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22. Januar 2013

Geografische Herkunft: Forscher findet Ursprung europäischer Juden

Erschienen auf Spiegel Online, 18.1.2013. In Europa versammeln sich viele Völker, die Mehrheit ist eingewandert. Nun meint ein Forscher, die Herkunft der meisten Juden geklärt zu haben: Ihre Vorfahren lebten im Mittelalter im Reich der Chasaren – die Rheinland-Theorie scheint widerlegt.

Der geografische Ursprung der meisten europäischen Juden liegt vermutlich im äußersten Südosteuropa zwischen dem Schwarzen und dem Kaspischen Meer. Eine Erbgutstudie stützt die Vermutung, dass die Vorfahren vieler mittel- und osteuropäischer Juden vor rund tausend Jahren im Reich der Chasaren lebten, berichtet Eran Elhaik von der Johns Hopkins University in Baltimore im Fachblatt „Genome Biology and Evolution“.

Zwei große Theorien

Zur ungeklärten geografischen Herkunft der europäischen Juden gibt es dem Forscher zufolge zwei große Theorien. Die eine – von Elhaik als Rheinland-Hypothese bezeichnet – geht davon aus, dass der Ursprung in der Region Palästina liegt. Demnach verließen viele Juden ihre Heimat nach der islamischen Eroberung im siebten Jahrhundert. Etwa 50.000 Nachfahren dieser Flüchtlinge seien Anfang des 15. Jahrhunderts von Deutschland aus nach Osten gezogen. Da diese Gruppe recht isoliert lebte, müssten ihre Nachkommen allerdings eine starke genetische Ähnlichkeit miteinander aufweisen.

Die zweite Theorie geht davon aus, dass der Ursprung der meisten europäischen Juden im Reich der Chasaren liegt. Dieses erstreckte sich im Mittelalter etwa zwischen dem Schwarzen und dem Kaspischen Meer und umfasste Teile des heutigen Südrusslands, der östlichen Ukraine, Kasachstans und des Kaukasus. Dort wurde das Judentum etwa im achten Jahrhundert zur Hauptreligion. Nach dem Zusammenbruch des Reiches im späten Mittelalter flohen demnach viele Juden nach Ost- und Mitteleuropa.

Deutliche Ähnlichkeit im Erbgut

Um beide Theorien zu prüfen, verglich Elhaik das Erbgut von 1287 nicht miteinander verwandten Menschen aus jüdischen und nichtjüdischen Populationen. Die Resultate zeigten eine deutliche Ähnlichkeit zwischen dem Erbgut der meisten europäischen Juden und den Bevölkerungen aus verschiedenen Teilen des Kaukasus, schreibt der Forscher. Bei anderen europäischen Gruppen gebe es diese Parallele nicht.

Dies widerspreche der Rheinland-Hypothese, betont Elhaik. Zwar fand der Forscher bei seiner Erbgutanalyse auch Ähnlichkeiten zu Populationen aus dem Nahen Osten, Mesopotamien und Südeuropa. Dies führt er jedoch vor allem darauf zurück, dass sich im Lauf der Jahrhunderte viele Bevölkerungsgruppen aus diesen Gebieten im Reich der Chasaren ansiedelten. Allerdings räumt der Forscher ein, dass seine Folgerung nur auf kleinen Stichproben verschiedener Populationen basiert. Für eine detaillierteres Bild seien größere Studien erforderlich.

