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25. Mai 2017
Judenhass in münchner Linienbus
Nach dem antisemitischen Vorfall ermittelt die Polizei nun wegen Volksverhetzung. Von Helmut Reister, erschienen in der Jüdischen Allgemeinen vom 25.05.2017. Von Menschen wie Ihnen lebt unsere Demokratie, unser friedliches und respektvolles Miteinander, unser Gemeinwesen. Danke!« Der Dank von IKG-Präsidentin Charlotte Knobloch kommt aus tiefstem Herzen und richtet sich an eine 38-jährige Münchnerin und ihren Lebensgefährten. Die beiden haben zwar keine Heldentat vollbracht, aber sie haben Zivilcourage bewiesen – während alle anderen schwiegen.
Den Angaben der Münchner Polizei zufolge ist gegen sechs Männer und Frauen im Alter zwischen 18 und 33 Jahren ein Ermittlungsverfahren wegen Volksverhetzung und Beleidigung eingeleitet worden. Grund dafür sind antisemitische Hassparolen, die sie Mitte Mai in einem Linienbus vom Hauptbahnhof in Richtung Pasing grölten. Alle etwa 40 Fahrgäste konnten die Schreihälse hören.
Zivilcourage
Eine beherzte Münchnerin wollte sich das nicht gefallen lassen und forderte die Hetzer auf, damit aufzuhören. Danach wurde auch sie mit antisemitischen Kommentaren lautstark überzogen und bedrängt. Eine gänzliche Eskalation konnte schließlich nur noch der Lebensgefährte der Frau verhindern, der sich der pöbelnden Gruppe entgegenstellte. Während alle anderen Fahrgäste die Szenen teilnahmslos beobachteten, reagierte auch der Busfahrer sehr überlegt. Als er den Bus an der Donnersbergerbrücke zum Stehen brachte, wartete bereits die Polizei.
Der schleichende Prozess, durch den sich Antisemitismus von den ultrarechten Rändern langsam in die Mitte der Gesellschaft vorgearbeitet hat, wurde innerhalb der jüdischen Gemeinde schon oft thematisiert, gerade in den letzten Jahren. Und auch der damit einhergehende Wunsch an Politik und Gesellschaft, Antisemitismus in all seinen Varianten aufmerksamer zu beobachten, zu erkennen, zu benennen und zu ächten, ist nicht neu.
Wie dringend notwendig diese Forderung ist, beweist nach Ansicht von Charlotte Knobloch auch der Vorfall im Bus, der die bedenkliche gesellschaftliche Entwicklung in Sachen Judenhass dokumentiert. »Antisemitismus«, erklärt sie, »ist in Deutschland wieder zu einem massiven Problem geworden und äußert sich lauter, aggressiver, ungenierter, offener und immer öfter. Antisemitismus kommt von rechts, von links, von Neonazis, von Muslimen, von vermeintlichen Antifaschisten, von akademischen Schreibtischen.«
Antisemitismus
Das Verhalten von Juden selbst spielt dabei nach Überzeugung der IKG-Präsidentin überhaupt keine Rolle: »Egal wie sich Juden verhalten, ob sie sich anpassen, verstecken, ob sie das eine tun, oder das genaue Gegenteil: Das Phänomen Antisemitismus funktioniert immer.«
Noch sorgenvoller als die dumpfen Hassparolen der Herumgröler im Bus betrachtet Charlotte Knobloch das Verhalten der übrigen Fahrgäste, die keine Reaktion zeigten. »Wegschauen, nichts mitbekommen: Das hatten wir schon einmal«, erklärt die IKG-Präsidentin. Umso mehr Respekt gebührt nach ihrer Ansicht der mutigen Frau und ihrem Partner. »Sie haben nicht weggehört und weggesehen, sie haben das Inakzeptable nicht hingenommen, sie haben einfach Zivilcourage gezeigt«, betont Charlotte Knobloch.
Pure Ignoranz wird nach den Feststellungen einer Experten-Kommission, die im Auftrag der Bundesregierung tätig war und den Status quo des Antisemitismus in der Gesellschaft untersuchte, durch einen noch tiefer gehenden Aspekt ergänzt. »Ein großes Problem ist die fehlende Einsicht in der Bevölkerung, dass Antisemitismus überhaupt ein aktuelles Problem ist«, ist der Koordinator der Kommission, Patrick Siegele, überzeugt.
Forderung
Zu den Maßnahmen, mit denen die Experten glauben, dem Problem des stärker werdenden Antisemitismus besser begegnen zu können, gehört auch die Ernennung eines Antisemitismusbeauftragten durch die Bundesregierung. Diese Forderung hatte Charlotte Knobloch Anfang Mai erhoben, ebenso Josef Schuster, der Präsident des Zentralrats der Juden. Ein solcher Beauftragter, der die Entwicklung ständig im Blick behält, die Verantwortung für politische Initiativen hat und Ansprechpartner ist, sei dringend notwendig.
Der Anstieg der Judenfeindlichkeit schlägt sich auch in den Statistiken nieder. 176 Straftaten wurden im vergangenen Jahr etwa in Bayern registriert, das sind 33 Prozent mehr als im Vorjahr. Trotzdem spiegeln diese Zahlen nach Erkenntnis der Experten-Kommission nicht die Wirklichkeit wider.
