Israelitische Kultusgemeinde München und Oberbayern

Pressemitteilung

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9. November 2014

Gedenkveranstaltungen am 9. November 2014 – 76. Jahrestag der „Reichskristallnacht“ 1938 – Knobloch: „Warum lassen die Menschen so etwas zu?“

München, 09.11.2014 | Am heutigen Sonntag gedachte die bayerische Landeshauptstadt jener Münchner Jüdinnen und Juden, die in der „Reichskristallnacht“ 1938 und danach gedemütigt, entrechtet, verfolgt und ermordet wurden. Eine öffentliche Namenslesung (14 Uhr) am Gedenkstein der ehemaligen Hauptsynagoge in der Herzog-Max-Straße und eine Gedenkstunde (18 Uhr) im Saal des Alten Rathauses erinnerten an die Münchner Opfer des Holocaust.

Dr. h. c. Charlotte Knobloch, Präsidentin der Israelitischen Kultusgemeinde München und Oberbayern, äußerte im Rahmen der Gedenkstunde im Saal des Alten Rathauses ihre Sorge über die antisemitischen Anfeindungen, denen jüdische Bürger gegenwärtig in Deutschland ausgesetzt sind: „Rückblickend auf diesen Sommer des antisemitischen Hasses stelle ich 76 Jahre nach der sogenannten ‚Reichskristallnacht‘ dieselbe Frage, die ich mir als Sechsjährige stellte: Warum lassen die Menschen so etwas zu?“

Angesichts der Hassparolen und der zahlreichen Übergriffe sei die Teilnahmslosigkeit der Zivilgesellschaft erschreckend: „Die politische Elite reagierte prompt – verdammte den offen ausgelebten Antisemitismus. Doch das deutsche Volk in seiner Mehrheit, die breite Mitte der Gesellschaft, sie verblieb mehrheitlich schweigend. Als wir merkten, dass der zivile Widerstand ausblieb – eine kaum zu ertragende Erkenntnis – mussten wir das Zepter des Handelns selbst ergreifen.“

„Unter dem Motto ‚Wehret den Anfängen‘ riefen wir am 29. Juli die Menschen auf, am Platz der Opfer des Nationalsozialismus zu beweisen, dass „Nie wieder!“ in Deutschland keine hohle Floskel ist, sondern gelebt wird – galt es doch, die freiheitlich-demokratischen Grundwerte zu verteidigen. Nicht weniger ist in Gefahr, wenn ein fanatischer Mob die Meinungshoheit beansprucht und sich über Rechtsstaat, Aufklärung und Humanismus erhebt.“

Die Präsidentin sagte weiter: „Am 29. Juli spürte ich die Hand meines Vaters so fest wie vor 76 Jahren – als ich mit ihm durch die ‚Reichkristallnacht‘ irrte. Er geleitete mich zum Rednerpult, hielt mich, als ich sprach. Als ich meiner Fassungslosigkeit Ausdruck verlieh darüber, was in unserem Land vor sich geht, was man geschehen lässt – hier, wo man sich ‚Nie wieder!‘ ins Gründungsbuch geschrieben hat und nicht müde wird, Zivilcourage zu predigen.

Wenn ich heute in Gedanken die Hand meines Vaters drücke, denke ich an jene Nacht im Jahr 1938 und an den 29. Juli 2014. Ich blicke in Ihre Gesichter und bitte Sie: Lassen Sie nicht zu, dass wir Juden fürchten müssen, erneut einer Illusion erlegen zu sein.“

Redemanuskripte von den Gedenkveranstaltungen finden Sie im passwortgeschützten Pressebereich der Website unter www.ikg-m.de/presse. (Passwort: Gedenken9Nov):

  • Dieter Reiter, Oberbürgermeister der Landeshauptstadt München
  • Dr. h. c. Charlotte Knobloch, Präsidentin der Israelitischen Kultusgemeinde München und Oberbayern
  • Christian Ude, Alt-Oberbürgermeister der Landeshauptstadt München (Rede angefragt)
  • General a.D. Wolfgang Schneiderhan, Generalinspekteur der Bundeswehr 2002 – 2009, zum Thema: „‚Dazu hält man für sein Land den Schädel hin.‘ Deutsche Soldaten jüdischen Glaubens im Ersten Weltkrieg – die beklemmende Geschichte zurückgewiesener Patrioten.“

(Es gilt jeweils das gesprochene Wort. Sperrfrist: Redebeginn) Ebenso finden Sie hier weitere Informationen:
Flyer mit dem Programm und Informationen zu jüdischen Patrioten im Ersten Weltkrieg Biographien und Fotos von Dr. jur. Hans Bloch und Dr. med. Alfred Haas.

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Mo. 15.06.2026 | 30. Siwan 5786

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Nach seinen Expeditionen »Allein unter Deutschen«, war er allein unter Juden, Amerikanern, Flüchtlingen und orthodoxen Juden. Inzwischen verbrachte Tenenbom acht Monate im Westjordanland unter Siedlern und sprach mit allen: religiösen Zionisten, politisch engagierten Siedlern, antizionistischen Charedim, mit Menschen, die aus wirtschaftlichen Gründen dort leben, mit Aktivisten, Journalisten, Politikern und Palästinensern.

Je mehr Gespräche er führte, desto deutlicher wurde: Ein einheitliches Bild lässt sich angesichts dieser komplexen Gemengelage nicht zeichnen. Gewalt verschweigt er nicht: »Ich gebe niemandem einen ›Rabatt‹. Ich weise nur darauf hin, dass dies ein kleiner Teil einer äußerst komplexen Geschichte ist – einer Geschichte mit vielen Schichten.« Weiterlesen »

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Scholem-Alejchem-Vortrag: „ביכער פֿאַר אַלע“ – „Bücher für alle – populäre jiddische Literatur in Osteuropa, 1860 – 1914“

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Scholem-Alejchem-Vortrag in ondenk fun Evita Wiecki s“l
Mittwoch, 17. Juni 2026, 18:15 Uhr

Vortrag in jiddischer Sprache

  • Begrüßung: Prof. Dr. Martina Niedhammer
  • Einführung: Dr. Dasha Vakhrushova

Seit der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts wurde der jiddische Buchmarkt in Osteuropa neben traditionell-religiöser chassidischer Literatur immer mehr auch von weltlichen Publikationen geprägt. Diese neuen Texte richteten sich an ein breiteres jiddischsprachiges Lesepublikum, das tatsächlich großes Interesse an den neuen Formen und Inhalten zeigte. In dieser Zeit erschienen auch die ersten jiddischen Zeitungen, ein erschwingliches und leicht zugängliches Mittel der Verbreitung allgemeinen Wissens und aufklärerischer Ideen. Allmählich wurden diese Zeitungen zu einer wichtigen Bühne für literarische Werke unterschiedlichster Qualität. Der Vortrag möchte die große Bandbreite jiddischer Publikationen aufzeigen, zu denen jiddische Leser von der Mitte des 19. Jahrhunderts bis zum Ausbruch des Ersten Weltkriegs Zugang hatten, und stellt eine repräsentative Auswahl dieser Werke vor. Dazu gehören belletristische Werke diverser Genres und Stilrichtungen von verschiedener Qualität, darunter die sogenannte shund-literatur [Trivialliteratur] sowie populärwissenschaftliche Werke, die auf die Bedürfnisse der osteuropäischen jiddischen Leserschaft zugeschnitten waren. Weiterlesen »

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