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24. Mai 2018
Auch München feiert Israel
Mit einem großen Fest und vielen Prominenten beging die IKG den 70. Jahrestag der Unabhängigkeit des jüdischen Staates. Von Helmut Reister, erschiennen in der Jüdischen Allgemeinen vom 24.05.2018. Siebzig Jahre Israel – das war auch für die Israelitische Kultusgemeinde München und Oberbayern ein Grund zum Feiern. Mehr als 500 Gäste aus Politik und Gesellschaft waren vergangene Woche der Einladung zu den Feierlichkeiten in der Ohel-Jakob-Synagoge gefolgt, die unter der Schirmherrschaft des israelischen Botschafters in Deutschland, Jeremy Issacharoff, standen.

Ein Fest für Israel: Mehr als 500 Gäste aus Politik und Gesellschaft nahmen an den Feierlichkeiten in der Ohel-Jakob-Synagoge und im Gemeindezentrum teil. © Marina Maisel
Die Vielfalt des Staates Israel, die in den Reden mehrfach thematisiert wurde, spiegelte sich auch in der Bandbreite des Programms wider. Das Ensemble des »Orchesters Jakobsplatz«, das den musikalischen Teil des über dreistündigen Festakts in der Synagoge gestaltete, war ein Teil davon. Einen anderen Blickwinkel auf Israel vermittelte eine von der BR-Moderatorin Anouschka Horn geführte Gesprächsrunde mit dem Thema »Mein Blick auf Israel – Perspektiven aus Politik und Gesellschaft«.
Zionismus
Neben IKG-Vizepräsident Yehoshua Chmiel und der Burda-Managerin Stephanie Czerny beteiligte sich daran auch Ex-Kultusminister Ludwig Spaenle in seiner neuen Funktion als Antisemitismusbeauftragter des Freistaates Bayern. Bereichert wurde der Festakt auch durch Benny Morris, einen der profiliertesten Historiker Israels.
Der Universitätsprofessor, der schon als Gastprofessor am Lehrstuhl für Jüdische Geschichte und Kultur der Ludwig-Maximilians-Universität in München tätig war, stellte die Ausstellung 1948 des Münchner Vereins »Demokratie und Information« inhaltlich vor. Sie wurde nach dem Festakt im Gemeindezentrum, wo noch ein offizieller Empfang stattfand, eröffnet und stieß bei den Gästen auf lebhaftes Interesse.
Ebenfalls derzeit als Gastprofessor an der LMU tätig ist Fania Oz-Salzberger von der Universität Haifa. Die Historikerin hielt den Festvortrag unter dem Titel »Humanist Zionism and Israeli Democracy: a five generation perspective« und spiegelt die Entwicklung des Zionismus anhand ihrer eigenen Familiengeschichte wider – von ihrem Urgroßvater, einem chassidischen Rabbiner, über ihren berühmten Vater Amos Oz bis hin zu ihren säkularen Söhnen.
Empathie
IKG-Präsidentin Charlotte Knobloch erinnerte sich in ihrer Begrüßungsrede daran, wie die Juden in München am Tag der Staatsgründung auf den Tischen tanzten. Heute, genau 70 Jahre später, sei die Verbundenheit mit dem Staat Israel wichtiger denn je. »Die Solidarität und das Einstehen nicht nur für die Sicherheit Israels, sondern auch für Fairness und Empathie mit dem jüdischen Staat ist nicht die Aufgabe von uns, den jüdischen Gemeinden. Es ist Aufgabe unserer Heimatländer, es ist die Pflicht aller Demokraten«, erklärte sie.
