Israelitische Kultusgemeinde München und Oberbayern

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10. November 2016

Endlich dahoam

Vor zehn Jahren kehrte die IKG mit der Synagoge Ohel Jakob ins Herz der Stadt zurück. Von Helmut Reister, erschienen in der Jüdischen Allgemeinen, 10.11.2016. Charlotte Knobloch, die Präsidentin der Israelitischen Kultusgemeinde München und Oberbayern, hat mit Hartnäckigkeit, Diplomatie und jahrelangem unermüdlichen Engagement etwas geschafft, das fast der Quadratur des Kreises nahekommt.

Imposant und unübersehbar: 2006 wurde die Synagoge Ohel Jakob auf dem zentralen Jakobsplatz eröffnet. © Marina Maisel

Imposant und unübersehbar: 2006 wurde die Synagoge Ohel Jakob auf dem zentralen Jakobsplatz eröffnet. © Marina Maisel

 

Der 9. November, der überall auf der Welt – und besonders in München, der einstigen »Hauptstadt der Bewegung« – mit der Erinnerung an den Beginn der systematischen Verfolgung der Juden durch die Nazis auf äußerst schmerzvolle Weise verbunden ist, hat in der bayerischen Landeshauptstadt seit genau zehn Jahren auch einen glanzvollen Aspekt. Denn am 9. November 2006 kehrte mit der Eröffnung der Ohel-Jakob-Synagoge auf dem Jakobsplatz die jüdische Gemeinschaft auch äußerlich sichtbar ins Herz der Stadt München zurück.

Erfolgsgeschichte

Das Saarbrücker Architekturbüro Wandel Hoefer Lorch hatte mit der imposanten neuen Hauptsynagoge, einem der bedeutendsten modernen Sakralbauwerke überhaupt, das Hinterhofdasein der jüdischen Gemeinde in der Reichenbachstraße beendet. Fast 300.000 Besucher, dazu jährlich rund 800 Schulklassen, haben seitdem die Ohel-Jakob-Synagoge, das Zelt Jakobs, besucht. Zusammen mit dem Gemeindezentrum der IKG, das nur wenige Monate später seiner Bestimmung übergeben wurde und durch den unterirdischen »Gang der Erinnerung« mit der Synagoge verbunden ist, entstand ein einmaliges religiöses und kulturelles Zentrum. »Von dieser Erfolgsgeschichte«, sagt Charlotte Knobloch, »hätte ich nicht einmal zu träumen gewagt.«

Blick von Südosten auf die Fassade der alten Münchner Hauptsynagoge.

Blick von Südosten auf die Fassade der alten Münchner Hauptsynagoge.

 

Die alte Hauptsynagoge stand in der Herzog-Max-Straße in der Nähe des Stachus. Ein massiver Gedenkstein erinnert dort an das Gotteshaus, das von den Nazis auf Befehl Hitlers schon Monate vor der Pogromnacht als eine der ersten Synagogen überhaupt dem Vernichtungswahn der Nationalsozialisten zum Opfer fiel. Die orthodoxe Synagoge Ohel-Jakob in der Herzog-Rudolf-Straße, die dem neuen Gotteshaus ihren Namen übertrug, wurde in der Pogromnacht völlig zerstört. Für IKG-Präsidentin Charlotte Knobloch sind es noch heute schmerzhafte Erinnerungen, wenn sie daran denkt. »Ich habe an der Hand meines Vaters die zerstörten Synagogen gesehen und konnte nicht begreifen, was geschah«, so Knobloch.

77 Jahre später genießt sie von ihrem Büro im Gemeindezentrum den Blick auf den optisch spektakulären Synagogen-Bau, ein schroffer Kalksteinquader, der an die Klagemauer in Jerusalem erinnert, darauf ein filigraner, golden schimmernder Kubus. Auf dem fünf Tonnen schweren Eingangsportal prangen zehn hebräische Buchstaben, einer für jedes der Zehn Gebote. Das Innere der Synagoge wird von Zedernholz aus dem Libanon bestimmt und strahlt heimelige Wärme aus. Im Verbindungsgang unter dem Jakobsplatz erinnern beleuchtete Glasplatten, auf denen Namen eingraviert sind, an die über 4500 Münchner Juden, die während der NS-Zeit ermordet wurden.

Stolz

Das Resümee, das Charlotte Knobloch anlässlich des zehnten Jahrestags von Gemeindezentrum und Synagoge unweit des Rathauses und der Frauenkirche zieht, fällt durchweg positiv aus: »Der Bau des jüdischen Zentrums inmitten der Stadt«, erklärt sie voller Stolz, »hat dem jüdischen Leben in München wieder den Stellenwert gegeben, den es vor seiner Vernichtung hatte.« Belegbar ist dies auch durch eine im Gemeindezentrum gebündelte Struktur. Hier gibt es eine Bibliothek und eine jüdische Volkshochschule, ein Jugendzentrum, einen Kindergarten, eine Grundschule sowie seit diesem Herbst auch ein staatlich genehmigtes, privates jüdisches Gymnasium. Koscheres Essen auf Spitzenniveau wird im Restaurant »Einstein« serviert.

Für kulturelle Events, die oft im Tagesrhythmus über die Bühne gehen, stehen mehrere Räumlichkeiten zur Verfügung. Der größte Saal trägt den Namen des Verlegers Hubert Burda, den Charlotte Knobloch nicht nur wegen seiner Millionen-Spende zur Verwirklichung des Gemeindezentrums als »wahren Freund« bezeichnet. Für seine Verdienste hat er schon vor Jahren die »Ohel-Jakob-Medaille in Gold« erhalten, die höchste Auszeichnung, die die IKG zu vergeben hat. In diesem Jahr, zur Jubiläumsfeier am 9. November, erhielt Bundeskanzlerin Angela Merkel den Preis.

