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23. April 2017

Maccabi im Herzen

Die IKG feierte den 90. Geburtstag des Maccabi-Gründungsmitglieds Michael Bardos. Von Helmut Reister, erschienen in der Jüdischen Allgemeinen vom 21.04.2017.  Meter und Sekunden, Punkte, Tore und Platzierungen spielten beim TSV Maccabi einen Tag lang keine Rolle. Ganz im Mittelpunkt stand Michael Bardos, ehemaliger Präsident des Vereins und letztes lebendes Gründungsmitglied.

Michael Bardos mit Familie und Freunden. © Marina Maisel

Michael Bardos mit Familie und Freunden. © Marina Maisel

 

Er wurde am 3. April 90 Jahre alt – und seine vielen Freunde und Weggefährten beim TSV Maccabi feierten ihn, ließen ihn hochleben und wünschten ihm noch lange Gesundheit und Wohlbefinden. »Es war ein wunderschöner Tag«, sagte er hinterher.

Zu den vielen Aufmerksamkeiten, die Michael Bardos an seinem Ehrentag zuteil wurden, gehörte auch ein Trikot des TSV Maccabi mit der Nummer 90. Robby Rajber, der amtierende Präsident des jüdischen Sportvereins, überreichte es und übermittelte damit die Botschaft, dass sein Vorgänger nach wie vor ein Teil des TSV Maccabi ist. Umgekehrt trifft das in gleicher Weise zu. »Maccabi«, erzählt das Geburtstagskind, »bedeutet mir sehr viel. Der Verein hat mein Leben mitgeprägt.«

Ein ganz besonderes Trikot: Maccabi-Präsident Robby Rajber beschenkt seinen Vorgänger. © Marina Maisel

Ein ganz besonderes Trikot: Maccabi-Präsident Robby Rajber beschenkt seinen Vorgänger. © Marina Maisel

 

Erfolg

Als Michael Bardos Ende der 50er-Jahre in München landete, hatte er seine Heimat Ungarn gerade ein zweites Mal verlassen müssen. So wie er mussten ab 1956 Zehntausende Menschen nach der Niederschlagung des Volksaufstandes und dem Einmarsch der Sowjetarmee aus Ungarn flüchten, um ihr Leben zu retten. Das hatten Michael Bardos und seine Familie gut zehn Jahre vorher, 1944, schon einmal in ähnlicher Weise erlebt. »Von einem Tag auf den anderen, ohne irgendeine Vorankündigung, wurden wir deportiert«, blickt er in jene Zeit zurück, als die Nazis die »Endlösung« im Fall der ungarischen Juden besonders schnell und effizient organisierten.

Nach dem Volksaufstand, nach seiner Flucht und einer Zwischenstation in Wien wurde München seine neue Heimat. »Es ging alles viel einfacher als gedacht. Ich war gelernter Elektriker und fand auch sofort eine gute Beschäftigung«, blickt Michael Bardos auf die vielen Jahre zurück. Der berufliche Erfolg ergänzte auch sein privates Glück: Seine Frau, die er bereits in Ungarn heiratete und die mit ihm nach Deutschland kam, steht bis heute felsenfest an seiner Seite. »Bald werden es 70 Jahre, dass wir verheiratet sind«, rechnet das Geburtstagskind vor.

IKG-Vizepräsident Yehoshua Chmiel, Jubilar Michael Bardos und Ex-Maccabi-Chef Guttmann (v.l.). © Marina Maisel

IKG-Vizepräsident Yehoshua Chmiel, Jubilar Michael Bardos und Ex-Maccabi-Chef Guttmann (v.l.). © Marina Maisel

 

IKG-Vizepräsident Yehoshua Chmiel, der bei der Feier die Glückwünsche der Gemeinde überbrachte, aber auch selbst sportlich (Basketball) mit Maccabi verbunden ist, sprach noch eine andere Eigenschaft von Michael Bardos’ Ehefrau an. »Ohne ihr großes Verständnis für die vielen geopferten Abende und Wochenenden«, so Chmiel, »hätte ihr Mann für Maccabi nicht in diesem Umfang zur Verfügung stehen können.«

Wünsche

Rechtsanwalt Peter Guttmann, seit den 80er-Jahren in vielfältigen Funktionen mit Maccabi verbunden, unter anderem als Präsident in München, aber auch schon als Maccabi-Chef Deutschland, übermittelte seine Geburtstagswünsche denn auch gleich in mehreren Funktionen. »Ich vertrete als Vorstandsmitglied die IKG, gratuliere im Namen von Maccabi und vor allem als Freund«, analysierte er lachend seinen »Party«-Besuch.

