Israelitische Kultusgemeinde München und Oberbayern

Nachrichten

« Zurück

18. April 2013

Heubisch hört zu

Bayerns Wissenschaftsminister kam zum Gedankenaustausch in die IKG. Von Miryam Gümbel, 18.04.2013. Tief bewegt verharrte Wissenschaftsminister Wolfgang Heubisch bei seinem Besuch am Dienstag vergangener Woche im »Gang der Erinnerung«. Die Lichtinstallation von Georg Soanca-Pollak auf dem Weg zur Synagoge im Gemeindezentrum beeindruckte ihn: Auf immer wieder von Neuem bewegende Weise sind die unterschiedlich stark in Erscheinung tretenden Namen weit mehr als eine nur eine bloße Auflistung der in der Schoa von den Nazis ermordeten Münchner.

Bewegt: Wolfgang Heubisch im »Gang der Erinnerung« © Miryam Gümbel

Nach der Besichtigung der Synagoge ging es zum Treffen mit dem Vorstand der IKG und den wichtigsten Repräsentanten der jüdischen und israelischen Einrichtungen in München. »Wir freuen uns über Ihren Besuch und die Möglichkeit, mit Ihnen ins Gespräch zu kommen«, begrüßte Präsidentin Charlotte Knobloch den Gast, der unter dem Motto »Heubisch hört zu« zum Gedankenaustausch eingeladen wurde.

Interesse

Knobloch stellte Heubisch den Anwesenden als einen Mann vor, der Juden und Israel sehr verbunden ist. Sie erzählte von seiner Begeisterung bei einer Reise durch den jüdischen Staat, von dem Interesse, das er immer wieder an Land und Leuten gezeigt hat und von seiner Freude bei der Eröffnung des neuen Flügels des Tel Aviv Museum of Art, das auch vom deutschen Förderkreis um das Münchner Ehepaar Hélène und Samy Gleitman unterstützt wird. Dieser ist ein guter Bekannter des Politikers – die beiden sind Parteikollegen in der FDP. Genug Berührungspunkte also, die Samy Gleitman als Moderator des Abends empfahlen.

Für Heubisch war es denn auch ein wichtiges Anliegen, die jüdische Gemeinschaft in Bayern näher kennenzulernen – nicht zuletzt auch deshalb, weil Charlotte Knobloch anlässlich der Beschneidungsdebatte im vergangenem Herbst in der Süddeutschen Zeitung gefragt hatte, ob Juden in Deutschland noch erwünscht seien. Darüber hinaus kam der Umstand hinzu, dass die bayerische Staatsregierung regelmäßige Treffen mit den katholischen Bischöfen und der evangelischen Landeskirche pflegt – warum also nicht auch mit der jüdischen Gemeinschaft, so Heubisch.

Lehrplan

Es war eine angeregte und anregende Fragerunde, die nun unter Beteiligung vieler der Anwesenden folgte. Als Erster ergriff Michael Brenner das Wort, der Inhaber des Lehrstuhls für Jüdische Geschichte und Kultur an der Münchner Ludwig-Maximilians-Universität (LMU). Er plädierte für einen weiteren Lehrstuhl für Israel-Studien, zumal das Thema Israel seit einigen Jahren in den Lehrplänen für die Oberstufe fester Bestandteil sei. »Woher nehmen die Lehrkräfte ihr Wissen darüber?«, fragte Brenner.

»Dass ich da nicht selbst drauf gekommen bin!«, kommentierte Heubisch »diese ausgezeichnete Idee«. Allerdings respektiere er die Freiheit der Wissenschaft, deshalb müsse die LMU in dieser Richtung eigeninitiativ tätig werden – auch wenn er als Wissenschaftsminister einen solchen Vorstoß unterstütze, sofern die Finanzierung geregelt sei.

Schnell war man über das Thema Israel auch bei der FDP und ihrer Politik angelangt. Michael Fischbaum sprach eine fragwürdige Äußerung der Jungen Liberalen Regensburg über die Brit Mila an, anderen ging es um Parteichef Philipp Röslers Äußerungen zum NPD-Verbot. Zu diesen und weiteren Einlassungen wollte Heubisch sich informieren. Was das NPD-Verbot betraf, sei der Vizekanzler nicht richtig zitiert worden. Heubisch hat Rösler so verstanden, dass die Argumente für ein Parteiverbot nicht stichhaltig genug sein könnten.

Datenschutz

Charlotte Knobloch sprach noch ein weiteres Thema an: die Vorratsdatenspeicherung. Eindringlich bat sie Heubisch, das Thema noch einmal mit Justizministerin Sabine Leutheusser-Schnarrenberger zu besprechen, deren Einsatz in der Beschneidungsdebatte die Präsidentin erneut lobte. Knobloch forderte, dass den Sicherheitsbehörden kein technisches Instrument verwehrt werden dürfte, um Terroristen das Handwerk zu legen. Sie erinnerte an den Ermittlungserfolg beim geplanten Attentat von Neonazis auf die Grundsteinlegung des Gemeindezentrums.

Helene Habermann, Überlebende der Schoa, sprach die Notwendigkeit an, das Wissen um die Vergangenheit den Jugendlichen weiter zu vermitteln. Iris Salzberg und Anita Kaminski, beide in Organisationen engagiert, die medizinische Einrichtungen in Israel unterstützen, sprachen die veränderte Einstellung vieler Deutscher gegenüber Israel an. Dabei kämen auch viele unerträgliche Vorurteile zum Tragen, erklärten Salzberg und Kaminski. Dass bei der Aufklärung über Israel die Schulen eine wichtige Rolle spielen müssen, wurde schnell deutlich.