Sie und viele der hochrangigen Gäste, die Synagoge und Gemeindezentrum am Mittwoch dieser Woche besuchten, überschütteten Charlotte Knobloch, die seit über 30 Jahren als Präsidentin die Geschicke der Gemeinde lenkt und Initiatorin des religiösen wie kulturellen Zentrums ist, aus Anlass des zehnjährigen Jubiläums mit viel Lob und Anerkennung.

Wachsamkeit

Auch den beiden christlichen Kirchen ist die jüdische Gemeinde eng verbunden. »Ohel Jakob ist ein Segen für uns alle«, sagte zum Beispiel die evangelische Regionalbischöfin Susanne Breit-Keßler am Rande der Jubiläumsveranstaltung. »Das jüdische Gemeindezentrum und die Synagoge sind Orte gelebter Normalität und lebendiges Symbol für eine vielfältige, menschenwürdige Gesellschaft.«

Zugleich fordert die Theologin, die eine enge Freundschaft mit Charlotte Knobloch verbindet, Wachsamkeit und Zivilcourage gegen jede Form von Antisemitismus: »Jüdinnen und Juden sind selbstverständlich und unangefochten Teil unserer Gesellschaft.«

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Aktuelle Veranstaltungen


Sa. 17.10.2026 | 6. Cheschwan 5787

Kultur

Zum 27. Mal: »Die lange Nacht der Münchner Museen

Beginn 20:30 Uhr:

Beitrag der IKG München und Oberbayern

Auf einen Blick:

Vorträge (je 30 Min.)
20:30 Uhr Dinah Zenker
22:00 Uhr Ellen Presser

Konzerte des Synagogenchors »Schma Kaulenu«
unter Leitung von David Rees
21:15 Uhr und 22:30 Uhr (ca. 30 Min.)

Eine Synagoge, wörtlich Ort der Zusammenkunft (zum Gebet), ist von zentraler Bedeutung für jüdisches Leben. Der Vortrag erläutert, woher der Name »Ohel Jakob kommt, ferner architektonische Besonderheiten und die Rolle der Musik.

Musikalische Begleitung: Luisa Pertsovska

Veranstaltungsort: Synagoge »Ohel Jakob«, St.-Jakobs-Platz 18, 80331 München

Das Restaurant Einstein im Jüdischen Gemeindezentrum bietet koschere Köstlichkeiten.

Das Ticket kostet 20 Euro und berechtigt zum Eintritt in über 100 beteiligte Häuser.

Weitere Informationen unter www.muenchner.de und www.ikg-m.de

So. 18.10.2026 | 7. Cheschwan 5787

Kultur

»Shvayg Mayn Harts«. Jiddische Lieder aus der goldenen Ära des New Yorker Yiddish Theatre

Beginn 17:00 Uhr:

Sasha Lurje & Roman Grinberg – Gesang
Shvayg Mayn Harts Orchestra
Dirigent: Michael Alexander Willens

Mit „Shvayg Mayn Harts“ erfüllt sich Michael Alexander Willens einen lang gehegten persönlichen Traum: die Musik seiner beiden Großväter Alexander Olshanetsky und
Herman Yablokoff wieder auf die Bühne zu bringen. Beide gehörten zu den prägenden Persönlichkeiten des jiddischen Theaters in New York.
Als Komponisten, Sänger und Bühnenstars schufen sie Lieder, die weit über die jüdische Gemeinschaft hinaus bekannt wurden und bis heute zum Schatz des jiddischen Musiktheaters zählen. Werke wie „Papirosn“, „Mayn Shtetele Belz“, „Hopkele“ oder „Ikh hob dikh tsufil lib“ erzählen von Liebe und Sehnsucht, von Heimweh und Hoffnung, von den Erinnerungen an die alte Heimat und vom Traum eines neuen Lebens in Amerika.
Gemeinsam mit dem eigens gegründeten „Shvayg Mayn Harts Orchestra“ lässt Michael Alexander Willens diese musikalische Welt neu aufleben. Mit Sasha Lurje und Roman Grinberg, der auch für die Orchesterarrangements verantwortlich zeichnet, stehen zwei der führenden Stimmen der internationalen jiddischen Musikszene auf der Bühne. Sie führen durch ein Programm voller Emotionen, Humor und Lebensfreude und schlagen eine Brücke von den Anfängen des jiddischen Theaters in Osteuropa bis zu seiner Blütezeit in New York.

Voranmeldung erforderlich möglichst bis 7. Oktober unter: festkonzert@ikg-m.de

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Mi. 21.10.2026 | 10. Cheschwan 5787

Kultur

Filmvorführung „Noga“

Beginn 19:00

Filmvorführung
Mittwoch, 21. Oktober 2026, 19 Uhr

Ein Film von Jono & Benji Bergmann mit Noga Erez und Ori Rousso
Produktion: Babka Film in Koproduktion u.a. mit Sperl Film + Fernsehproduktion
Österreich/ Deutschland/ Israel 2026, 96 Min.
Originalsprache: Hebräisch, Englisch, mit deutschen Untertiteln

Die israelische Musikerin Noga Erez ist mit ihrem kreativen Partner und Lebensgefährten Ori Rousso auf dem Weg zum internationalen Durchbruch. Zwischen ausverkauften Konzertsälen mit provokanten Hits wie »End of the Road«, politischer Zuspitzung und persönlichen Spannungen, kämpft sie darum, weiterhin gehört, vor allem aber verstanden zu werden – in einer Welt, die zunehmend aus den Fugen gerät. Weiterlesen »

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