Kultur
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26. Juni 2014
„L’Chaim – Auf das Leben“ v. Elkan Spiller mit Chaim Lubelski auf dem Filmfest München
Dieses Jahr feierte am Filmfest München ein jüdischer Dokumentarfilm Weltpremiere, der vor allem durch seine unkonventionelle und sympathische Art überzeugt. In der Reihe Neues Deutsches Kino war das Langspielfilmdebüt L’CHAIM! – AUF DAS LEBEN! von Elkan Spiller am 1. Juli im ARRI Kino zu sehen. Bei der Gala-Veranstaltung waren Regisseur und Produzent Elkan Spiller und der Hauptdarsteller Chaim Lubelski anwesend.
Spiller stellt dem Publikum seinen Cousin Chaim, einen widerborstigen, charismatischen Eigenbrötler vor: Chaim Lubelski verkehrte im Jet Set von St. Tropez, war erfolgreicher Geschäftsmann in New York und ist orthodoxer Jude geblieben. Mit 63 zieht er nach Antwerpen zu seiner Mutter, einer KZ-Überlebenden. Er kümmert sich hingebungsvoll um sie, fast rund um die Uhr.
Das Trauma Holocaust prägt Chaim in jeder Phase seines unangepassten Lebens. Ein Leben voller Absurditäten und Zärtlichkeit, das sich – wie Spillers Film – jedem Klischee entzieht. L’CHAIM! sucht dabei nicht nur die historische Perspektive. Es ist ein berührender Film, ein Film über Menschlichkeit unter allen Umständen. Wie lebt man weiter, wenn das familiäre Umfeld vernichtet wurde, physisch oder zumindest psychisch? Chaim lebt weiter.
Der Film wurde mit dem Prädikat: Besonders wertvoll ausgezeichnet.
Vorführungstermine:
- Montag, 30. Juni, 12:00 Uhr, City 2, Sonnenstr. 12
- Dienstag, 01. Juli, 17:00 Uhr im ARRI-Kino, Türkenstr. 91, anschließend Gespräch mit Regisseur Elkan Spiller & Darsteller Chaim Lubelski
- Mittwoch, 02. Juli, 9:45 Uhr im City 2, Sonnenstr. 12, anschließend Gespräch mit Regisseur E. Spiller
- Freitag, 04. Juli, 14:30 Uhr, im Kino Münchner Freiheit 2, Leopoldstr. 82 (a.d. Münchner Freiheit), anschließend Gespräch mit Regisseur E. Spiller
Weitere Infos & Karten finden Sie hier.
„Es geht ums Weiterleben“
Der Regisseur Elkan Spiller über seinen Film »L’Chaim«, seinen Cousin und eine besondere Mutter-Sohn-Beziehung. Von Katrin Richter, erschienen auf Jüdische Allgemeine Online, 2.7.2014.

Regisseur Elkan Spiller. © privat
Herr Spiller, Ihr Film »L’Chaim« hatte am 1. Juli Premiere auf dem Filmfest in München. Wovon handelt Ihre Dokumentation?
Es ist ein Film über meinen Cousin Chaim Lubelski, der ein sehr bewegtes Leben hinter sich hat: Er war Hippie, Schachspieler in St. Tropez, erfolgreicher Geschäftsmann in New York. Das alles hat er aufgegeben, um zu seiner Mutter ins Altersheim nach Antwerpen zu ziehen und sich dort um sie zu kümmern. Seine Eltern sind Schoa-Überlebende. Chaim hatte schon immer ein sehr starkes Verantwortungsbewusstsein. In den letzten Jahren wollte er seiner Mutter das Leben so erträglich wie möglich machen. Das alles macht er mit sehr viel Liebe. Er jammert nicht. Er sieht sich nicht als Opfer und klagt niemanden an. Chaim vermittelt ein hohes Maß an Menschlichkeit. Der Film hieß zuerst auch A Real Mentsch.
Warum haben Sie den Titel geändert?
