Israelitische Kultusgemeinde München und Oberbayern

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23. April 2017

Zeitzeugen: »Mir sajnen do!«

Das Münchner Café Zelig feierte mit einer Filmvorführung im Klinikum rechts der Isar sein Jubiläum. Von Ellen Presser, erschienen in der Jüdischen Allgemeinen vom 21.04.2017. Seit mehr als einem Jahr treffen sich in den Räumen der B’nai-B’rith-Loge dienstagnachmittags Holocaust-Überlebende im Café Zelig.

Initiator Joram Ronel, Oberarzt in der Klinik für Psychosomatik der TU München, schuf mithilfe der Israelitischen Kultusgemeinde München und Oberbayern sowie der Stiftung »Erinnerung, Verantwortung und Zukunft« einen Raum zum Treffen, Sprechen und auch zum Schweigen. Einen Raum der fröhlich sein will, »zelig« eben.

Im Gespräch: Jens-Jürgen Ventzki und Natan Grossmann. © Marina Maisel

Im Gespräch: Jens-Jürgen Ventzki und Natan Grossmann. © Marina Maisel

 

Ein regelmäßiger Besucher ist Natan Grossmann, 1927 in Zgierz geboren und Überlebender des Ghettos Lodz. Er kam über Auschwitz in eine Autofabrik nach Braunschweig, dann ins KZ-Außenlager Vechelde und wurde schließlich auf einem Todesmarsch bei Ludwiglust befreit. Der Dokumentarfilm Linie 41 von Tanja Cummings beschreibt Grossmanns Suche in Lodz nach Spuren seines totgeprügelten Vaters Abraham, seiner Mutter Bluma, die ihre Essensration dem jüngeren Sohn gab und im Ghetto verhungerte.

Biografien des Schreckens

Natan Grossmann nimmt es sich bis heute zu Herzen, dass er von ihr Brot angenommen hat. Tröstlich ist für ihn die Entdeckung, dass sein älterer Bruder Ber so mutig war, sich als Kundschafter in einen Transport nach Chelmno zu schmuggeln. Er hatte ja nicht wissen können, dass es aus diesem Vernichtungslager kein Zurück gab.

Joram Ronel hatte zum einjährigen Jubiläum des Zeitzeugen-Cafés die Filmvorführung im Hörsaal des Klinikums rechts der Isar anberaumt. Die Veranstaltung war nach kurzer Zeit ausgebucht, unter den Teilnehmern befanden sich viele Therapeuten und Psychoanalytiker. Auch der Moderator Salek Kutschinski war vom Fach: Der Münchner ist Facharzt für Psychotherapeutische Medizin. Er sprach auch mit Jens-Jürgen Ventzki, der im Film Linie 41 eine große Rolle spielt.

»Nestreiniger« Ventzki ist Sohn des deutschen Oberbürgermeisters von Litzmannstadt in der NS-Zeit und arbeitet die dunkle Biografie seines Vaters auf. Ihm war erst Anfang der 90er-Jahre aufgegangen, dass sein Vater mit der ihm unterstellten Ghettoverwaltung ein lupenreiner Täter gewesen war. Sein Bedürfnis, sich mit seinen Eltern zu identifizieren, so Kutschinski, war Ventzki genommen. Für Grossmann ist Ventzki ein mutiger Mensch, »ein Nestreiniger«.

IKG-Präsidentin Charlotte Knobloch sagt: »Es gibt keine Heilung für das Unheilbare. Aber es muss einen Weg geben, wie wir die Lehren aus der Vergangenheit vergegenwärtigen.« Ein guter Weg ist es, wie Regisseurin Tanja Cummings mit Natan Grossmann und Jens-Jürgen Ventzki Opfer- und Täterperspektiven sowie deren jeweilige Familiengeschichten zu thematisieren. Am Ende wurde gelacht und gesungen: Rina Zingelbach und Natan Grossmann stimmten das Partisanenlied »Mir sajnen do!« an. Eine wahrhaft berührende Hymne auf das Leben.

