Israelitische Kultusgemeinde München und Oberbayern

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18. August 2016

Flossenbürg: Fingerfood in KZ-Gedenkstätte?

Die IKG München ist von der geplanten kulinarischen Veranstaltung in Gedenkstätte irritiert und verärgert. Von Helmut Reister, erschienen in der Jüdischen Allgemeinen vom 18.82016. Seit er vor drei Jahren die populäre TV-Koch-Show Masterchef gewonnen hat, ist Hobbykoch Tom Franz in Israel ein Star. Inzwischen schreibt der Kölner auch Bücher und war Protagonist der spannenden und informativen 90-Minuten-Dokumentation The Taste of Israel.

Anfang September sollte Tom Franz nun bei einer Veranstaltung zu seinem Film die Besucher mit auf eine kulinarische Reise nehmen – ausgerechnet in der KZ-Gedenkstätte Flossenbürg. Karl Freller, Direktor der Stiftung Bayerische Gedenkstätten, zog jetzt die Notbremse. Die Veranstaltung wurde nach Nürnberg verlegt.

Kriti: „ein völlig ungeeigneter Ort“

IKG-Präsidentin Charlotte Knobloch, die im Urlaub von der geplanten Veranstaltung in der KZ-Gedenkstätte erfahren hatte und ihre Fassungslosigkeit in einem Brief an Stiftungsdirektor Freller zum Ausdruck brachte, zeigt sich nach der Absage erleichtert. Es liege auch nicht am Event selbst, erklärte sie und wies darauf hin, dass Tom Franz mit seiner durchaus sehenswerten Dokumentation auch schon Gast im Gemeindezentrum der IKG in München gewesen ist. »Aber die KZ-Gedenkstätte«, brachte sie das Problem auf den Punkt, »ist für eine solche Veranstaltung ein völlig ungeeigneter Ort.«

Charlotte Knobloch stand mit ihrer Kritik an der Wahl des Veranstaltungsortes keineswegs alleine da. Auch die Israelitische Kultusgemeinde Nürnberg schloss sich ihren Bedenken an. Gemeinsam mit André Freud, Geschäftsführer der Nürnberger Gemeinde, suchte man nach einer unkomplizierten und schnellen Lösung des Problems. Jetzt findet die Veranstaltung in den Räumen der Nürnberger Gemeinde statt.

Das geradezu unvermeidbare Konfliktpotenzial, das entstanden war, erschließt sich aus dem Veranstaltungshinweis, der auf der Internetseite der KZ-Gedenkstätte Flossenbürg auch nach der Absage noch zu lesen ist. »In dem Film«, heißt es in der Ankündigung, »nimmt er uns mit in die koscheren Küchen von Jerusalem und zu Gourmetköchen in Tel Aviv. Er besucht Käsemacher in den Judäischen Bergen, Fischgurus in Akko, Winzer in Galiläa und hilft Kibbuzbewohnern bei der Dattelernte. (…) Nach der Vorführung der Dokumentation wird er über israelisches Lebensgefühl und seinen Bezug zur Kochkunst des Landes sprechen und Fragen des Publikums beantworten. Im Anschluss Buffet mit koscheren Speisen.«

Verärgerung

IKG-Präsidentin Charlotte Knobloch macht aus ihrer Verärgerung über die Planungspanne kein Geheimnis. »Ausgerechnet an diesem Ort des Grauens, wo Menschen hungerten, verhungerten, gnadenlos und grausam gequält und ermordet wurden, sollte eine fröhliche, genussorientierte Veranstaltung stattfinden«, stellt sie konsterniert fest und spricht von »gedankenloser Unsensibilität« bei der Festlegung des Veranstaltungsorts. »An diesem Ort des Gedenkens, des Trauerns und des Sich-Besinnens«, ist sie überzeugt, »ist diese Veranstaltung absolut fehl am Platz.«

Im Totenbuch, das die Gedenkstätte führt, sind die Namen von 21.000 Menschen aufgelistet, die die Haftbedingungen und die Arbeit in den Granit-Steinbrüchen nicht überlebten. Die harte Arbeit, Kälte, willkürliche Gewalt von SS-Männern und die völlig unzureichende Ernährung machten die Häftlinge in Flossenbürg zu Todeskandidaten. In der Beschreibung der Gedenkstätte steht: »Ein Arbeitstag im Steinbruch dauert zwölf Stunden, nur unterbrochen von einer kurzen Pause, in der eine dünne Suppe ausgegeben wird. Nach Arbeitsschluss müssen Häftlinge die Toten zurück ins Lager tragen.«

Nach Ansicht von Charlotte Knobloch, die nicht zuletzt auch in ihrem Amt als »Commissioner for Holocaust Memory« des World Jewish Congress ihr besonderes Augenmerk auf die Erinnerungskultur richtet, zeige der Flossenbürger Vorgang, dass der Umgang mit dem schrecklichsten Kapitel der Menschheitsgeschichte besonders sensibel gestaltet werden sollte.