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September 2026 | Elul-Tischri | « »

Aktuelle Veranstaltungen


Mi. 23.09.2026 | 12. Tischri 5787

Kultur

»Briefe an meinen Vater«. Von und mit Konrad Bernheimer

Beginn 19:00 Uhr:

Moderation: Ellen Presser

Konrad Bernheimer stellt das Schicksal seines Vaters Kurt sehr persönlich in den historischen Kontext dessen Lebenszeit: als Sohn des renommierten Kunsthändlers und Antiquitätensammlers Otto Bernheimer, als Bruder, Student der Kunstgeschichte, Emigranten in den venezolanischen Anden und Familienvater. 1954 kommt Konrad mit Mutter und zwei Schwestern zum Großvater nach München – ohne den Vater. Erst viel später erfährt Konrad Bernheimer, inzwischen selbst ein international erfolgreicher Kunsthändler, was mit seinem Vater einst geschah. Aus überlieferten Dokumenten und Familienerinnerungen entwickelt Bernheimer jr. eine Zwiesprache mit dem abwesenden Vater über Scham und Schuld, Liebe und Prägungen und die Last, die einem die Geschichte auferlegt, denn »Erinnerung bedeutet, dass etwas bleibt – auch wenn so vieles verschwunden ist«.

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Sa. 17.10.2026 | 6. Cheschwan 5787

Kultur

Zum 27. Mal: »Die lange Nacht der Münchner Museen

Beginn 20:30 Uhr:

Beitrag der IKG München und Oberbayern

Auf einen Blick:

Vorträge (je 30 Min.)
20:30 Uhr Dinah Zenker
22:00 Uhr Ellen Presser

Konzerte des Synagogenchors »Schma Kaulenu«
unter Leitung von David Rees
21:15 Uhr und 22:30 Uhr (ca. 30 Min.)

Eine Synagoge, wörtlich Ort der Zusammenkunft (zum Gebet), ist von zentraler Bedeutung für jüdisches Leben. Der Vortrag erläutert, woher der Name »Ohel Jakob kommt, ferner architektonische Besonderheiten und die Rolle der Musik.

Musikalische Begleitung: Luisa Pertsovska

Veranstaltungsort: Synagoge »Ohel Jakob«, St.-Jakobs-Platz 18, 80331 München

Das Restaurant Einstein im Jüdischen Gemeindezentrum bietet koschere Köstlichkeiten.

Das Ticket kostet 20 Euro und berechtigt zum Eintritt in über 100 beteiligte Häuser.

Weitere Informationen unter www.muenchner.de und www.ikg-m.de

So. 18.10.2026 | 7. Cheschwan 5787

Kultur

»Shvayg Mayn Harts«. Jiddische Lieder aus der goldenen Ära des New Yorker Yiddish Theatre

Beginn 17:00 Uhr:

Sasha Lurje & Roman Grinberg – Gesang
Shvayg Mayn Harts Orchestra
Dirigent: Michael Alexander Willens

Mit „Shvayg Mayn Harts“ erfüllt sich Michael Alexander Willens einen lang gehegten persönlichen Traum: die Musik seiner beiden Großväter Alexander Olshanetsky und
Herman Yablokoff wieder auf die Bühne zu bringen. Beide gehörten zu den prägenden Persönlichkeiten des jiddischen Theaters in New York.
Als Komponisten, Sänger und Bühnenstars schufen sie Lieder, die weit über die jüdische Gemeinschaft hinaus bekannt wurden und bis heute zum Schatz des jiddischen Musiktheaters zählen. Werke wie „Papirosn“, „Mayn Shtetele Belz“, „Hopkele“ oder „Ikh hob dikh tsufil lib“ erzählen von Liebe und Sehnsucht, von Heimweh und Hoffnung, von den Erinnerungen an die alte Heimat und vom Traum eines neuen Lebens in Amerika.
Gemeinsam mit dem eigens gegründeten „Shvayg Mayn Harts Orchestra“ lässt Michael Alexander Willens diese musikalische Welt neu aufleben. Mit Sasha Lurje und Roman Grinberg, der auch für die Orchesterarrangements verantwortlich zeichnet, stehen zwei der führenden Stimmen der internationalen jiddischen Musikszene auf der Bühne. Sie führen durch ein Programm voller Emotionen, Humor und Lebensfreude und schlagen eine Brücke von den Anfängen des jiddischen Theaters in Osteuropa bis zu seiner Blütezeit in New York.

Voranmeldung erforderlich möglichst bis 7. Oktober unter: festkonzert@ikg-m.de

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