Israelitische Kultusgemeinde München und Oberbayern

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14. September 2017

„Dem Terror nicht nachgeben“

Die IKG beklagt beim Besuch in der KZ-Gedenkstätte den zunehmend stärker werdenden Judenhass. Von Helmut Reister, erschienen in der Jüdischen Allgemeinen vom 14.9.2017. Es war eine historisch bedeutsame Szene, als Israels Staatspräsident Reuven Rivlin die Schwelle der KZ-Gedenkstätte Dachau überschritt – jenen Ort, der für Unterdrückung, Entrechtung, Entmenschlichung durch das NS-Unrechtsregime steht. Er war der erste israelische Staatschef, der dies tat.

Gesten des Gedenkens und der Freundschaft: Als erster israelischer Staatspräsident besuchte Reuven Rivlin (l.) die KZ-Gedenkstätte Dachau. © Marina Maisel

Gesten des Gedenkens und der Freundschaft: Als erster israelischer Staatspräsident besuchte Reuven Rivlin (l.) die KZ-Gedenkstätte Dachau. © Marina Maisel

 

Die Vergegenwärtigung der grausamen Vergangenheit, die beim Betreten des früheren KZ-Geländes vor den Toren Münchens die zwangsläufige Folge ist, fand für Reuven Rivlin auch noch an einem anderen Ort statt. Gekommen war der Staatspräsident zur Eröffnung des Erinnerungsorts für die Terroropfer des Olympia-Attentats von 1972. Er unterstrich damit, welche Bedeutung Israel, die Angehörigen der Opfer und die ganze jüdische Gemeinschaft dem Erinnerungsort beimessen – und der damit verbundenen, bis in die Gegenwart reichenden Aufarbeitung.

Aufarbeitung

IKG-Präsidentin Charlotte Knobloch hatte die Notwendigkeit der unermüdlichen Aufarbeitung auch in ihrer Rede in Dachau angesprochen. »Der Holocaust ist in weiten Teilen gut erforscht«, erklärte sie, »doch halten sich nach wie vor Irrtümer. Einer davon: Der Holocaust ist vorbei. In Wahrheit ist er nicht vergangene Geschichte – es ist noch nicht einmal lange her, dass er geschah.«

Charlotte Knobloch sprach auch über das Attentat auf das israelische Olympia-Team. © Marina Maisel

Charlotte Knobloch sprach auch über das Attentat auf das israelische Olympia-Team. © Marina Maisel

 

Eine ganz ähnliche Betrachtung zur geschichtlichen Einordnung und dem Umgang damit zog Staatspräsident Rivlin in Bezug auf das Olympia-Attentat. Bis heute gebe es Menschen, die in diesem Massaker einen heroischen Akt sehen. Das dürfe nicht akzeptiert und zugelassen werden. »Wir dürfen dem Terror nicht nachgeben. Terror muss angeprangert werden, an jedem Ort und unter jeder Bedingung«, erklärte Rivlin bei seinem Besuch in München unmissverständlich.

Ministerpräsident Horst Seehofer war beim Festakt zur Eröffnung des Erinnerungsorts einer der Redner, die den ideologischen Hintergrund des Olympia-Attentats nicht aussparten und sich klar gegen jede Form von Antisemitismus positionierten. Charlotte Knobloch griff dies in ihrer Rede in Dachau ebenfalls auf. Es sei heute offensichtlich leichter, den Antisemitismus von einst zu verurteilen, doch es gehe auch darum, den heutigen Antisemitismus in all seinen Formen zu erkennen, zu benennen, zu ächten und zu bekämpfen. Wörtlich sagte sie: »Wir sind es den Opfern schuldig!«

Erschütterung

Ankie Spitzer ist ein Opfer, das von dem Hass auf Israel und die Juden massiv betroffen ist. Ihr Mann André Spitzer, Trainer der israelischen Fechtmannschaft, wurde bei dem Anschlag palästinensischer Terroristen getötet. Sie war Gast bei der Eröffnung der Erinnerungsstätte und beim Festakt mit den Staatspräsidenten. Einen Tag zuvor, am vergangenen Dienstag, stand sie wie in jedem Jahr am 5. September in Fürstenfeldbruck an dem Mahnmal, das an die elf ermordeten israelischen Sportler und den ermordeten Polizeibeamten erinnern soll.