Erinnerungskultur

Gerade die KZ-Gedenkstätte Flossenbürg habe nach Ansicht der IKG-Präsidentin in der Vergangenheit die Erinnerungskultur in Bayern in hervorragender Weise mitgestaltet und geprägt. Nicht nur mit Blick auf Flossenbürg, sondern auch auf die grundsätzliche Ausrichtung der Erinnerungskultur sagte sie: »Ich hoffe sehr, dass die Inhalte von Veranstaltungen an Gedenkorten zukünftig wieder gewissenhafter geprüft werden.«

Das Schaffen einer genau durchdachten Erinnerungskultur in Deutschland, die sich ohnehin erst spät und im Lauf vieler Jahre entwickelt habe, ist nach Überzeugung der IKG-Präsidentin gerade jetzt von ganz besonderer Bedeutung. »Wir stehen an der Schwelle zu jener Zeit, in der es keine Zeitzeugen mehr gibt, die Einfluss auf den Umgang mit der Vergangenheit nehmen könnten. Das ist eine ganz entscheidende Zäsur«, mahnte Knobloch zur Schärfung des Bewusstseins.

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Februar 2026 | Schwat-Adar I | « »

Aktuelle Veranstaltungen


Do. 05.03.2026 | 16. Adar 5786

Kultur

»Wie rettet man das Tote Meer?«

Vorstellung eines Dokumentarfilmprojekts und Vortrag im Rahmen der 17. Jüdischen Filmtage

Initiatoren: Florentinfilm, Herzliya / Israel

Das Tote Meer stirbt. Es verliert anderthalb Meter pro Jahr. Der Wasserspiegel sinkt, die Strände verschwinden, Erdfälle öffnen sich. Wenn das so weitergeht, ist es in 30 Jahren verschwunden.

Der in Entstehung befindliche Film will die Geschichte dieses Binnenmeeres aus der Perspektive von drei Personen erzählen: Mosche Bernstein, einem orthodoxen jungen Mann, der statt in der Jeschiwa zu lernen, mit seiner Kamera die Salzschichten, Rückzugslinien, sich ändernden Farben, dokumentiert; Oded Rahav, Umweltaktivist , Extremsportler und Gründer der Initiative Dead Sea Guardians; Jackie ben Zaken, ehem. Marine-Soldat, der dort seine innere Ruhe wiederfand und nun Bewußtseins-Touren leitet, mit Blick auf die sich ändernden Landschaften und seltene geologische Phänomene, die das zurückweichende Wasser freigibt.

Präsentation des Film-Teasers zur in Vorbereitung befindlichen Film-Dokumentation mit den Filmemachern Harel Yana und Mordechai Malka

»Last chance to save the Dead Sea«
Vortrag des Umweltaktivisten Oded Rahav
in engl. Sprache mit Powerpoint-Präsentation

Moderation: Emanuel Rotstein

Eintritt frei.

Anmeldung erbeten unter karten@ikg-m.de oder (089) 202 400 4i91

Veranstalter: Kulturzentrum der IKG München & Oberbayern mit freundlicher Unterstützung von florentinfilm

Veranstaltungsort: Jüdisches Gemeindezentrum, St.-Jakobs-Platz 18

Di. 10.03.2026 | 21. Adar 5786

Kultur

„Lieber Gott als nochmals Jesus“ – eine humoristische Beichte mit Ilja Richter

Beginn 19:00

Buchpräsentation

Dienstag, 10. März 2026, 19 Uhr
Teil der Woche der Brüderlichkeit

Ilja Richter nimmt seine Zuhörerschaft mit auf (s)eine Suche nach religiöser Heimat und Zugehörigkeit. Dabei umkreist er das Thema Judentum / Christentum in bitter-komischen Geschichten, pointierten Glossen, mit Fakten und Zitaten – und Musik. Damit eröffnet er seinen ganz eigenen, ungewöhnlichen Blick in die Welt des Glaubens.

Ilja Richter, 1952 in Ost-Berlin geboren, ist das Kind einer jüdischen Mutter und eines nichtjüdischen Vaters, der als Kommunist 9 ½ Jahre in Zuchthaus und KZ verbrachte. Er gehört zu den vielseitigsten Künstlern in jeder nur denkbaren Sparte: als Schauspieler, Synchron- und Hörfunksprecher, Sänger, Autor, Theater- und Musical-Regisseur und -Darsteller. Frühe Berühmtheit erlangte er als jüngster TV-Moderator mit der Sendung »Disco« im ZDF. Weiterlesen »

Do. 12.03.2026 | 23. Adar 5786

Kultur

Ephraim Kishon. Ein Leben für den Humor

Beginn 19:00

Ein Abend mit der Biographin Silja Behre
Donnerstag, 12. März 2026, 19 Uhr
Teil der 
Woche der Brüderlichkeit

Seit den 1960er-Jahren führten Ephraim Kishons Bücher immer wieder die Bestseller-Listen an, wurden teilweise auch verfilm, inklusive zwei Oscar-Nominierungen. Wie kam es dazu, dass der aus Budapest stammende Israeli Ephraim Kishon (1924-2005) mit seinen Humoresken gerade beim deutschen Publikum seinen größten Erfolg hatte? Ausgehend von Kishons eigenen Aufzeichnungen, Erinnerungen von Zeitzeugen und Weggefährten sowie Presseberichten und Archivmaterial beschreibt die Biographin Silja Behre seine Erfolgsgeschichte im Spannungsfeld von Literatur, Humor und Politik. Weiterlesen »

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