Weil es ums Weiterleben geht. Trotz allem. L’Chaim heißt übersetzt: Auf das Leben. Ich wollte immer einen Film über Chaim machen. Er berührt die Menschen ungemein, denn er hat eine Fähigkeit, die ihn von vielen anderen unterscheidet: Er gibt gern. Viele Menschen nehmen immer, aber geben nie. Wenn jemand Unterstützung braucht, ist Chaim da. Er hilft auf stille Art und Weise. Als er dann mit seiner Mutter zusammengelebt hat, habe ich gemerkt, dass es neben dieser unheimlich großen Menschlichkeit eben auch um eine andere Ebene geht. Nämlich darum, wie der Holocaust sein Leben beeinflusst hat. Und das ist eine Ebene, zu der ich auch etwas beitragen kann, denn ich selbst bin Kind von KZ-Überlebenden. Ich habe somit auch einen Teil meiner Geschichte erzählt, nur dass Chaim mein Sprachrohr ist.
Was hat Sie zu dem Projekt inspiriert?
Der Film Into the Wild von Sean Penn. Er handelt von jemandem, der von sich selbst sagt: Ich will mit dieser Gesellschaft nichts zu tun haben. Er ging in die Wildnis und hat ganz für sich gelebt. Ich habe gemerkt, dass Chaim ähnlich ist. Er hat diese Reise allerdings mitten in der Gesellschaft vollzogen. Und ist dabei aber so facettenreich, dass der Film durch ihn auch ganz viele andere Themen anschneidet: Welche Auswirkungen hat die Schoa auf die zweite und dritte Generation? Wie geht man mit Schicksalen um? Was mache ich mit meinen Eltern, wenn sie alt sind? Welche Prioritäten setzt man im Leben: materielle Dinge oder Menschliches?
Chaim lebte mit seiner Mutter zusammen. Wie haben Sie diese Mutter-Sohn-Beziehung beobachtet?
Chaim sagte immer, nach alledem, was die Eltern durchgemacht hatten, hätten sie einen Bonus. Und das ist typisch für die zweite Generation. Man geht mit Eltern, die im Konzentrationslager waren, anders um. Er hatte nur einmal für ein Jahr den Kontakt abgebrochen, um, wie er sagt, Raum zum Atmen zu haben. Aber dann machte er sich Sorgen um sie, und näherte sich seiner Mutter wieder an, die auch manchmal nervte, wie wohl alle Mütter es irgendwann tun.
Womit hat sie ihn denn genervt?
Chaim fällt natürlich durch sein Äußeres auf und trägt gern verschlissene Kleidung, weil er eben nicht in eine Schublade gesteckt werden will. Für ihn zählt Understatement. Und jeden Tag sagte seine Mutter zu ihm: »Zieh dich ordentlich an, rasier dich.« Es ist fast komisch, und er konnte auch darüber lachen. Gleich zu Beginn des Films sagt Chaim, dass seine Mutter im Alter fast wie seine Tochter geworden. Und sie ist auch so etwas wie der heimliche Star des Films. Sie hat nie über ihr Leben geklagt.
Woher, vermuten Sie, hat Chaims Mutter die Kraft genommen?
Sie war eine Frohnatur. Allerdings erzählt Chaim auch, dass sie nachts oft durch Panikattacken aufgewacht ist und die Bilder ihrer Eltern angesehen hat. Trotzdem hatte sie – wie viele Überlebende – die Kraft weiterzumachen.
Mit dem Kölner Regisseur sprach Katrin Richter.
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Mi. 07.10.2026 | 26. Tischri 5787
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»Sie kamen, um uns zu töten. Mein Leben als Jüdin vor und nach dem 7. Oktober« – Ein Abend mit Dafna Gerstner
Beginn 19:00Buchpräsentation & Gespräch mit der Autorin
Mittwoch, 7. Oktober 2026, 19 Uhr
Lesung: Ulla Wagener
Moderation: Richard Volkmann
Dafna Gerstner stammt aus Israel und lebt seit 2011 in Deutschland. 2023 wurde sie Zeugin des brutalen Massakers der Hamas vom 7. Oktober im Kibbuz Be’eri. Wie durch ein Wunder überlebte sie in einem nicht abschließbaren Schutzraum in der Wohnung ihres Bruders Eitan. Dreißig Menschen von dort, darunter Kleinkinder, wurden nach Gaza verschleppt – nicht alle haben die Geiselhaft überlebt. Es starben insgesamt 102 aus dem Kibbuz Be‘eri, darunter auch Dafnas Bruder Eitan, der als Mitglied der Bereitschaftseinheit das Leben zahlreicher Kibbuz-Mitglieder rettete im für ihn tödlichen Kampf gegen die Terroristen.
