Israelitische Kultusgemeinde München und Oberbayern

Kultur

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Sa. 26.01.2013 | 15. Schwat 5773

Beginn 22:00

Dokumentarfilm „Das zerrissene Leben“ – Zwischen Heimat und Emigration

Bayerischer Rundfunk, 8.1.2013. Ein Dokumentarfilm von Eva König und Michael Krawczyk erinnert an die Vertreibung der jüdischen Mitbürger Münchens während der nationalsozialistischen Diktatur. Die Autoren haben in den Vereinigen Staaten, in Großbritannien und Israel Zeitzeugen und deren Nachkommen interviewt.

Wenige Wochen nach der Machtübernahme begannen die Nationalsozialisten damit, alle Staatsorgane und gesellschaftlich relevanten Gruppen unter ihre Herrschaft zu zwingen. Als letztes Bundesland wurde im März 1933 auch Bayern „gleichgeschaltet“, wo sich zuvor heftiger Widerstand geregt hatte. Bereits im Januar 1933 war es in den Straßen Münchens zu antisemitischen Pogromen gekommen.

München als Blaupause für die Ausgrenzung

Mit den gegen die jüdische Bevölkerung gerichteten Boykottaktionen und Berufsverboten institutionalisierten die Nationalsozialisten den Terror in den folgenden Monaten. Ihr von Anfang an erklärtes Ziel: ein „judenfreies“ Deutschland. München als künftige „Hauptstadt der Bewegung“ diente ihnen dabei als Blaupause für die Ausgrenzung, die Ausplünderung und die Vertreibung der jüdischen Bevölkerung; allesamt Vorstufen des ab 1942 systematisch durchgeführten Massenmordes an den europäischen Juden. Doch 1933 dachten viele jüdische Deutsche, Hitler und seine Parteigenossen würden sich nicht lange halten.

Sendungsinfo:
Das zerrissene Leben – Zwischen Heimat und Emigration
Sa, 26.01.2013 um 22 Uhr im Bayerischen Fernsehen

 

Ihre Heimatliebe und ihr Patriotismus, ebenso die Angst vor einer ungewissen Zukunft in der Fremde hielten viele dieser Menschen davon ab, Deutschland endgültig den Rücken zu kehren. Auch erschwerten restriktive Ausreisebedingungen und Zwangsabgaben den „Emigrationswilligen“ bald den Weg in die Freiheit. Der Ausbruch des Zweiten Weltkrieges schließlich machte es den in Deutschland gebliebenen Juden fast unmöglich, ihrer Verfolgung zu entgehen.

Erstausstrahlung

Eva Königs und Michael Krawczyks Dokumentarfilm „Das zerrissene Leben“, an diesem Abend als deutsche Erstausstrahlung zu sehen, erinnert an die Flucht und Vertreibung der jüdischen Mitbürger Münchens in den Jahren der nationalsozialistischen Diktatur. Die Autoren des in Zusammenarbeit mit dem BR entstandenen Dokumentarfilms haben in den Vereinigen Staaten, in Großbritannien und Israel Nachkommen interviewt und mit Zeitzeugen gesprochen, die zwischen 1934 und 1946 München verlassen haben.

Sie berichten in „Das zerrissene Leben“ von dem Verlust ihrer Heimat und dem neuen Leben in der Fremde. So erkannte etwa der Münchner Rechtsanwalt Julius Siegel früh schon den Ernst der Lage und emigrierte mit seiner Familie nach Palästina. Sein Sohn Uri Siegel erinnert sich: „Das war ein richtiges Entwicklungsland. Man hat das Trinkwasser noch abkochen müssen. Meine Mutter lernte nie hebräisch – sogar unser arabischer Briefträger sprach deutsch.“

Wieder andere erkannten erst nach der Reichspogromnacht im November 1938, dass ihre einstige Heimat für sie endgültig zum Feindesland geworden war und versuchten, zumindest ihre Kinder ins Ausland zu retten. Zu diesen Flüchtlingen zählt Bea Green, die 1939 ohne ihre Eltern mit einem Kindertransport nach England kam. „Ich hab gedacht, das Heimweh vergeht nach zwei Wochen. Und ich habe entdeckt: Eigentlich vergeht es nie“, so die 87-jährige Holocaustüberlebende in „Das zerrissene Leben“.

Regisseurin Eva König, geboren 1977, hat Europäische Ethnologie mit Schwerpunkt jüdische Kulturgeschichte studiert. Seit 2005 arbeitet sie als Autorin von Features und Reportagen über zeitgeschichtliche Themen für Hörfunk und Fernsehen. An ihrem Regiedebüt „Das zerrissene Leben“ hat sie von 2007 bis 2012 gearbeitet.