Judenfeindliche Straftaten müssten nach Ansicht des Antisemitismusexperten Siegele von den Behörden konsequenter erfasst werden. Zudem sei die Dunkelziffer sehr hoch, da nicht alle Delikte angezeigt würden. Siegeles ernüchternde Feststellung hört sich so an: »Es fehlt ein schlüssiges Gesamtkonzept zur Bekämpfung des Antisemitismus.«
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Mi. 23.09.2026 | 12. Tischri 5787
Kultur
»Briefe an meinen Vater«. Von und mit Konrad Bernheimer
Beginn 19:00 Uhr:Moderation: Ellen Presser
Konrad Bernheimer stellt das Schicksal seines Vaters Kurt sehr persönlich in den historischen Kontext dessen Lebenszeit: als Sohn des renommierten Kunsthändlers und Antiquitätensammlers Otto Bernheimer, als Bruder, Student der Kunstgeschichte, Emigranten in den venezolanischen Anden und Familienvater. 1954 kommt Konrad mit Mutter und zwei Schwestern zum Großvater nach München – ohne den Vater. Erst viel später erfährt Konrad Bernheimer, inzwischen selbst ein international erfolgreicher Kunsthändler, was mit seinem Vater einst geschah. Aus überlieferten Dokumenten und Familienerinnerungen entwickelt Bernheimer jr. eine Zwiesprache mit dem abwesenden Vater über Scham und Schuld, Liebe und Prägungen und die Last, die einem die Geschichte auferlegt, denn »Erinnerung bedeutet, dass etwas bleibt – auch wenn so vieles verschwunden ist«.
Sa. 17.10.2026 | 6. Cheschwan 5787
Kultur
Zum 27. Mal: »Die lange Nacht der Münchner Museen
Beginn 20:30 Uhr:Beitrag der IKG München und Oberbayern
Auf einen Blick:
Vorträge (je 30 Min.)
20:30 Uhr Dinah Zenker
22:00 Uhr Ellen Presser
Konzerte des Synagogenchors »Schma Kaulenu«
unter Leitung von David Rees
21:15 Uhr und 22:30 Uhr (ca. 30 Min.)
Eine Synagoge, wörtlich Ort der Zusammenkunft (zum Gebet), ist von zentraler Bedeutung für jüdisches Leben. Der Vortrag erläutert, woher der Name »Ohel Jakob kommt, ferner architektonische Besonderheiten und die Rolle der Musik.
Musikalische Begleitung: Luisa Pertsovska
Veranstaltungsort: Synagoge »Ohel Jakob«, St.-Jakobs-Platz 18, 80331 München
Das Restaurant Einstein im Jüdischen Gemeindezentrum bietet koschere Köstlichkeiten.
Das Ticket kostet 20 Euro und berechtigt zum Eintritt in über 100 beteiligte Häuser.
Weitere Informationen unter www.muenchner.de und www.ikg-m.de
So. 18.10.2026 | 7. Cheschwan 5787
Kultur
»Shvayg Mayn Harts«. Jiddische Lieder aus der goldenen Ära des New Yorker Yiddish Theatre
Beginn 17:00 Uhr:
Sasha Lurje & Roman Grinberg – Gesang
Shvayg Mayn Harts Orchestra
Dirigent: Michael Alexander Willens
Mit „Shvayg Mayn Harts“ erfüllt sich Michael Alexander Willens einen lang gehegten persönlichen Traum: die Musik seiner beiden Großväter Alexander Olshanetsky und
Herman Yablokoff wieder auf die Bühne zu bringen. Beide gehörten zu den prägenden Persönlichkeiten des jiddischen Theaters in New York.
Als Komponisten, Sänger und Bühnenstars schufen sie Lieder, die weit über die jüdische Gemeinschaft hinaus bekannt wurden und bis heute zum Schatz des jiddischen Musiktheaters zählen. Werke wie „Papirosn“, „Mayn Shtetele Belz“, „Hopkele“ oder „Ikh hob dikh tsufil lib“ erzählen von Liebe und Sehnsucht, von Heimweh und Hoffnung, von den Erinnerungen an die alte Heimat und vom Traum eines neuen Lebens in Amerika.
Gemeinsam mit dem eigens gegründeten „Shvayg Mayn Harts Orchestra“ lässt Michael Alexander Willens diese musikalische Welt neu aufleben. Mit Sasha Lurje und Roman Grinberg, der auch für die Orchesterarrangements verantwortlich zeichnet, stehen zwei der führenden Stimmen der internationalen jiddischen Musikszene auf der Bühne. Sie führen durch ein Programm voller Emotionen, Humor und Lebensfreude und schlagen eine Brücke von den Anfängen des jiddischen Theaters in Osteuropa bis zu seiner Blütezeit in New York.
Voranmeldung erforderlich möglichst bis 7. Oktober unter: festkonzert@ikg-m.de
Israelitische Kultusgemeinde
München und Oberbayern K.d.ö.R.
St.-Jakobs-Platz 18
80331 München
Tel: +49 (0)89 20 24 00 -100
Fax: +49 (0)89 20 24 00 -170
E-Mail: empfang@ikg-m.de