Wie alle Redner des Abends sorgte sich auch die IKG-Präsidentin über den wachsenden Antisemitismus, der auch in einer diffamierenden, dämonisierenden und delegitimierenden Pauschalkritik an Israel zum Ausdruck komme. »Wie kein anderer Staat«, so Charlotte Knobloch, »sieht sich das jüdische und demokratische Israel weltweit, bis in die höchsten Ebenen, mit einem Übermaß an Abfälligkeit, Anmaßung, Belehrung, irrationalen Anschuldigungen und Agitation konfrontiert.«
Diese Ungerechtigkeit zu beenden, sei ebenfalls Pflicht von Politik und Gesellschaft, forderte Knobloch. Sie könne allerdings auch eine gewisse Erleichterung darüber verspüren, dass Antisemitismus in all seinen Spielarten als ernste Bedrohung für die jüdische Zukunft in Deutschland erkannt werde. Gerade Bayern und München, so Charlotte Knobloch, hätten in jüngster Zeit wichtige Schritte gegen das Phänomen unternommen.
Schutz
Dieses Lob dürfte auch Bayerns stellvertretende Ministerpräsidentin Ilse Aigner wohlwollend zur Kenntnis genommen haben. Schließlich bezeichnete sie sich als Freundin der jüdischen Gemeinde. Die CSU-Politikerin erinnerte an die moralische Pflicht und die historische Verantwortung zum Schutz Israels, die jeder in sich trage. »Es ist gut«, sagte sie, »dass es den Ort für alle Jüdinnen und Juden der Welt gibt.«
Sie stellte aber auch klar, dass gewährleistet sein muss, dass sich jeder Jude »hier bei uns« vollkommen sicher und zu Hause fühlen könne. »Ich sage deshalb ganz klar: Ich dulde keinen Antisemitismus bei uns«, betonte Aigner. Judenhass habe in der Gesellschaft nirgendwo Platz, weder auf den Marktplätzen noch in den Hinterzimmern und erst recht nicht in den Parlamenten.
Eine kompromisslose Haltung gegenüber jeder Form von Antisemitismus vermittelte auch Münchens Oberbürgermeister Dieter Reiter. Die Häufung antisemitisch motivierter Vorfälle in jüngster Zeit sei schockierend und nicht hinnehmbar, erklärte er. Auf der anderen Seite dürfe man stolz darauf sein, dass jüdisches Leben und jüdische Kultur heute wieder feste, sichtbare und selbstverständliche Bestandteile des öffentlichen Lebens in München seien.
Verantwortung
In den Mittelpunkt seiner Rede stellte das Münchner Stadtoberhaupt aber den Dank an die jüdischen Münchner, die der Stadt nicht den Rücken gekehrt, sondern alles daran gesetzt hätten, Vertrauen wiederherzustellen, Versöhnung möglich zu machen und Lehren aus der Vergangenheit zu vermitteln.
»Aber nur so konnten wir uns irgendwann wieder selbst ins Gesicht schauen, und nur so konnte letztlich auch das enge und freundschaftliche Verhältnis zu Israel entstehen, auf das wir heute gemeinsam bauen«, erklärte Oberbürgermeister Reiter in seiner Rede. Er erinnerte in diesem Zusammenhang auch an den Stadtratsbeschluss aus dem vergangenen Jahr, mit dem die Solidarität mit Israel und dessen Existenzrecht bekräftigt worden seien.
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Kultur
»Sie kamen, um uns zu töten. Mein Leben als Jüdin vor und nach dem 7. Oktober« – Ein Abend mit Dafna Gerstner
Beginn 19:00Buchpräsentation & Gespräch mit der Autorin
Mittwoch, 7. Oktober 2026, 19 Uhr
Lesung: Ulla Wagener
Moderation: Richard Volkmann
Dafna Gerstner stammt aus Israel und lebt seit 2011 in Deutschland. 2023 wurde sie Zeugin des brutalen Massakers der Hamas vom 7. Oktober im Kibbuz Be’eri. Wie durch ein Wunder überlebte sie in einem nicht abschließbaren Schutzraum in der Wohnung ihres Bruders Eitan. Dreißig Menschen von dort, darunter Kleinkinder, wurden nach Gaza verschleppt – nicht alle haben die Geiselhaft überlebt. Es starben insgesamt 102 aus dem Kibbuz Be‘eri, darunter auch Dafnas Bruder Eitan, der als Mitglied der Bereitschaftseinheit das Leben zahlreicher Kibbuz-Mitglieder rettete im für ihn tödlichen Kampf gegen die Terroristen.
