Israelitische Kultusgemeinde München und Oberbayern

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3. Dezember 2019

Charlotte Knobloch zur Aktion des Zentrums für Politische Schönheit: „Eine ungeheuerliche Verfehlung“

München, 3.12.2019.  Das Zentrum für Politische Schönheit hat am gestrigen Montag in unmittelbarer Nähe des Bundestages eine „Säule gegen den Verrat an der Demokratie“ errichtet, die nach Aussagen der Aktivisten auch die Asche von Opfern des Holocaust enthalten soll. Die Präsidentin der Israelitischen Kultusgemeinde München und Oberbayern, Dr. h.c. Charlotte Knobloch, erklärt hierzu: „Die jüngste Aktion des Zentrums für Politische Schönheit soll provozieren, ist aber tatsächlich nur geschmacklos, taktlos und pietätlos. Sollte die Behauptung des ZPS zutreffen und die ‚Widerstandssäule‘ tatsächlich mit der Asche von Holocaust-Opfern gefüllt sein, wäre das nicht nur eine Störung der Totenruhe und eine Missachtung der jüdischen Begräbnisregeln, sondern auch politisch völlig kontraproduktiv. Kein noch so legitimes Anliegen gibt dem ZPS – oder irgendjemand anderem – das Recht, die Opfer des Nationalsozialismus in einer so respektlosen Art und Weise zu instrumentalisieren.“

Die Aktion sei überdies keine Hilfe im Kampf gegen die AfD, so Knobloch weiter: „Wer unsere Demokratie gegen ihre Gegner verteidigen will, von dem kann erwartet werden, dass er ihren ersten und wichtigsten Grundsatz berücksichtigt: Die Würde des Menschen ist unantastbar. Diese Regel gilt entweder immer und überall, oder sie gilt gar nicht. Wenn jedermann sie vor dem Hintergrund eines selbst verkündeten politisch-moralischen Notstandes einfach außer Kraft setzen kann, ist sie nichts wert.“

Knobloch kritisierte auch einige der Reaktionen auf die Aktion: „Nicht weniger als der Vorgang selbst erschreckt mich, dass diese unglaubliche Grenzüberschreitung selbst in angesehenen Presseerzeugnissen teilweise auf Wohlwollen und Zustimmung trifft. Ein Lob der Kunstfreiheit oder die Überlegung, dass Sichtbarkeit des Gedenkens das höchste Gut sein müsse, mögen in anderen Zusammenhängen angemessen sein – hier legitimieren sie eine ungeheuerliche Verfehlung.“

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Di. 24.02.2026 | 7. Adar 5786

Kultur

„Russische Spezialitäten“ von und mit Dmitrij Kapitelman

Beginn 19:00

Buchpräsentation und Gespräch
Dienstag, 24. Februar 2026, 19 Uhr

Moderation: Ellen Presser

Eine ukrainisch-jüdisch-moldawische Familie, lebt in Leipzig, wo sie russische Spezialitäten verkauft. Und zwar an Osteuropäer, die sich zwischen russischen Flusskrebsen, ukrainischem Wodka und georgischen Sonnenblumenkernen zuhause fühlen. Doch seit dem Krieg Russlands gegen die Ukraine ist nichts mehr wie zuvor. Die Mutter glaubt den Propagandasendungen des russischen Fernsehens. Ihr Sohn, der keine Sprache mehr liebt als die russische, keinen Menschen mehr als seine Mutter, keine Stadt mehr als Kyjiw, verzweifelt. Um seine Mutter zur Vernunft zu bringen, begibt er sich per Flixbus nach Kiew. Oder wie man inzwischen liest: Kyjiw, von wo er ihr die Wahrheit mitzubringen hofft.

Dmitrij Kapitelman, geb. 28.08.1986 in Kiew, kam achtjährig als »jüdischer Kontingentflüchtling« mit seiner Familie nach Deutschland. Heute lebt er als freier Publizist in Berlin. Zudem macht er unter dem Künstlernamen Dheema Musik. Schon seine beiden vorherigen Bücher »Das Lächeln meines unsichtbaren Vaters« (2016) und »Eine Formalie in Kiew« (2021), bei Hanser Berlin erschienen, zeichnet politischer Scharfsinn und tiefgründiger Humor aus. Weiterlesen »

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