Filminfo:
Originaltitel: Das zerrissene Leben – Zwischen Heimat und Emigration (D, 2012)
Regie: Eva König
Länge: 90 Min.
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Aktuelle Veranstaltungen


Do. 05.03.2026 | 16. Adar 5786

Kultur

»Wie rettet man das Tote Meer?«

Vorstellung eines Dokumentarfilmprojekts und Vortrag im Rahmen der 17. Jüdischen Filmtage

Initiatoren: Florentinfilm, Herzliya / Israel

Das Tote Meer stirbt. Es verliert anderthalb Meter pro Jahr. Der Wasserspiegel sinkt, die Strände verschwinden, Erdfälle öffnen sich. Wenn das so weitergeht, ist es in 30 Jahren verschwunden.

Der in Entstehung befindliche Film will die Geschichte dieses Binnenmeeres aus der Perspektive von drei Personen erzählen: Mosche Bernstein, einem orthodoxen jungen Mann, der statt in der Jeschiwa zu lernen, mit seiner Kamera die Salzschichten, Rückzugslinien, sich ändernden Farben, dokumentiert; Oded Rahav, Umweltaktivist , Extremsportler und Gründer der Initiative Dead Sea Guardians; Jackie ben Zaken, ehem. Marine-Soldat, der dort seine innere Ruhe wiederfand und nun Bewußtseins-Touren leitet, mit Blick auf die sich ändernden Landschaften und seltene geologische Phänomene, die das zurückweichende Wasser freigibt.

Präsentation des Film-Teasers zur in Vorbereitung befindlichen Film-Dokumentation mit den Filmemachern Harel Yana und Mordechai Malka

»Last chance to save the Dead Sea«
Vortrag des Umweltaktivisten Oded Rahav
in engl. Sprache mit Powerpoint-Präsentation

Moderation: Emanuel Rotstein

Eintritt frei.

Anmeldung erbeten unter karten@ikg-m.de oder (089) 202 400 4i91

Veranstalter: Kulturzentrum der IKG München & Oberbayern mit freundlicher Unterstützung von florentinfilm

Veranstaltungsort: Jüdisches Gemeindezentrum, St.-Jakobs-Platz 18

Di. 10.03.2026 | 21. Adar 5786

Kultur

„Lieber Gott als nochmals Jesus“ – eine humoristische Beichte mit Ilja Richter

Beginn 19:00

Buchpräsentation

Dienstag, 10. März 2026, 19 Uhr
Teil der Woche der Brüderlichkeit

Ilja Richter nimmt seine Zuhörerschaft mit auf (s)eine Suche nach religiöser Heimat und Zugehörigkeit. Dabei umkreist er das Thema Judentum / Christentum in bitter-komischen Geschichten, pointierten Glossen, mit Fakten und Zitaten – und Musik. Damit eröffnet er seinen ganz eigenen, ungewöhnlichen Blick in die Welt des Glaubens.

Ilja Richter, 1952 in Ost-Berlin geboren, ist das Kind einer jüdischen Mutter und eines nichtjüdischen Vaters, der als Kommunist 9 ½ Jahre in Zuchthaus und KZ verbrachte. Er gehört zu den vielseitigsten Künstlern in jeder nur denkbaren Sparte: als Schauspieler, Synchron- und Hörfunksprecher, Sänger, Autor, Theater- und Musical-Regisseur und -Darsteller. Frühe Berühmtheit erlangte er als jüngster TV-Moderator mit der Sendung »Disco« im ZDF. Weiterlesen »

Do. 12.03.2026 | 23. Adar 5786

Kultur

Ephraim Kishon. Ein Leben für den Humor

Beginn 19:00

Ein Abend mit der Biographin Silja Behre
Donnerstag, 12. März 2026, 19 Uhr
Teil der 
Woche der Brüderlichkeit

Seit den 1960er-Jahren führten Ephraim Kishons Bücher immer wieder die Bestseller-Listen an, wurden teilweise auch verfilm, inklusive zwei Oscar-Nominierungen. Wie kam es dazu, dass der aus Budapest stammende Israeli Ephraim Kishon (1924-2005) mit seinen Humoresken gerade beim deutschen Publikum seinen größten Erfolg hatte? Ausgehend von Kishons eigenen Aufzeichnungen, Erinnerungen von Zeitzeugen und Weggefährten sowie Presseberichten und Archivmaterial beschreibt die Biographin Silja Behre seine Erfolgsgeschichte im Spannungsfeld von Literatur, Humor und Politik. Weiterlesen »

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