser freigibt.

Präsentation des Film-Teasers zur in Vorbereitung befindlichen Film-Dokumentation mit den Filmemachern Harel Yana und Mordechai Malka

»Last chance to save the Dead Sea«
Vortrag des Umweltaktivisten Oded Rahav
in engl. Sprache mit Powerpoint-Präsentation

Moderation: Emanuel Rotstein

Eintritt frei.

Anmeldung erbeten unter karten@ikg-m.de oder (089) 202 400 4i91

Veranstalter: Kulturzentrum der IKG München & Oberbayern mit freundlicher Unterstützung von florentinfilm

Veranstaltungsort: Jüdisches Gemeindezentrum, St.-Jakobs-Platz 18

Di. 10.03.2026 | 21. Adar 5786

Kultur

„Lieber Gott als nochmals Jesus“ – eine humoristische Beichte mit Ilja Richter

Beginn 19:00

Buchpräsentation

Dienstag, 10. März 2026, 19 Uhr
Teil der Woche der Brüderlichkeit

Ilja Richter nimmt seine Zuhörerschaft mit auf (s)eine Suche nach religiöser Heimat und Zugehörigkeit. Dabei umkreist er das Thema Judentum / Christentum in bitter-komischen Geschichten, pointierten Glossen, mit Fakten und Zitaten – und Musik. Damit eröffnet er seinen ganz eigenen, ungewöhnlichen Blick in die Welt des Glaubens.

Ilja Richter, 1952 in Ost-Berlin geboren, ist das Kind einer jüdischen Mutter und eines nichtjüdischen Vaters, der als Kommunist 9 ½ Jahre in Zuchthaus und KZ verbrachte. Er gehört zu den vielseitigsten Künstlern in jeder nur denkbaren Sparte: als Schauspieler, Synchron- und Hörfunksprecher, Sänger, Autor, Theater- und Musical-Regisseur und -Darsteller. Frühe Berühmtheit erlangte er als jüngster TV-Moderator mit der Sendung »Disco« im ZDF. Weiterlesen »

Do. 12.03.2026 | 23. Adar 5786

Kultur

Ephraim Kishon. Ein Leben für den Humor

Beginn 19:00

Ein Abend mit der Biographin Silja Behre
Donnerstag, 12. März 2026, 19 Uhr
Teil der 
Woche der Brüderlichkeit

Seit den 1960er-Jahren führten Ephraim Kishons Bücher immer wieder die Bestseller-Listen an, wurden teilweise auch verfilm, inklusive zwei Oscar-Nominierungen. Wie kam es dazu, dass der aus Budapest stammende Israeli Ephraim Kishon (1924-2005) mit seinen Humoresken gerade beim deutschen Publikum seinen größten Erfolg hatte? Ausgehend von Kishons eigenen Aufzeichnungen, Erinnerungen von Zeitzeugen und Weggefährten sowie Presseberichten und Archivmaterial beschreibt die Biographin Silja Behre seine Erfolgsgeschichte im Spannungsfeld von Literatur, Humor und Politik. Weiterlesen »

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