Der 5. September 1972 hat ihr persönliches Leben und das ihrer Familie erschüttert, es hat Israel und die jüdische Gemeinschaft erschüttert, es hat München, Deutschland und die ganze Welt erschüttert. Zu der Gedenkveranstaltung, zu der Landrat Thomas Karmasin eingeladen hatte, kamen neben Ankie Spitzer auch Familienangehörige der anderen Opfer.

In tiefer Trauer: Israels Generalkonsulin Sandra Simovich und IKG-Präsidentin Charlotte Knobloch © Peter Weber

In tiefer Trauer: Israels Generalkonsulin Sandra Simovich und IKG-Präsidentin Charlotte Knobloch © Peter Weber

 

Für IKG-Präsidentin Charlotte Knobloch, die am Ende der Gedenkzeremonie gemeinsam mit der neuen israelischen Generalkonsulin Sandra Simovich Steine am Mahnmal ablegte, ist es ein persönliches Anliegen, der Opfer der Schoa zu gedenken. Verbunden sei damit aber auch ein kraftvolles Zeichen – für Erinnern, für Frieden, Freiheit und den Erhalt und die Stärkung gemeinsamer Werte.

Zäsur

In ihrer Rede erinnerte sie daran, dass die israelischen Sportler vor dem Hintergrund der dunklen Geschichte ausdrücklich als »Botschafter der Versöhnung« nach München zu Freunden gekommen seien. Was folgte, beschrieb Kultusminister Ludwig Spaenle bei der Gedenkfeier in Fürstenfeldbruck so: »Fürstenfeldbruck wurde 1972 ohne jegliches eigenes Zutun zum Schauplatz eines brutalen Konflikts, einer Epoche machenden Zäsur in der Nachkriegsgeschichte.« Im Tower auf dem Gelände des Fliegerhorsts von Fürstenfeldbruck, wo die Olympia-Tragödie ihr Ende nahm, ist ein Erinnerungs- und Lernort geplant, der durchgehend auf Zustimmung stößt: eine Schule der Demokratie.

In Gedanken auch bei den Terroropfern des Olympia-Attentats von 1972 in München: der Präsident des Zentralrats der Juden, Josef Schuster (r.) © Marina Maisel

In Gedanken auch bei den Terroropfern des Olympia-Attentats von 1972 in München: der Präsident des Zentralrats der Juden, Josef Schuster (r.) © Marina Maisel

 

Auch Charlotte Knobloch hält das Projekt für wichtig und geeignet, möglichst viele Menschen zu erreichen, um sie gegen ideologische Verblendungen zu immunisieren und für die Ideale der freiheitlichen Demokratie zu werben. »Extremismus jeder Couleur gefährdet unser Gemeinwesen«, erklärte sie auch mit Blick auf die Bundestagswahlen und den starken Zulauf für eine Partei mit nationalistischen, völkischen, rassistischen und antisemitischen Thesen und Personen.

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September 2026 | Elul-Tischri | « »

Aktuelle Veranstaltungen


Mi. 23.09.2026 | 12. Tischri 5787

Kultur

»Briefe an meinen Vater«. Von und mit Konrad Bernheimer

Beginn 19:00 Uhr:

