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8. September 2012
Kommentar: Die jüdische Nakba
Von Tzvi Gabai, erschienen in Haaretz, 8.9.12. Die Initiative von Vize-Außenminister Danny Ayalon, das Thema der jüdischen Flüchtlinge, die die arabischen Staaten verlassen mussten, ins öffentliche Bewusstsein zu bringen, trifft erwartungsgemäß auf wütende arabische Reaktionen. Unter anderem werden Behauptungen laut, es handele sich bei den jüdischen Flüchtlingen um eine „Erfindung“. Der Grund für diese Reaktionen ist, dass dieses Thema bisher schlicht nicht existiert hat. Die israelischen Regierungen haben es ignoriert, die Medien haben es vernachlässigt. Der Grund für diese Vernachlässigung war die Sorge, man könnte damit palästinensischen Klagen Tür und Tor öffnen und dem Friedensprozess schaden. Daher hat man sich in der Welt daran gewöhnt, sich nur auf die „palästinensische Nakba“ zu beziehen, die der UNRWA zufolge 600.000 palästinensische Flüchtlinge zur Folge hatte.
Die arabischen Regierungen legen Wert darauf, die palästinensischen Flüchtlinge in ihrer traurigen Lage zu belassen, und ermöglichen es ihnen nicht, sich in den jeweiligen Staaten dauerhaft niederzulassen oder gar einbürgern zu lassen, denn die vorherrschende Ideologie besagt, dass eine Verbesserung der Lage der Flüchtlinge Israel nutzen würde. Die arabischen Führer haben immer wieder die gesamte Verantwortung für die Entstehung des palästinensischen Flüchtlingsproblems Israel zugewiesen. Und Israel seinerseits hat keine ernsthaften Anstrengungen unternommen, sich von dieser Schuldzuweisung zu befreien, auch wenn die UN-Resolution 194 von 1948 ihm keinerlei Verantwortung für das Flüchtlingsproblem zuweist.
Ein weiterer von den Arabern erhobener Vorwurf besagt, dass die Juden nicht aus den arabischen Staaten hätten fliehen müssen, da sie dort friedlich und in Ruhe hätten leben können. Wer das sagt, sollte sich einmal näher mit der Geschichte des Konflikts befassen. Dann würde er entdecken, dass während der Debatten in der UNO 1947 über den Plan, der die Teilung Palästinas in einen jüdischen und einen arabischen Staat vorsah – die Vertreter der arabischen Staaten (der Ägypter Heikal Pasha, der Iraker Fadal al-Jamali und Jamal Hussaini, der Führer der Delegation der palästinensischen Araber und andere) nicht nur verkündeten, die Teilungslinie werde „eine Linie aus Feuer und Blut“ sein, sondern auch erklärten, dass die Teilung Palästinas für die jüdischen Gemeinden der arabischen Länder eine Todesgefahr darstellen würde. Sofort nach der Annahme des Teilungsplans eröffneten die arabischen Armeen und arabische Banden in Palästina den Krieg gegen den jüdischen Yishuv, und gleichzeitig kam es zu Ausschreitungen gegen Juden in den arabischen Ländern.
Der Krieg der Araber brachte Tote, Zerstörungen und eine große menschliche Tragödie. 856.000 schutzlose Juden flohen um ihr Leben nach Israel und in andere Länder und ließen ihren Besitz und den ihrer Gemeinden zurück; und 650.000 Palästinenser verließen ihre Schießstände und ihre Häuser und gelangten in die arabischen Staaten. Es scheint also, als hätte sich zwischen dem Staat Israel und den arabischen Staaten ein Bevölkerungstausch ereignet, wie es ihn auch zwischen Indien und Pakistan gegeben hat. Doch die arabischen Länder unter Leitung der Arabischen Liga weigern sich, das anzuerkennen und eine humane Lösung für das Problem zu finden, das sie geschaffen haben.
Obwohl die humanitäre Dimension der Katastrophe der arabischen Juden größer war als das Ausmaß der arabischen Katastrophe, wird sie ignoriert. Zwar hat der UN-Hochkommissar für Flüchtlinge die arabischen Juden 1957 als Flüchtlinge anerkannt, doch die UN-Vollversammlung hat nicht einen Beschluss zu ihren Gunsten verabschiedet. Im Gegensatz dazu hat sie mehr als 160 Beschlüsse und Erklärungen verabschiedet, die die palästinensischen Flüchtlinge unterstützen. Dieser einseitige Ansatz hat das Problem nicht gelöst und zu einer Verschärfung des israelisch-palästinensischen Konflikts geführt.
Es ist möglich, dass der Grund für das Ignorieren darin liegt, dass die arabischen Juden sich in Israel und anderen Staaten integriert haben – und ihre Lebensbedingungen in den Ma‘abarot (Übergangslagern für Einwanderer) verdrängt wurden. Die UN-Beschlüsse und die Milliarden Dollar, die die palästinensischen Flüchtlinge aus der internationalen Gemeinschaft erhalten haben, haben ihre Lage nicht verbessert; und sie leben weiterhin unter beschämenden Bedingungen.
Die Zeit ist gekommen, dass die arabischen Staaten die Realität anerkennen, die infolge ihres Krieges gegen Israel geschaffen wurde, und aufhören, sich selbst mit dem Märchen zu unterhalten, man könne das Rad der Geschichte zurück drehen. Sie sollten auch aufhören, das Lied vom „Recht auf Rückkehr“ der palästinensischen Flüchtlinge zu singen und nicht weiter vergebliche Illusionen in dieser Hinsicht zu nähren.
