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10. Februar 2017
176 Straftaten
Antisemitisch motivierte Delikte steigen auch in Bayern sprunghaft an. Von Helmut Reister, erschienen in der Jüdischen Allgemeinen, 2.2.107. Die bayerischen Behörden haben im vergangenen Jahr einen besorgniserregenden Anstieg antisemitisch motivierter Straftaten registriert. Wie eine Auswertung der Polizeistatistiken durch das Innenministerium ergab, stieg die Zahl im Vergleich zum Vorjahr um 33 Prozent auf 176 Einzelfälle.
»Diese Zahlen«, erklärte IKG-Präsidentin Charlotte Knobloch, »sind ein Schlag ins Gesicht nicht nur der jüdischen Gemeinschaft, sondern der gesamten Gesellschaft.«

Judenfeindliche Verschandelung der IKG-Freiluftausstellung »Jüdisches Leben gestern und heute« auf dem Jakobsplatz im Sommer 2015. © Marina Maisel
Der fünfseitige schriftliche Bericht des Innenministeriums, die Antwort auf eine Anfrage der SPD-Landtagsfraktion, macht die erschreckenden Dimensionen deutlich, die der Hass auf Juden inzwischen wieder angenommen hat. Verunglimpfungen, Beschimpfungen, Drohungen, Diffamierungen, Nötigung und Sachbeschädigungen gehören der Auflistung der antisemitisch ausgerichteten Straftaten zufolge fast schon zur Tagesordnung. Da nach Angaben des Innenministeriums noch nicht alle Datenbestände ausgewertet sind, kann es zudem gut sein, dass die Zahl der registrierten Straftaten noch weiter ansteigt.
Mord
Rechte Extremisten schreckten den Polizeistatistiken zufolge 2016 in Bayern auch vor physischer Gewalt gegenüber Personen nicht zurück. Körperverletzungen sind mehrfach festgehalten, aber auch ein Totschlag und ein antisemitisch motivierter Mord. IKG-Präsidentin Charlotte Knobloch zeigt sich erkennbar betroffen: »Dass nur 70 Jahre nach dem Holocaust in Europa und auch hierzulande wieder Menschen bedroht, verfolgt und ermordet werden, weil sie Juden sind, hatte ich nicht für möglich gehalten.«
Für Charlotte Knobloch, die seit Langem auf die »braune Renaissance« und das Entstehen neuer rechter Strukturen aufmerksam macht, ist von der Entwicklung jedoch nicht sonderlich überrascht. Bereits seit mehreren Jahren erleben Juden in Deutschland eine erschreckende Zunahme an Anfeindungen und offener Aggression, beschreibt sie ihre persönlichen Erfahrungen und Erkenntnisse. »Der blanke Hass«, so die IKG-Präsidentin und ehemalige Präsidentin des Zentralrats der Juden in Deutschland, »entlädt sich zwar insbesondere im Internet. Er zeigt sich aber auch immer öfter und ungeniert in unserer Lebensrealität.«
Charlotte Knobloch weist auch auf das breite Spektrum antisemitischer Strukturen hin. Muslime aus Herkunftsstaaten, in denen Hass auf Juden zur Staatsräson gehört, müssten dazu gerechnet werden, aber auch radikale Vertreter des linken Spektrums. »Wir müssen indes zur Kenntnis nehmen, dass ein tief sitzendes antisemitisches Denken auch in der breiten Mitte der Gesellschaft vorhanden ist«, stellt die IKG-Präsidentin nüchtern und ernüchtert fest.
Konsequenzen
Bei der Suche nach einer Antwort auf die Frage, warum sich Antisemitismus wieder in dieser Intensität in der Gesellschaft einnistet, ist Charlotte Knobloch auf eine grundsätzliche Problematik gestoßen. »Über Jahrzehnte hinweg«, erklärt sie, »ist der Kampf gegen Rechtsextremismus in Deutschland nicht mit der erforderlichen Härte und Konsequenz geführt worden.«
Die Folge davon, dass die gesamte rechtsextreme Szene unterschätzt und verharmlost worden ist, hat ihrer Ansicht nach zu fatalen Auswirkungen geführt: »Dadurch konnte die rechte Szene ein dichtes Netzwerk, professionelle Strukturen und effektive Schlagkraft aufbauen.« Das, so die IKG-Präsidentin, hätten erneut die jüngsten Razzien bei »Reichsbürgern« sowie Recherchen zu Neonazi-Gruppierungen wie der Identitären Bewegung, »Combat 18« oder Parteien wie »Die Rechte« und »Der III. Weg« bewiesen.
»Offenbar hat nicht einmal die Aufdeckung des NSU zu einem nachhaltigen Umdenken geführt«, stellt die IKG-Präsidentin mit Blick auf Pegida & Co. fest, die die Verrohung der politischen Kultur maßgeblich vorantreiben würden. Zudem habe sich die AfD, eine NPD im Light-Format, in vielen Parlamenten etablieren können. Ideologische Unterschiede seien nicht zu erkennen.
Geschichtsklitterung
»In den Reihen der AfD«, so Knobloch, »herrschen dieselben verfassungs- und demokratiefeindlichen Thesen und Tiraden. Neonazis, Geschichtsklitterung, Antisemitismus, Rassismus, völkischer Nationalismus und Geschichtsverdrehung werden gebilligt. Eine glaubhafte Distanzierung findet nicht statt. Umso schmerzlicher ist das gescheiterte NPD-Verbot.«
Der Bericht des Innenministeriums erschien am 27. Januar, dem Tag des Gedenkens an die Opfer des Nationalsozialismus. An diesem Tag im Jahr 1945 wurde das KZ Auschwitz befreit.
