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16. Februar 2017
BDS: Antizionismus in Gräfelfing
Warum ein Konzert für israelfeindliche Organisationen stattfinden konnte. Von Helmut Reister, erschienen in der Jüdischen Allgemeinen vom 16.2.2017. Protestnoten erreichten die Bürgermeisterin, aufgewühlte Mails, nachdenkliche Briefe, doch umstimmen ließ sie sich nicht mehr.

Ankündigungsplakat des umstrittenen „Benefizkonzerts“. © Marina Maisel
Im Bürgerhaus von Gräfelfing ging das Humanität vortäuschende »Benefizkonzert für Menschenrechte in Gaza« vergangene Woche wie geplant über die Bühne. Für Demokraten und insbesondere auch für die jüdische Gemeinschaft wirkte das wie ein Schlag ins Gesicht.
Zu den Mahnern im Vorfeld der Veranstaltung gehörte auch IKG-Präsidentin Charlotte Knobloch, die Bürgermeisterin Uta Wüst in einem ausführlichen Schreiben auf prekäre Zusammenhänge hinwies und auf eine Absage des Konzerts drängte. Umso enttäuschter ist sie jetzt.
Erstaunen und Empörung
»Gerade in diesen Zeiten eines erstarkenden Antisemitismus, zu dessen vielen Gesichtern eben auch die einseitige Dämonisierung und Delegitimierung des Staates Israel gehört«, hatte Charlotte Knobloch an die Bürgermeisterin geschrieben, »darf eine Kommune keinen Zweifel an ihrer Haltung lassen, dass sie Antisemitismus kein Forum bietet. Alles andere ließe unser öffentliches Gedenken, Mahnen und Eintreten für die Menschenrechte zu einer hohlen Geste verkommen.«

Auch die Proteste vor dem Bürgerhaus halfen nicht: Das umstrittene Benefizkonzert in Gräfelfing fand vergangene Woche wie geplant statt. © Marina Maisel
Dass dem Veranstalter mit dem Bürgerhaus eine öffentliche Plattform zur Verfügung gestellt wurde, sorgte auch bei der Liberalen jüdischen Gemeinde München Beth Shalom für Empörung. Jan Mühlstein, der Vorsitzende, hatte in einem Schreiben ebenfalls gegen die Veranstaltung protestiert. Mitglieder der Gemeinde verteilten am Veranstaltungsabend vor dem Bürgerhaus Flugblätter und versuchten, mit Besuchern ins Gespräch zu kommen und zu diskutieren. »Alles blieb im Rahmen und verlief störungsfrei«, konnte Mühlstein im Anschluss zumindest feststellen.
Ohnehin mit Erstaunen hatte die IKG-Präsidentin zur Kenntnis nehmen müssen, dass die Veranstaltung in Gräfelfing genau dem Strickmuster mit den gleichen handelnden Personen und Inhalten entsprach, die bereits im vergangenen Herbst in München Ärger hervorgerufen hatten. Die geplante Veranstaltung in der Erlöserkirche war damals mit der Begründung abgesagt worden, dass die Veranstalter die antisemitische BDS-Bewegung unterstützen und das Konzert die Plattform für einseitig israelfeindliche, antisemitische Äußerungen biete.
Täuschung und Enttäuschung
»Ich hätte es für angebracht gehalten«, erklärt Charlotte Knobloch, »dass die Gemeinde Gräfelfing diesem Schritt gefolgt wäre. Es kann nicht angehen, dass eine Veranstaltung, die letztendlich antisemitischen Zielen dient, in öffentlichen Räumen stattfindet.« Doch die Realität sah anders aus: Das umstrittene »Benefizkonzert« wurde gleich von mehreren Interessensgruppen unterstützt, unter anderem von den Grünen und der CSU.
Das bringt nicht nur Jan Mühlstein in Rage. Charlotte Knobloch hat bei der Suche nach den Gründen für die Intensität der Unterstützung nur eine Erklärung parat: »Dass sie sich gewinnen ließen, kann ich mir nur damit erklären, dass sie nicht hinreichend informiert waren und sich über die wahren Ziele des scheinbar so harmlosen ›Benefizkonzerts‹ täuschen ließen.«
Viele Mitglieder der jüdischen Gemeinde sind sich einig, dass die Veranstaltung in Gräfelfing im Endeffekt nur dem Ziel diente, Israel zu diffamieren – unter dem Deckmantel eines humanitären Zwecks. Auf diesen Aspekt hatte IKG-Präsidentin Charlotte Knobloch in ihrem Schreiben Gräfelfings Bürgermeisterin ganz besonders aufmerksam gemacht. Von ihrer Einschätzung lässt sie sich auch nicht durch ein Argument abbringen, das von den Unterstützern des Konzerts genannt wurde: Der Erlös des »Benefizkonzerts«, heißt es, komme der Hilfsorganisation »medico international« zugute, einer Organisation, der vom Deutschen Zentralinstitut für Soziale Fragen (DZI) ein sorgfältiger Umgang mit den Spendengeldern bescheinigt werde.
Empathie? Fehlanzeige!
