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21. August 2012
Österreich: Die antisemitischen Entgleisungen des Herrn Strache
Der österreichische Rechtspopulist Heinz-Christian Strache provoziert mit einer antisemitischen Karikatur auf seiner Facebook-Seite. Es ist nicht die erste Entgleisung des FPÖ-Chefs. Von Elisalex Henckel, erschienen auf Welt Online, 20.8.012.
Heinz-Christian Strache ist ein eifriger Nutzer von sozialen Netzwerken. Vor allem Facebook scheint es ihm angetan zu haben. Auf der Seite des österreichischen Rechtspopulisten erfahren seine Anhänger, was er mag: den Schilling, die österreichische Fahne und Kalendersprüche wie „Einer der wundervollsten Momente ist, wenn ein Lächeln nicht nur dein Gesicht, sondern auch deine Seele berührt“. Man erfährt natürlich auch, was er nicht mag. Zuletzt waren das vor allem die EU und der Euro.
Der Chef der Freiheitlichen Partei Österreichs (FPÖ) stellt aber auch gerne Bilder online. Nicht alle sind so unpolitisch wie jenes, das ihn im Arm einer attraktiven jungen Blondine zeigt, gleich zwei von ihnen haben ihm am Wochenende den Vorwurf des Antisemitismus eingetragen. Bei dem ersten handelt es sich um eine Karikatur. Sie zeigt einen dicken Mann („die Banken“), der von einem unterwürfigen Mann („die Regierung“) mit Essen und Wein versorgt wird, während ein sehr dünner Mann („das Volk“) sich mit einem abgenagten Knochen begnügen muss.
„So sieht die Umverteilung von Rot-Schwarz mit ihren grünen Helferleins in Wahrheit aus!“ wettert Strache gegen die Wiener Regierungskoalition aus (roten) Sozialdemokraten und (schwarzen) Konservativen. „Sie verteilen unser hart erarbeitetes und erwirtschaftetes Steuergeld in Richtung der EU-Spekulanten mittels ESM-Diktat und Österreich-Verrat!“
Die Karikatur ist nicht neu, das haben Recherchen des Magazins „News“ ergeben. Sie werde schon seit Jahrzehnten in den verschiedensten Ländern zur Illustration kapitalismuskritischer oder verschwörungstheoretischer Texte verwendet, heißt es in dem Bericht. Die von Strache online gestellte deutsche Version weiche jedoch in zwei Details vom Original ab: Der Banker hat keine Knoll- sondern eine Hakennase – und auf seinen Manschettenknöpfen sind Davidsterne zu sehen. „News“ zufolge sei die derart veränderte Karikatur erstmals in einem rechtsextremen Internetforum aufgetaucht und werde nun „meist in rechtsextremen Kontexten“ verwendet.
Bild erinnert an Karikaturen in Hetzblatt
Den Präsidenten der Israelitischen Kultusgemeinde in Wien, Oskar Deutsch, erinnerte das Bild an die Judenkarikaturen im nationalsozialistischen Hetzblatt „Der Stürmer“. Dass es auf der Facebook-Seite des FPÖ-Chefs aufgetaucht ist, hält er keineswegs für einen Zufall, sondern für ein Indiz dafür, dass antisemitische, rassistische und rechtsradikale Kräfte in Europa und in Österreich sich mangels konsequenter Verfolgung in ihrem Treiben ermutigt sähen.
„In jedem anderen europäischen Land würde ein derartig plumpes Spiel mit antisemitischen Klischees zum sofortigen Rücktritt führen“, sagte der grüne Abgeordnete Karl Öllinger in einer Aussendung. Der Wiener Anwalt Georg Zanger will „die gerichtlich festzustellenden Betreiber der Seite“ wegen „Wiederbetätigung und Verhetzung“ belangen, berichtete der „Kurier“.
Verglichen mit dem Ärger, den der Sommer Heinz-Christian Strache bisher beschert hat, dürfte eine solche Anzeige dem Politiker wenig Kopfzerbrechen bereiten. In Kärnten musste nach einer erstinstanzlichen Verurteilung wegen Bestechung und dem Auffliegen eines Parteispendenskandals der Chef der FPÖ-Partnerpartei FPK zurücktreten.