In ihrem Buch erzählt die Überlebende Dafna Gerstner vom Leben im Kibbuz vor und nach dem Massaker, aber auch davon, was es heißt zu überleben. Sie berichtet von den traumatischen Folgen des Terrorangriffs – sowohl für sie persönlich als auch für die israelische Gesellschaft. Doch auch die Spaltung der deutschen Gesellschaft hat ihr Leben als Jüdin in Deutschland verändert.
Sa. 17.10.2026 | 6. Cheschwan 5787
Kultur
Zum 27. Mal: »Die lange Nacht der Münchner Museen
Beginn 20:30 Uhr:Beitrag der IKG München und Oberbayern
Auf einen Blick:
Vorträge (je 30 Min.)
20:30 Uhr Dinah Zenker
22:00 Uhr Ellen Presser
Konzerte des Synagogenchors »Schma Kaulenu«
unter Leitung von David Rees
21:15 Uhr und 22:30 Uhr (ca. 30 Min.)
Eine Synagoge, wörtlich Ort der Zusammenkunft (zum Gebet), ist von zentraler Bedeutung für jüdisches Leben. Der Vortrag erläutert, woher der Name »Ohel Jakob kommt, ferner architektonische Besonderheiten und die Rolle der Musik.
Musikalische Begleitung: Luisa Pertsovska
Veranstaltungsort: Synagoge »Ohel Jakob«, St.-Jakobs-Platz 18, 80331 München
Das Restaurant Einstein im Jüdischen Gemeindezentrum bietet koschere Köstlichkeiten.
Das Ticket kostet 20 Euro und berechtigt zum Eintritt in über 100 beteiligte Häuser.
Weitere Informationen unter www.muenchner.de und www.ikg-m.de
So. 18.10.2026 | 7. Cheschwan 5787
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»Shvayg Mayn Harts«. Jiddische Lieder aus der goldenen Ära des New Yorker Yiddish Theatre
Beginn 17:00 Uhr:
Sasha Lurje & Roman Grinberg – Gesang
Shvayg Mayn Harts Orchestra
Dirigent: Michael Alexander Willens
Mit „Shvayg Mayn Harts“ erfüllt sich Michael Alexander Willens einen lang gehegten persönlichen Traum: die Musik seiner beiden Großväter Alexander Olshanetsky und
Herman Yablokoff wieder auf die Bühne zu bringen. Beide gehörten zu den prägenden Persönlichkeiten des jiddischen Theaters in New York.
Als Komponisten, Sänger und Bühnenstars schufen sie Lieder, die weit über die jüdische Gemeinschaft hinaus bekannt wurden und bis heute zum Schatz des jiddischen Musiktheaters zählen. Werke wie „Papirosn“, „Mayn Shtetele Belz“, „Hopkele“ oder „Ikh hob dikh tsufil lib“ erzählen von Liebe und Sehnsucht, von Heimweh und Hoffnung, von den Erinnerungen an die alte Heimat und vom Traum eines neuen Lebens in Amerika.
Gemeinsam mit dem eigens gegründeten „Shvayg Mayn Harts Orchestra“ lässt Michael Alexander Willens diese musikalische Welt neu aufleben. Mit Sasha Lurje und Roman Grinberg, der auch für die Orchesterarrangements verantwortlich zeichnet, stehen zwei der führenden Stimmen der internationalen jiddischen Musikszene auf der Bühne. Sie führen durch ein Programm voller Emotionen, Humor und Lebensfreude und schlagen eine Brücke von den Anfängen des jiddischen Theaters in Osteuropa bis zu seiner Blütezeit in New York.
Voranmeldung erforderlich möglichst bis 7. Oktober unter: festkonzert@ikg-m.de
Israelitische Kultusgemeinde
München und Oberbayern K.d.ö.R.
St.-Jakobs-Platz 18
80331 München
Tel: +49 (0)89 20 24 00 -100
Fax: +49 (0)89 20 24 00 -170
E-Mail: empfang@ikg-m.de