Zuvor hatte Peter Guttmann das Geburtstagskind und dessen Familie auch schon zum Schmunzeln gebracht. »Er hat uns zu sich zum Essen eingeladen und uns gesagt, dass wir uns bei Maccabi treffen sollten, weil der Weg zu ihm so schwierig zu finden sei. Er holte uns dann dort ab. Stattdessen standen wir dann plötzlich mitten in einer Geburtstagsgesellschaft«, erzählte der Jubilar von der wohlgemeinten »Trickserei« seines Freundes. Für seine Vorgehensweise hatte Peter Guttmann allerdings auch eine einleuchtende Erklärung bereit. »Anders wäre es nicht gegangen. Er steht nicht so gern im Mittelpunkt«, beschrieb Guttmann seine »Notlage«.

Die Eigenschaft, sich persönlich zurückzunehmen, bescheiden aufzutreten und auch bei notwendigen harten Entscheidungen »a Mentsch« zu bleiben, wie es Guttmann und Chmiel übereinstimmend beschrieben, nennen auch alle anderen Menschen aus dem Umfeld von Michael Bardos als dessen herausstechendes Merkmal. »Er ist ein bescheidener, angenehmer Mensch und hat sich nie in den Vordergrund gedrängt«, sagte IKG-Präsidentin Charlotte Knobloch. Diese Erfahrung teilt sie mit dem langjährigen Geschäftsführer der Gemeinde, Chil Rackowski, der Michael Bardos als Revisor und Mitglied des Ehrengerichts der Gemeinde schätzen gelernt hat.

Weichen

Auf dem Vereinsgelände an der Riemer Straße hat sich der TSV Maccabi zu einem pulsierenden Verein mit einem breiten Angebot entwickelt, nicht nur für jüdische Sportler. Doch Michael Bardos spricht nicht gerne über sich und das, was er für Maccabi geleistet hat. Ex-Präsident Guttmann klärte deshalb umso lieber auf: »Er hat in den 80er-Jahren die Weichen für das Vereinsgelände gestellt und ist als Präsident zurückgetreten, um das Projekt auch Wirklichkeit werden zu lassen. Er hat seine persönlichen Interessen hinter die des Vereins gestellt. Das ist ehrenvoll.«

Darüber hinaus bewies Maccabi-Ex- und -Ehrenpräsident Michael Bardos bei der Geburtstagsfeier in eindrucksvoller Weise: Auch mit 90 Jahren kann man noch extrem fit sein!

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Aktuelle Veranstaltungen


Mi. 07.10.2026 | 26. Tischri 5787

Kultur

»Sie kamen, um uns zu töten. Mein Leben als Jüdin vor und nach dem 7. Oktober« – Ein Abend mit Dafna Gerstner

Beginn 19:00

Buchpräsentation & Gespräch mit der Autorin
Mittwoch, 7. Oktober 2026, 19 Uhr

Lesung: Ulla Wagener
Moderation: Richard Volkmann

Dafna Gerstner stammt aus Israel und lebt seit 2011 in Deutschland. 2023 wurde sie Zeugin des brutalen Massakers der Hamas vom 7. Oktober im Kibbuz Be’eri. Wie durch ein Wunder überlebte sie in einem nicht abschließbaren Schutzraum in der Wohnung ihres Bruders Eitan. Dreißig Menschen von dort, darunter Kleinkinder, wurden nach Gaza verschleppt – nicht alle haben die Geiselhaft überlebt. Es starben insgesamt 102 aus dem Kibbuz Be‘eri, darunter auch Dafnas Bruder Eitan, der als Mitglied der Bereitschaftseinheit das Leben zahlreicher Kibbuz-Mitglieder rettete im für ihn tödlichen Kampf gegen die Terroristen.