Im Rahmen einer Lösung für die Tragödie der Flüchtlinge im Nahen Osten – Palästinenser und Juden – muss Israel das ganze Bild präsentieren. Es muss eine gemeinsame Lösung der arabischen Staaten, Israels und der internationalen Gemeinschaft geben, die auf den Vorschlägen des US-amerikanischen Präsidenten Bill Clinton aus dem Jahr 2000 beruhen sollte, einen internationalen Fond für die Entschädigung palästinensischer und jüdischer Flüchtlinge zu schaffen.
Im Konflikt im Nahen Osten haben nicht nur Palästinenser gelitten, sondern auch Juden. Für einen echten Frieden im Nahen Osten muss beiden Seiten Gerechtigkeit widerfahren.
Der Autor ist ehemaliger Botschafter und stellvertretender Generaldirektor im Außenministerium.
Die auf der Website veröffentlichten Kommentare geben nicht den Standpunkt der Israelitischen Kultusgemeinde München und Oberbayern Regierung wieder, sondern bieten einen Einblick in die politische Diskussion in Israel.
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Aktuelle Veranstaltungen
So. 06.09.2026 | 24. Elul 5786
Kultur
»Nicht«. Ein Abend mit Dror Mishani
Beginn 17:00 Uhr:Buchpräsentation und Gespräch zum Europäischen Tag der jüdischen Kultur
Moderation: Richard C. Schneider (Journalist und Sachbuchautor)
Lesung: Robert Dölle (Residenztheater)
Sprachen: Englisch & Deutsch (mit einer Lesekostprobe auf Hebräisch)
Ursprünglich erwartete das IKG-Kulturzentrum den Schriftsteller Dror Mishani bereits im Juni 2025 zur Vorstellung von »Fenster ohne Aussicht. Tagebuch aus Tel Aviv«, entstanden nach dem 7. Oktober 2023. Der am 13. Juni 2025 ausgebrochene israelisch-iranische Zwölftagekrieg machte diese Einladung zunichte.
Inzwischen hat Dror Mishani einen neuen Roman vollendet mit dem Titel »Nicht«. Es geht darin um Liebe: die zwischen Mann und Frau, Lebende und Erinnerte, Künstlerin und Musik, Mensch und Tier. Kann eine Lüge eine Liebe retten? Oder gewinnt das Zerstörerische darin die Oberhand? Dror Mishani ist ein Meister der Charakterstudie und weit mehr als ein Krimiautor. Er sagt: »Ich habe angefangen, Kriminalromane zu schreiben, um die Wahrheit menschlicher Gewalt zu dokumentieren und den Versuch zu unternehmen, sie zu verstehen«.
So. 06.09.2026 | 24. Elul 5786
Kultur
Einladung zum Europäischen Tag der jüdischen Kultur 2026 unter dem Motto »Liebe«
Beginn 10:00 Uhr:»An der frischen Luft«
10:00 Uhr
Rundgang am Alten Israelitischen Friedhof
an der Thalkirchner Straße mit Ellen Presser
bereits ausgebucht
Voranmeldung für weitere Führung am
So, 25. Oktober (mit Rückbestätigung) per
E-Mail unter karten@ikg-m.de (Stichwort: Ende Sommerzeit)
»Auf jüdischen Spuren durch die Münchner Altstadt«
mit Chaim Frank
11:00 Uhr
Begrenzte Teilnehmerzahl. Beitrag 10 Euro.
Voranmeldung unter karten@ikg-m.de (Stichwort: Stadtführung)
4.09. – Treffpunkt wird mit Rückbestätigung mitgeteilt.
»Die Synagoge Ohel Jakob« (Zelt Jakobs)
von vielen Seiten«
Referentin: Dinah Zenker
Vortrag mit Besichtigung, Einlass am Synagogenportal,
ohne Voranmeldung
13:00 Uhr (Einlass ab 12:30 Uhr)
15:00 Uhr (Einlass ab 14:30 Uhr)
Beitrag 5 Euro.
Bücher- und CD-Flohmarkt
12:00 – 17:00 Uhr
»Liebe geht auch durch den Magen«
Jüdische koschere Spezialitäten
im Restaurant Einstein
12:00 – 21:00 Uhr
Tischreservierung unter www.einstein-restaurant.de
Informationen unter (089) 202 400 491
www.ikg-m.de/kulturzentrum/aktuell/
Organisation: Kulturzentrum der Israelitischen Kultusgemeinde München und Oberbayern
Veranstaltungsort: Jüdisches Gemeindezentrum, St.-Jakobs-Platz 18, 80331 München
Mi. 23.09.2026 | 12. Tischri 5787
Kultur
»Briefe an meinen Vater«. Von und mit Konrad Bernheimer
Beginn 19:00 Uhr:Moderation: Ellen Presser
Konrad Bernheimer stellt das Schicksal seines Vaters Kurt sehr persönlich in den historischen Kontext dessen Lebenszeit: als Sohn des renommierten Kunsthändlers und Antiquitätensammlers Otto Bernheimer, als Bruder, Student der Kunstgeschichte, Emigranten in den venezolanischen Anden und Familienvater. 1954 kommt Konrad mit Mutter und zwei Schwestern zum Großvater nach München – ohne den Vater. Erst viel später erfährt Konrad Bernheimer, inzwischen selbst ein international erfolgreicher Kunsthändler, was mit seinem Vater einst geschah. Aus überlieferten Dokumenten und Familienerinnerungen entwickelt Bernheimer jr. eine Zwiesprache mit dem abwesenden Vater über Scham und Schuld, Liebe und Prägungen und die Last, die einem die Geschichte auferlegt, denn »Erinnerung bedeutet, dass etwas bleibt – auch wenn so vieles verschwunden ist«.
Israelitische Kultusgemeinde
München und Oberbayern K.d.ö.R.
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80331 München
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