Gegen Parteifreunde, die immer noch in der Klagenfurter Landesregierung sitzen, ermittelt die Staatsanwaltschaft, der Rest sorgt mit der konsequenten Verhinderung von Neuwahlen für Schlagzeilen. In Wien spekulieren derweil Straches politische Gegner darüber, wie viel Prozent der Wählerstimmen ihn die neue Partei kosten wird, die Magna-Gründer Frank Stronach, ein kauziger Selfmade-Milliardär und radikaler Euro-Kritiker, im September gründen will.
Strache spricht von „perfiden Unterstellungen“
In Kommentaren auf seiner Seite sprach Strache – nach bewährtem Muster – von „Hetze“ und „perfiden Unterstellungen“ und stellte die Original-Karikatur online. Man müsse schon über „ordentliche paranoide Fantasie“ verfügen, um die sternförmigen Brillanten auf dem Manschettenknopf mit einem Davidstern zu assoziieren, verteidigte ihn sein Generalsekretär Harald Vilimsky.
Strache selbst sagte, die gezeichneten Personen würden ihn an den früheren ÖVP-Parlamentspräsidenten Andreas Kohl und den ehemaligen Raiffeisen-Chef Christian Konrad erinnern. Er habe von dem Bild noch zwei Versionen gefunden, „eine mit italienischer Sprache auf einer Seite der SPD, eine auf Englisch“. Antisemitisch seien sie beide nicht, behauptet Strache.
Der Vorwurf des Antisemitismus‘ wurde Strache schon oft gemacht. Nach teilweise gewaltsamen Protesten gegen einen Burschenschaftsball im Februar, für den jedes Jahr prominente Rechtsextreme aus ganz Europa anreisen, soll Strache gesagt haben: „Das war wie die Reichskristallnacht“ und „Wir sind die neuen Juden“. Der Wirbel war groß, der Bundespräsident verwehrte ihm einen hohen Orden. Strache bestritt die Äußerungen nicht, sagte aber, sie seien aus dem Zusammenhang gerissen worden.
Am Wochenende hatte Strache noch ein Foto online gestellt, auf dem er bei einem Kirchweihfest in Lederhosen und Trachtenweste mit einem Spanferkel posierte. Daneben hatte er geschrieben: „Isst du Schwein, darfst du rein.“
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Scholem-Alejchem-Vortrag: „ביכער פֿאַר אַלע“ – „Bücher für alle – populäre jiddische Literatur in Osteuropa, 1860 – 1914“
Beginn 18:15Scholem-Alejchem-Vortrag in ondenk fun Evita Wiecki s“l
Mittwoch, 17. Juni 2026, 18:15 Uhr
Vortrag in jiddischer Sprache
- Begrüßung: Prof. Dr. Martina Niedhammer
- Einführung: Dr. Dasha Vakhrushova
Seit der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts wurde der jiddische Buchmarkt in Osteuropa neben traditionell-religiöser chassidischer Literatur immer mehr auch von weltlichen Publikationen geprägt. Diese neuen Texte richteten sich an ein breiteres jiddischsprachiges Lesepublikum, das tatsächlich großes Interesse an den neuen Formen und Inhalten zeigte. In dieser Zeit erschienen auch die ersten jiddischen Zeitungen, ein erschwingliches und leicht zugängliches Mittel der Verbreitung allgemeinen Wissens und aufklärerischer Ideen. Allmählich wurden diese Zeitungen zu einer wichtigen Bühne für literarische Werke unterschiedlichster Qualität. Der Vortrag möchte die große Bandbreite jiddischer Publikationen aufzeigen, zu denen jiddische Leser von der Mitte des 19. Jahrhunderts bis zum Ausbruch des Ersten Weltkriegs Zugang hatten, und stellt eine repräsentative Auswahl dieser Werke vor. Dazu gehören belletristische Werke diverser Genres und Stilrichtungen von verschiedener Qualität, darunter die sogenannte shund-literatur [Trivialliteratur] sowie populärwissenschaftliche Werke, die auf die Bedürfnisse der osteuropäischen jiddischen Leserschaft zugeschnitten waren. Weiterlesen »
Israelitische Kultusgemeinde
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