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Di. 09.06.2026 | 24. Siwan 5786

Kultur

„Vier Tage im Juni. Eine nahöstliche Tetralogie. Mossul – Tel Aviv – Babel – Istanbul“ mit Mona Yahia

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Lesung und Gespräch
Dienstag, 9. Juni 2026, 19 Uhr

In ihrem Roman »Vier Tage. Eine nahöstliche Tetralogie« erzählt Mona Yahia die Geschichte einer jüdischen Familie zwischen Mossul, Tel Aviv, Babel und Istanbul. Ausgehend von einem Wendepunkt im Jahr 1918 entfaltet sich über vier Generationen hinweg ein vielschichtiges Panorama von Aufbruch, Verlust und Exil.  In eindringlichen Momentaufnahmen – jeweils verdichtet auf einen einzigen Tag – verknüpft die Autorin persönliche Schicksale mit den Umbrüchen des 20. Jahrhunderts und stellt die Frage nach Zugehörigkeit, Erinnerung und dem eigenen Platz in der Welt. Weiterlesen »

Mo. 15.06.2026 | 30. Siwan 5786

Kultur

Buchvorstellung mit Tuvia Tenenbom: „Wie nennt Ihr dieses Land hier? Unter Siedlern“

Beginn 19:00

Buchpräsentation und Gespräch
Mit Fotos von Isi Tenenbom
Montag, 15. Juni 2026, 19 Uhr

Nach seinen Expeditionen »Allein unter Deutschen«, war er allein unter Juden, Amerikanern, Flüchtlingen und orthodoxen Juden. Inzwischen verbrachte Tenenbom acht Monate im Westjordanland unter Siedlern und sprach mit allen: religiösen Zionisten, politisch engagierten Siedlern, antizionistischen Charedim, mit Menschen, die aus wirtschaftlichen Gründen dort leben, mit Aktivisten, Journalisten, Politikern und Palästinensern.

Je mehr Gespräche er führte, desto deutlicher wurde: Ein einheitliches Bild lässt sich angesichts dieser komplexen Gemengelage nicht zeichnen. Gewalt verschweigt er nicht: »Ich gebe niemandem einen ›Rabatt‹. Ich weise nur darauf hin, dass dies ein kleiner Teil einer äußerst komplexen Geschichte ist – einer Geschichte mit vielen Schichten.« Weiterlesen »

Mi. 17.06.2026 | 2. Tamusz 5786

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Scholem-Alejchem-Vortrag: „ביכער פֿאַר אַלע“ – „Bücher für alle – populäre jiddische Literatur in Osteuropa, 1860 – 1914“

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Scholem-Alejchem-Vortrag in ondenk fun Evita Wiecki s“l
Mittwoch, 17. Juni 2026, 18:15 Uhr

Vortrag in jiddischer Sprache

  • Begrüßung: Prof. Dr. Martina Niedhammer
  • Einführung: Dr. Dasha Vakhrushova

Seit der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts wurde der jiddische Buchmarkt in Osteuropa neben traditionell-religiöser chassidischer Literatur immer mehr auch von weltlichen Publikationen geprägt. Diese neuen Texte richteten sich an ein breiteres jiddischsprachiges Lesepublikum, das tatsächlich großes Interesse an den neuen Formen und Inhalten zeigte. In dieser Zeit erschienen auch die ersten jiddischen Zeitungen, ein erschwingliches und leicht zugängliches Mittel der Verbreitung allgemeinen Wissens und aufklärerischer Ideen. Allmählich wurden diese Zeitungen zu einer wichtigen Bühne für literarische Werke unterschiedlichster Qualität. Der Vortrag möchte die große Bandbreite jiddischer Publikationen aufzeigen, zu denen jiddische Leser von der Mitte des 19. Jahrhunderts bis zum Ausbruch des Ersten Weltkriegs Zugang hatten, und stellt eine repräsentative Auswahl dieser Werke vor. Dazu gehören belletristische Werke diverser Genres und Stilrichtungen von verschiedener Qualität, darunter die sogenannte shund-literatur [Trivialliteratur] sowie populärwissenschaftliche Werke, die auf die Bedürfnisse der osteuropäischen jiddischen Leserschaft zugeschnitten waren. Weiterlesen »

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