Wolfgang Heubisch aber ist nicht für die Schulen verantwortlich – er ist für Wissenschaft, Kunst und Denkmalpflege zuständig. Forschungen und Erfindungen von IKG-Mitgliedern aus den GUS-Staaten thematisierte im Anschluss Ariel Kligman. Mit diesem Thema neigte sich ein an Gesprächen reicher Abend schließlich dem Ende zu. Und so viel stand fest: Nach dem großen Erfolg der Premiere mit Wolfgang Heubisch können sich die Gemeindemitglieder eine regelmäßige Begegnungsreihe »… hört zu« durchaus vorstellen.

Alle Beiträge der Kategorie Nachrichten ansehen »

VeranstaltungenÜberblick »

September 2026 | Elul-Tischri | « »

Aktuelle Veranstaltungen


Mi. 23.09.2026 | 12. Tischri 5787

Kultur

»Briefe an meinen Vater«. Von und mit Konrad Bernheimer

Beginn 19:00 Uhr:

Moderation: Ellen Presser

Konrad Bernheimer stellt das Schicksal seines Vaters Kurt sehr persönlich in den historischen Kontext dessen Lebenszeit: als Sohn des renommierten Kunsthändlers und Antiquitätensammlers Otto Bernheimer, als Bruder, Student der Kunstgeschichte, Emigranten in den venezolanischen Anden und Familienvater. 1954 kommt Konrad mit Mutter und zwei Schwestern zum Großvater nach München – ohne den Vater. Erst viel später erfährt Konrad Bernheimer, inzwischen selbst ein international erfolgreicher Kunsthändler, was mit seinem Vater einst geschah. Aus überlieferten Dokumenten und Familienerinnerungen entwickelt Bernheimer jr. eine Zwiesprache mit dem abwesenden Vater über Scham und Schuld, Liebe und Prägungen und die Last, die einem die Geschichte auferlegt, denn »Erinnerung bedeutet, dass etwas bleibt – auch wenn so vieles verschwunden ist«.

Weiterlesen »

Sa. 17.10.2026 | 6. Cheschwan 5787

Kultur

Zum 27. Mal: »Die lange Nacht der Münchner Museen

Beginn 20:30 Uhr:

Beitrag der IKG München und Oberbayern

Auf einen Blick:

Vorträge (je 30 Min.)
20:30 Uhr Dinah Zenker
22:00 Uhr Ellen Presser

Konzerte des Synagogenchors »Schma Kaulenu«
unter Leitung von David Rees
21:15 Uhr und 22:30 Uhr (ca. 30 Min.)

Eine Synagoge, wörtlich Ort der Zusammenkunft (zum Gebet), ist von zentraler Bedeutung für jüdisches Leben. Der Vortrag erläutert, woher der Name »Ohel Jakob kommt, ferner architektonische Besonderheiten und die Rolle der Musik.

Musikalische Begleitung: Luisa Pertsovska

Veranstaltungsort: Synagoge »Ohel Jakob«, St.-Jakobs-Platz 18, 80331 München

Das Restaurant Einstein im Jüdischen Gemeindezentrum bietet koschere Köstlichkeiten.

Das Ticket kostet 20 Euro und berechtigt zum Eintritt in über 100 beteiligte Häuser.

Weitere Informationen unter www.muenchner.de und www.ikg-m.de

So. 18.10.2026 | 7. Cheschwan 5787

Kultur

»Shvayg Mayn Harts«. Jiddische Lieder aus der goldenen Ära des New Yorker Yiddish Theatre

Beginn 17:00 Uhr:

Sasha Lurje & Roman Grinberg – Gesang
Shvayg Mayn Harts Orchestra
Dirigent: Michael Alexander Willens

Mit „Shvayg Mayn Harts“ erfüllt sich Michael Alexander Willens einen lang gehegten persönlichen Traum: die Musik seiner beiden Großväter Alexander Olshanetsky und
Herman Yablokoff wieder auf die Bühne zu bringen. Beide gehörten zu den prägenden Persönlichkeiten des jiddischen Theaters in New York.
Als Komponisten, Sänger und Bühnenstars schufen sie Lieder, die weit über die jüdische Gemeinschaft hinaus bekannt wurden und bis heute zum Schatz des jiddischen Musiktheaters zählen. Werke wie „Papirosn“, „Mayn Shtetele Belz“, „Hopkele“ oder „Ikh hob dikh tsufil lib“ erzählen von Liebe und Sehnsucht, von Heimweh und Hoffnung, von den Erinnerungen an die alte Heimat und vom Traum eines neuen Lebens in Amerika.
Gemeinsam mit dem eigens gegründeten „Shvayg Mayn Harts Orchestra“ lässt Michael Alexander Willens diese musikalische Welt neu aufleben. Mit Sasha Lurje und Roman Grinberg, der auch für die Orchesterarrangements verantwortlich zeichnet, stehen zwei der führenden Stimmen der internationalen jiddischen Musikszene auf der Bühne. Sie führen durch ein Programm voller Emotionen, Humor und Lebensfreude und schlagen eine Brücke von den Anfängen des jiddischen Theaters in Osteuropa bis zu seiner Blütezeit in New York.

Voranmeldung erforderlich möglichst bis 7. Oktober unter: festkonzert@ikg-m.de

Weiterlesen »

Alle Veranstaltungen »

Israelitische Kultusgemeinde
Kontakt
Israelitische Kultusgemeinde
München und Oberbayern K.d.ö.R.
St.-Jakobs-Platz 18
80331 München
Tel: +49 (0)89 20 24 00 -100
Fax: +49 (0)89 20 24 00 -170
E-Mail: empfang@ikg-m.de