Moderation: Ellen Presser

Konrad Bernheimer stellt das Schicksal seines Vaters Kurt sehr persönlich in den historischen Kontext dessen Lebenszeit: als Sohn des renommierten Kunsthändlers und Antiquitätensammlers Otto Bernheimer, als Bruder, Student der Kunstgeschichte, Emigranten in den venezolanischen Anden und Familienvater. 1954 kommt Konrad mit Mutter und zwei Schwestern zum Großvater nach München – ohne den Vater. Erst viel später erfährt Konrad Bernheimer, inzwischen selbst ein international erfolgreicher Kunsthändler, was mit seinem Vater einst geschah. Aus überlieferten Dokumenten und Familienerinnerungen entwickelt Bernheimer jr. eine Zwiesprache mit dem abwesenden Vater über Scham und Schuld, Liebe und Prägungen und die Last, die einem die Geschichte auferlegt, denn »Erinnerung bedeutet, dass etwas bleibt – auch wenn so vieles verschwunden ist«.

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Sa. 17.10.2026 | 6. Cheschwan 5787

Kultur

Zum 27. Mal: »Die lange Nacht der Münchner Museen

Beginn 20:30 Uhr:

Beitrag der IKG München und Oberbayern

Auf einen Blick:

Vorträge (je 30 Min.)
20:30 Uhr Dinah Zenker
22:00 Uhr Ellen Presser

Konzerte des Synagogenchors »Schma Kaulenu«
unter Leitung von David Rees
21:15 Uhr und 22:30 Uhr (ca. 30 Min.)

Eine Synagoge, wörtlich Ort der Zusammenkunft (zum Gebet), ist von zentraler Bedeutung für jüdisches Leben. Der Vortrag erläutert, woher der Name »Ohel Jakob kommt, ferner architektonische Besonderheiten und die Rolle der Musik.

Musikalische Begleitung: Luisa Pertsovska

Veranstaltungsort: Synagoge »Ohel Jakob«, St.-Jakobs-Platz 18, 80331 München

Das Restaurant Einstein im Jüdischen Gemeindezentrum bietet koschere Köstlichkeiten.

Das Ticket kostet 20 Euro und berechtigt zum Eintritt in über 100 beteiligte Häuser.

Weitere Informationen unter www.muenchner.de und www.ikg-m.de

So. 18.10.2026 | 7. Cheschwan 5787

Kultur

»Shvayg Mayn Harts«. Jiddische Lieder aus der goldenen Ära des New Yorker Yiddish Theatre

Beginn 17:00 Uhr:

Sasha Lurje & Roman Grinberg – Gesang
Shvayg Mayn Harts Orchestra
Dirigent: Michael Alexander Willens

Mit „Shvayg Mayn Harts“ erfüllt sich Michael Alexander Willens einen lang gehegten persönlichen Traum: die Musik seiner beiden Großväter Alexander Olshanetsky und
Herman Yablokoff wieder auf die Bühne zu bringen. Beide gehörten zu den prägenden Persönlichkeiten des jiddischen Theaters in New York.
Als Komponisten, Sänger und Bühnenstars schufen sie Lieder, die weit über die jüdische Gemeinschaft hinaus bekannt wurden und bis heute zum Schatz des jiddischen Musiktheaters zählen. Werke wie „Papirosn“, „Mayn Shtetele Belz“, „Hopkele“ oder „Ikh hob dikh tsufil lib“ erzählen von Liebe und Sehnsucht, von Heimweh und Hoffnung, von den Erinnerungen an die alte Heimat und vom Traum eines neuen Lebens in Amerika.
Gemeinsam mit dem eigens gegründeten „Shvayg Mayn Harts Orchestra“ lässt Michael Alexander Willens diese musikalische Welt neu aufleben. Mit Sasha Lurje und Roman Grinberg, der auch für die Orchesterarrangements verantwortlich zeichnet, stehen zwei der führenden Stimmen der internationalen jiddischen Musikszene auf der Bühne. Sie führen durch ein Programm voller Emotionen, Humor und Lebensfreude und schlagen eine Brücke von den Anfängen des jiddischen Theaters in Osteuropa bis zu seiner Blütezeit in New York.

Voranmeldung erforderlich möglichst bis 7. Oktober unter: festkonzert@ikg-m.de

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