In ihrem Buch erzählt die Überlebende Dafna Gerstner vom Leben im Kibbuz vor und nach dem Massaker, aber auch davon, was es heißt zu überleben. Sie berichtet von den traumatischen Folgen des Terrorangriffs – sowohl für sie persönlich als auch für die israelische Gesellschaft. Doch auch die Spaltung der deutschen Gesellschaft hat ihr Leben als Jüdin in Deutschland verändert.

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Sa. 17.10.2026 | 6. Cheschwan 5787

Kultur

Zum 27. Mal: »Die lange Nacht der Münchner Museen

Beginn 20:30 Uhr:

Beitrag der IKG München und Oberbayern

Auf einen Blick:

Vorträge (je 30 Min.)
20:30 Uhr Dinah Zenker
22:00 Uhr Ellen Presser

Konzerte des Synagogenchors »Schma Kaulenu«
unter Leitung von David Rees
21:15 Uhr und 22:30 Uhr (ca. 30 Min.)

Eine Synagoge, wörtlich Ort der Zusammenkunft (zum Gebet), ist von zentraler Bedeutung für jüdisches Leben. Der Vortrag erläutert, woher der Name »Ohel Jakob kommt, ferner architektonische Besonderheiten und die Rolle der Musik.

Musikalische Begleitung: Luisa Pertsovska

Veranstaltungsort: Synagoge »Ohel Jakob«, St.-Jakobs-Platz 18, 80331 München

Das Restaurant Einstein im Jüdischen Gemeindezentrum bietet koschere Köstlichkeiten.

Das Ticket kostet 20 Euro und berechtigt zum Eintritt in über 100 beteiligte Häuser.

Weitere Informationen unter www.muenchner.de und www.ikg-m.de

So. 18.10.2026 | 7. Cheschwan 5787

Kultur

»Shvayg Mayn Harts«. Jiddische Lieder aus der goldenen Ära des New Yorker Yiddish Theatre

Beginn 17:00 Uhr:

Sasha Lurje & Roman Grinberg – Gesang
Shvayg Mayn Harts Orchestra
Dirigent: Michael Alexander Willens

Mit „Shvayg Mayn Harts“ erfüllt sich Michael Alexander Willens einen lang gehegten persönlichen Traum: die Musik seiner beiden Großväter Alexander Olshanetsky und
Herman Yablokoff wieder auf die Bühne zu bringen. Beide gehörten zu den prägenden Persönlichkeiten des jiddischen Theaters in New York.
Als Komponisten, Sänger und Bühnenstars schufen sie Lieder, die weit über die jüdische Gemeinschaft hinaus bekannt wurden und bis heute zum Schatz des jiddischen Musiktheaters zählen. Werke wie „Papirosn“, „Mayn Shtetele Belz“, „Hopkele“ oder „Ikh hob dikh tsufil lib“ erzählen von Liebe und Sehnsucht, von Heimweh und Hoffnung, von den Erinnerungen an die alte Heimat und vom Traum eines neuen Lebens in Amerika.
Gemeinsam mit dem eigens gegründeten „Shvayg Mayn Harts Orchestra“ lässt Michael Alexander Willens diese musikalische Welt neu aufleben. Mit Sasha Lurje und Roman Grinberg, der auch für die Orchesterarrangements verantwortlich zeichnet, stehen zwei der führenden Stimmen der internationalen jiddischen Musikszene auf der Bühne. Sie führen durch ein Programm voller Emotionen, Humor und Lebensfreude und schlagen eine Brücke von den Anfängen des jiddischen Theaters in Osteuropa bis zu seiner Blütezeit in New York.

Voranmeldung erforderlich möglichst bis 7. Oktober unter: festkonzert@ikg-m.de

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