Für Charlotte Knobloch ist diese Argumentation eher der krampfhafte Versuch, nach Rechtfertigungen zu suchen. »Es kann schon sein«, erklärt sie, »dass sorgfältig mit den Spendengeldern umgegangen wird. Doch was sagt das schon über die israelfeindliche Ausrichtung der Organisation aus? Ein Blick auf die Homepage genügt doch, um zu sehen, wie einseitig eine hochkomplexe Situation dargestellt wird. Empathie, Verständnis für die israelische Bevölkerung, die der ständigen Terrorgefahr durch den Bombenangriff aus dem Gazastreifen ausgesetzt sind? Fehlanzeige! Bemerkungen zur Hamas, die als internationale Terrororganisation eingestuft wird? Kein Wort!«
Die deutliche Kritik an dem Konzert hält Charlotte Knobloch für durchaus angemessen, und sie sei, wie sie betont, auch weit davon entfernt, einen kontroversen Diskurs über die Politik Israels zu unterbinden. Das sei zentraler Bestandteil jeder Demokratie, etwa auch in Israel, dem einzigen demokratischen Staat im Nahen Osten.
»Diese Veranstaltung aber«, analysiert sie, »macht auch eine Entwicklung deutlich: Sie beweist, dass Antisemitismus mehr und mehr seine Randpositionen verlässt und bereits in der Mitte der Gesellschaft angekommen ist. Das ist beängstigend.«
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Aktuelle Veranstaltungen
Do. 05.03.2026 | 16. Adar 5786
Kultur
»Wie rettet man das Tote Meer?«
Vorstellung eines Dokumentarfilmprojekts und Vortrag im Rahmen der 17. Jüdischen Filmtage
Initiatoren: Florentinfilm, Herzliya / Israel
Das Tote Meer stirbt. Es verliert anderthalb Meter pro Jahr. Der Wasserspiegel sinkt, die Strände verschwinden, Erdfälle öffnen sich. Wenn das so weitergeht, ist es in 30 Jahren verschwunden.
Der in Entstehung befindliche Film will die Geschichte dieses Binnenmeeres aus der Perspektive von drei Personen erzählen: Mosche Bernstein, einem orthodoxen jungen Mann, der statt in der Jeschiwa zu lernen, mit seiner Kamera die Salzschichten, Rückzugslinien, sich ändernden Farben, dokumentiert; Oded Rahav, Umweltaktivist , Extremsportler und Gründer der Initiative Dead Sea Guardians; Jackie ben Zaken, ehem. Marine-Soldat, der dort seine innere Ruhe wiederfand und nun Bewußtseins-Touren leitet, mit Blick auf die sich ändernden Landschaften und seltene geologische Phänomene, die das zurückweichende Wasser freigibt.
Präsentation des Film-Teasers zur in Vorbereitung befindlichen Film-Dokumentation mit den Filmemachern Harel Yana und Mordechai Malka
»Last chance to save the Dead Sea«
Vortrag des Umweltaktivisten Oded Rahav
in engl. Sprache mit Powerpoint-Präsentation
Moderation: Emanuel Rotstein
Eintritt frei.
Anmeldung erbeten unter karten@ikg-m.de oder (089) 202 400 4i91
Veranstalter: Kulturzentrum der IKG München & Oberbayern mit freundlicher Unterstützung von florentinfilm
Veranstaltungsort: Jüdisches Gemeindezentrum, St.-Jakobs-Platz 18
Di. 10.03.2026 | 21. Adar 5786
Kultur
„Lieber Gott als nochmals Jesus“ – eine humoristische Beichte mit Ilja Richter
Beginn 19:00Buchpräsentation
Dienstag, 10. März 2026, 19 Uhr
Teil der Woche der Brüderlichkeit
Ilja Richter nimmt seine Zuhörerschaft mit auf (s)eine Suche nach religiöser Heimat und Zugehörigkeit. Dabei umkreist er das Thema Judentum / Christentum in bitter-komischen Geschichten, pointierten Glossen, mit Fakten und Zitaten – und Musik. Damit eröffnet er seinen ganz eigenen, ungewöhnlichen Blick in die Welt des Glaubens.
Ilja Richter, 1952 in Ost-Berlin geboren, ist das Kind einer jüdischen Mutter und eines nichtjüdischen Vaters, der als Kommunist 9 ½ Jahre in Zuchthaus und KZ verbrachte. Er gehört zu den vielseitigsten Künstlern in jeder nur denkbaren Sparte: als Schauspieler, Synchron- und Hörfunksprecher, Sänger, Autor, Theater- und Musical-Regisseur und -Darsteller. Frühe Berühmtheit erlangte er als jüngster TV-Moderator mit der Sendung »Disco« im ZDF. Weiterlesen »
Do. 12.03.2026 | 23. Adar 5786
Kultur
Ephraim Kishon. Ein Leben für den Humor
Beginn 19:00Ein Abend mit der Biographin Silja Behre
Donnerstag, 12. März 2026, 19 Uhr
Teil der Woche der Brüderlichkeit
Seit den 1960er-Jahren führten Ephraim Kishons Bücher immer wieder die Bestseller-Listen an, wurden teilweise auch verfilm, inklusive zwei Oscar-Nominierungen. Wie kam es dazu, dass der aus Budapest stammende Israeli Ephraim Kishon (1924-2005) mit seinen Humoresken gerade beim deutschen Publikum seinen größten Erfolg hatte? Ausgehend von Kishons eigenen Aufzeichnungen, Erinnerungen von Zeitzeugen und Weggefährten sowie Presseberichten und Archivmaterial beschreibt die Biographin Silja Behre seine Erfolgsgeschichte im Spannungsfeld von Literatur, Humor und Politik. Weiterlesen »
Israelitische Kultusgemeinde
München und Oberbayern K.d.ö.R.
St.-Jakobs-Platz 18
80331 München
Tel: +49 (0)89 20 24 00 -100
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