In ihrem Buch erzählt die Überlebende Dafna Gerstner vom Leben im Kibbuz vor und nach dem Massaker, aber auch davon, was es heißt zu überleben. Sie berichtet von den traumatischen Folgen des Terrorangriffs – sowohl für sie persönlich als auch für die israelische Gesellschaft. Doch auch die Spaltung der deutschen Gesellschaft hat ihr Leben als Jüdin in Deutschland verändert.
Sa. 17.10.2026 | 6. Cheschwan 5787
Kultur
Zum 27. Mal: »Die lange Nacht der Münchner Museen
Beginn 20:30 Uhr:Beitrag der IKG München und Oberbayern
Auf einen Blick:
Vorträge (je 30 Min.)
20:30 Uhr Dinah Zenker
22:00 Uhr Ellen Presser
Konzerte des Synagogenchors »Schma Kaulenu«
unter Leitung von David Rees
21:15 Uhr und 22:30 Uhr (ca. 30 Min.)
Eine Synagoge, wörtlich Ort der Zusammenkunft (zum Gebet), ist von zentraler Bedeutung für jüdisches Leben. Der Vortrag erläutert, woher der Name »Ohel Jakob kommt, ferner architektonische Besonderheiten und die Rolle der Musik.
Musikalische Begleitung: Luisa Pertsovska
Veranstaltungsort: Synagoge »Ohel Jakob«, St.-Jakobs-Platz 18, 80331 München
Das Restaurant Einstein im Jüdischen Gemeindezentrum bietet koschere Köstlichkeiten.
Das Ticket kostet 20 Euro und berechtigt zum Eintritt in über 100 beteiligte Häuser.
Weitere Informationen unter www.muenchner.de und www.ikg-m.de
So. 18.10.2026 | 7. Cheschwan 5787
Kultur
»Shvayg Mayn Harts«. Jiddische Lieder aus der goldenen Ära des New Yorker Yiddish Theatre
Beginn 17:00 Uhr:
Sasha Lurje & Roman Grinberg – Gesang
Shvayg Mayn Harts Orchestra
Dirigent: Michael Alexander Willens
Mit „Shvayg Mayn Harts“ erfüllt sich Michael Alexander Willens einen lang gehegten persönlichen Traum: die Musik seiner beiden Großväter Alexander Olshanetsky und
Herman Yablokoff wieder auf die Bühne zu bringen. Beide gehörten zu den prägenden Persönlichkeiten des jiddischen Theaters in New York.
Als Komponisten, Sänger und Bühnenstars schufen sie Lieder, die weit über die jüdische Gemeinschaft hinaus bekannt wurden und bis heute zum Schatz des jiddischen Musiktheaters zählen. Werke wie „Papirosn“, „Mayn Shtetele Belz“, „Hopkele“ oder „Ikh hob dikh tsufil lib“ erzählen von Liebe und Sehnsucht, von Heimweh und Hoffnung, von den Erinnerungen an die alte Heimat und vom Traum eines neuen Lebens in Amerika.
Gemeinsam mit dem eigens gegründeten „Shvayg Mayn Harts Orchestra“ lässt Michael Alexander Willens diese musikalische Welt neu aufleben. Mit Sasha Lurje und Roman Grinberg, der auch für die Orchesterarrangements verantwortlich zeichnet, stehen zwei der führenden Stimmen der internationalen jiddischen Musikszene auf der Bühne. Sie führen durch ein Programm voller Emotionen, Humor und Lebensfreude und schlagen eine Brücke von den Anfängen des jiddischen Theaters in Osteuropa bis zu seiner Blütezeit in New York.
Voranmeldung erforderlich möglichst bis 7. Oktober unter: festkonzert@ikg-m.de
Israelitische Kultusgemeinde
München und Oberbayern K.d.ö.R.
St.-Jakobs-Platz 18
80331 München
Tel: +49 (0)89 20 24 00 -100
Fax: +49 (0)89 20 24 00 -170
E-Mail: empfang@ikg-m.de