72 Jahre später sagt die IKG-Präsidentin: »Mehr denn je muss es an diesem 27. Januar heißen: Das Gedenken an die Opfer der Nazis bedeutet auch einen klaren Handlungsauftrag. Staat, Politik, Justiz, Sicherheitsbehörden und auch die Zivilgesellschaft müssen sich wehrhaft vor unsere Demokratie stellen – und damit vor allem schützend vor bedrohte Minderheiten.«
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Aktuelle Veranstaltungen
Sa. 17.10.2026 | 6. Cheschwan 5787
Kultur
Zum 27. Mal: »Die lange Nacht der Münchner Museen
Beginn 20:30 Uhr:Beitrag der IKG München und Oberbayern
Auf einen Blick:
Vorträge (je 30 Min.)
20:30 Uhr Dinah Zenker
22:00 Uhr Ellen Presser
Konzerte des Synagogenchors »Schma Kaulenu«
unter Leitung von David Rees
21:15 Uhr und 22:30 Uhr (ca. 30 Min.)
Eine Synagoge, wörtlich Ort der Zusammenkunft (zum Gebet), ist von zentraler Bedeutung für jüdisches Leben. Der Vortrag erläutert, woher der Name »Ohel Jakob kommt, ferner architektonische Besonderheiten und die Rolle der Musik.
Musikalische Begleitung: Luisa Pertsovska
Veranstaltungsort: Synagoge »Ohel Jakob«, St.-Jakobs-Platz 18, 80331 München
Das Restaurant Einstein im Jüdischen Gemeindezentrum bietet koschere Köstlichkeiten.
Das Ticket kostet 20 Euro und berechtigt zum Eintritt in über 100 beteiligte Häuser.
Weitere Informationen unter www.muenchner.de und www.ikg-m.de
So. 18.10.2026 | 7. Cheschwan 5787
Kultur
»Shvayg Mayn Harts«. Jiddische Lieder aus der goldenen Ära des New Yorker Yiddish Theatre
Beginn 17:00 Uhr:
Sasha Lurje & Roman Grinberg – Gesang
Shvayg Mayn Harts Orchestra
Dirigent: Michael Alexander Willens
Mit „Shvayg Mayn Harts“ erfüllt sich Michael Alexander Willens einen lang gehegten persönlichen Traum: die Musik seiner beiden Großväter Alexander Olshanetsky und
Herman Yablokoff wieder auf die Bühne zu bringen. Beide gehörten zu den prägenden Persönlichkeiten des jiddischen Theaters in New York.
Als Komponisten, Sänger und Bühnenstars schufen sie Lieder, die weit über die jüdische Gemeinschaft hinaus bekannt wurden und bis heute zum Schatz des jiddischen Musiktheaters zählen. Werke wie „Papirosn“, „Mayn Shtetele Belz“, „Hopkele“ oder „Ikh hob dikh tsufil lib“ erzählen von Liebe und Sehnsucht, von Heimweh und Hoffnung, von den Erinnerungen an die alte Heimat und vom Traum eines neuen Lebens in Amerika.
Gemeinsam mit dem eigens gegründeten „Shvayg Mayn Harts Orchestra“ lässt Michael Alexander Willens diese musikalische Welt neu aufleben. Mit Sasha Lurje und Roman Grinberg, der auch für die Orchesterarrangements verantwortlich zeichnet, stehen zwei der führenden Stimmen der internationalen jiddischen Musikszene auf der Bühne. Sie führen durch ein Programm voller Emotionen, Humor und Lebensfreude und schlagen eine Brücke von den Anfängen des jiddischen Theaters in Osteuropa bis zu seiner Blütezeit in New York.
Voranmeldung erforderlich möglichst bis 7. Oktober unter: festkonzert@ikg-m.de
Mi. 21.10.2026 | 10. Cheschwan 5787
Kultur
Filmvorführung „Noga“
Beginn 19:00Filmvorführung
Mittwoch, 21. Oktober 2026, 19 Uhr
Ein Film von Jono & Benji Bergmann mit Noga Erez und Ori Rousso
Produktion: Babka Film in Koproduktion u.a. mit Sperl Film + Fernsehproduktion
Österreich/ Deutschland/ Israel 2026, 96 Min.
Originalsprache: Hebräisch, Englisch, mit deutschen Untertiteln
Die israelische Musikerin Noga Erez ist mit ihrem kreativen Partner und Lebensgefährten Ori Rousso auf dem Weg zum internationalen Durchbruch. Zwischen ausverkauften Konzertsälen mit provokanten Hits wie »End of the Road«, politischer Zuspitzung und persönlichen Spannungen, kämpft sie darum, weiterhin gehört, vor allem aber verstanden zu werden – in einer Welt, die zunehmend aus den Fugen gerät. Weiterlesen »
Israelitische Kultusgemeinde
München und Oberbayern K.d.ö.R.
St.-Jakobs-Platz 18
80331 München
Tel: +49 (0)89 20 24 00 -100
Fax: +49 (0)89 20 24 00 -170
E-Mail: empfang@ikg-m.de
