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11. Mai 2014
Muttertag: Mama ist die Beste
Vor 100 Jahren erfand Anna Jarvis den Muttertag, Von Daniela Breitbart, erschienen auf Jüdische Allgemeine Online,11.5.2014. Am 11. Mai ist Muttertag. Ein Tag, an dem Mütter von ihren Kindern besondere Aufmerksamkeit erwarten. Für uns, die Söhne und Töchter jüdischer Mütter, also ein Tag wie jeder andere! Denn wir alle, ob regeltreu oder rebellisch, lieben und fürchten niemanden mehr als die »jiddische Mamme«.
Stärker noch als die Frage, ob Gott uns für den unterlassenen Synagogenbesuch am letzten Schabbat bestrafen wird, beschäftigt uns die Angst vor der mütterlichen Missbilligung unserer Partner- oder Berufswahl. Von ihr, der Mutter, bekommen wir bedingungslose Liebe, Ratschläge, die wir nie erbeten haben, und prall gefüllte Tupperdosen mit Resten liebevoll gekochter Mahlzeiten.
Die Mutter ist eine, wenn nicht die zentrale Figur im Judentum. Die Tora ist voller Geschichten von Müttern wie Eva, Sarah, Rachel und Hannah, die, so unterschiedlich sie auch gewesen sein mögen, allesamt (willens-)starke Frauen waren.
GESELLSCHAFT
Eine solche, wenn auch keine Jüdin, war Anna Jarvis, amerikanische Frauenrechtlerin aus Grafton, Virginia. Um ihrer ebenfalls politisch aktiven Mutter Ann ein Denkmal und gleichzeitig ein Zeichen für die soziale und politische Rolle von Frauen in der Gesellschaft zu setzen, engagierte sich Jarvis nach dem Tod ihrer Mutter im Jahre 1905 leidenschaftlich für die Einführung eines »Mutter-Ehrentags«.
1908, am dritten Todestag von Ann Jarvis, verteilte sie 500 Nelken, die Lieblingsblumen ihrer Mutter – nicht ahnend, dass ihre symbolische Geste der Liebe und Anerkennung vor allem das Herz der Blumenhändler erfreute, die – zu Recht, wie sich kurze Zeit später herausstellen sollte – eine lukrative Geschäftsidee witterten.
1914 erklärte US-Präsident Woodrow Wilson den Muttertag zum amerikanischen Feiertag, und bald darauf schwappte die Muttertagswelle in die ganze Welt. Der Muttertag wurde kommerzialisiert, von gesellschaftlichen und politischen Gruppen instrumentalisiert, von den Nationalsozialisten pervertiert, kurzfristig ausgesetzt und immer wieder bekämpft, aber abgeschafft wurde er nicht. Auch nicht in den USA.
BLUMENGESCHÄFT
Als Anna Jarvis, die »Mutter des Muttertags«, versuchte, ihre eigene, wie sie sagte, »vom Gedenk- zum Geschenktag mutierte« Erfindung wieder abzuschaffen, landete sie wegen Erregung öffentlichen Ärgernisses im Gefängnis, verlor durch jahrelanges Prozessieren gegen die Blumengeschäftswelt ihr gesamtes Vermögen und verstarb kurze Zeit später.
Heute ist der Muttertag in den USA Statistiken zufolge nach Weihnachten und Ostern der drittbeliebteste Feiertag, an dem etwa 123 Millionen Telefongespräche geführt, 133 Millionen Grußkarten verschickt und Blumensträuße im Wert von insgesamt rund zwei Milliarden Dollar verkauft werden. Auch an jüdische Mütter. Schon die Tora lehrt, »Mutter und Vater zu ehren«. Damit ist der Muttertag irgendwie auch eine urjüdische Erfindung.
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Aktuelle Veranstaltungen
Do. 29.01.2026 | 11. Schwat 5786
Kultur
Hommage: „Ein Abend für Gertrud Kolmar“
Beginn 19:00Donnerstag, 29. Januar 2026, 19 Uhr
Mit Friederike Heimann und Anette Daugardt (Rezitation)
Gertrud Kolmar – geboren 1894 in Berlin, 1943 in Auschwitz ermordet – verleiht in ihren dichten, manchmal archaischen und doch oft überraschend modernen Bildwelten immer wieder dem Fremden und Ungekannten, dem Stummen und Sprachlosen, eine Stimme. Dabei durchdringen sich das Weibliche und das Jüdische in ihrer Poetik auf vielfache Weise. Nun seh‘ ich mich seltsam und kann mich nicht kennen / Da ich vor Rom, vor Karthago schon war, heißt es in „Die Jüdin“, die eine Forscherreise rüsten möchte in ihr eigenes uraltes Land.
Durch die Gedichtlesung führt Friederike Heimann, Literaturwissenschaftlerin und Autorin einer Biographie über Gertrud Kolmar» In der Feuerkette der Epoche« (Suhrkamp 2023).. Die Gedichte werden von der Berliner Schauspielerin Anette Daugardt vorgetragen. Weiterlesen »
So. 08.02.2026 | 21. Schwat 5786
Kultur
Buchpremiere „Die Mühlsteins. Eine jüdisch-böhmische Geschichte“
Beginn 17:00Buchvorstellung und Gespräch
Sonntag, 8. Februar 2026, 17 Uhr
Grußwort: Dr. h.c. mult. Charlotte Knobloch, Präsidentin der Israelitischen Kultusgemeinde München und Oberbayern
Autorengespräch: Prof. Dr. C. Bernd Sucher, Vorstandsvorsitzender der Liberalen Jüdischen Gemeinde München Beth Shalom
Ausschnitte aus dem Buch liest Armand Presser.
Ausgehend von den Erzählungen seiner Eltern, Überlebenden von Theresienstadt und Auschwitz, und basierend auf umfassenden Recherchen hat Jan Mühlstein seine Familienchronik „Die Mühlsteins. Eine jüdisch-böhmische Geschichte“ verfasst. Er schildert den Wandel der jüdischen Lebenswelten in Böhmen, der mit den Reformen des Kaisers Josef II. im ausgehenden 18. Jahrhundert beginnt und entlang der Bruchlinien der „Konfliktgemeinschaft“ verläuft, die Tschechen und Deutschböhmen bilden. Nachgezeichnet wird so eine erfolgreiche Emanzipation der böhmischen Juden, die mit der rechtlichen und gesellschaftlichen Gleichstellung der Juden und ihrem wirtschaftlichen Erfolg in der Tschechoslowakei der Zwischenkriegszeit ihre Vollendung erreicht und einen schrecklichen Rückfall – aber nicht ihr Ende – in der Schoa findet. Die Familiengeschichte lässt sich aber auch als eine Warnung lesen, die Wirkmächtigkeit des scheinbar zu einer Randerscheinung geschrumpften Antisemitismus nicht zu unterschätzen. Weiterlesen »
Israelitische Kultusgemeinde
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