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8. Mai 2012

Keine Neuwahlen: Kadima schließt sich Koalition an

Haaretz/Amt des israelischen Ministerpräsidenten/Ynet, 08.05.12. Die für den 4. September geplanten vorgezogenen Neuwahlen sind abgesagt. Nachdem am 7.5.2012 zunächst das Regierungs- sowie das Knesset-Komitee für das Gesetz für die Auflösung der Knesset gestimmt hatten und dies in erster Lesung auch vom Plenum verabschiedet worden war, einigten sich in der Nacht Ministerpräsident Binyamin Netanyahu und Oppositionsführer Shaul Mofaz darauf, dass Mofaz´ Partei Kadima sich der Regierungskoalition anschließen werde.

Mofaz wird den Posten eines Ministers ohne Geschäftsbereich sowie den des Vize-Regierungschefs erhalten und außerdem Mitglied des Sicherheitskabinetts werden.

Es wird erwartet, dass die Vorsitzende der Arbeitspartei, Shelly Yachimovitch, neue Oppositionsführerin wird. Der Opposition gehören nun weniger als 40 Abgeordnete an. Dies ist weniger als ein Drittel der Abgeordneten, die Zahl, die etwa notwendig ist, um eine Sondersitzung des Parlaments einzuberufen.

Netanyahu und Mofaz. Foto: E. Zalman

Netanyahu und Mofaz. Foto: E. Zalman

Netanyahu rief noch in der Nacht Präsident Shimon Peres an, der sich zurzeit auf Staatsbesuch in Kanda befindet, und informierte ihn über die neue Regierung der nationalen Einheit.

Der Ministerpräsident erklärte: „Die Einheit stellt die Stabilität wieder her. Eine breite Regierung der nationalen Einheit ist gut für die Sicherheit, die Wirtschaft und das Volk Israel.“

Bei einer gemeinsamen Pressekonferenz am Mittag stellten Netanyahu und Mofaz vier Ziele vor, denen sie sich verpflichtet fühlen: Zunächst steht die Verabschiedung eines alternativen Gesetzes zum sogenannten „Tal-Gesetz“ im Vordergrund, nachdem das gegenwärtige Gesetz vom Obersten Gerichtshof für unzulässig erklärt worden war. Als zweites soll ein stabiler Haushalt gewährleistet sein. Drittes Ziel ist eine Änderung des Wahlrechts bereits zum Ende des Jahres, um einen zu großen Einfluss kleinerer Parteien in Zukunft zu verhindern. Die regulären Wahlen zur Knesset im nächsten Jahr sollen bereits nach dem neuen Wahlrecht verlaufen. Der vierte Grundsatz ist die Verpflichtung zu verantwortungsvollen Friedensgesprächen mit den Palästinensern unter Berücksichtigung der Sicherheitsinteressen des Staates Israel.

tagesschau.de, von Torsten Teichmann, ARD-Hörfunkstudio Tel Aviv. 120 Sitze hat das israelische Parlament. Mehr als 90 der Abgeordneten werden künftig der Regierungskoalition angehören. Mit dem Coup, die Kadima einfach über Nacht an der Regierung zu beteiligen, vermeidet Premier Netanjahu Neuwahlen. Die Nachrichten bringen die Fassade der vergangenen Tage zum Einsturz: Hinter den Kulissen haben Ministerpräsident Benjamin Netanjahu und der Chef der Opposition Schaul Mofas seit Tagen verhandelt.

Die Nachrichtensprecher überschlagen sich: „Ein noch nie dagewesenes Drama in der Politik: Im September wird es keine Wahlen in Israel geben. Netanjahu und Mofas bilden im letzten Moment eine Einheitsregierung.“

Dabei hatte das israelische Parlament, offenbar nichts ahnend, noch in der Nacht in erster Lesung Neuwahlen zugestimmt. Doch dann erklärte Parlamentssprecher Rivlin die Sitzung vorzeitig für beendet: „Der Ausschuss, der das Gesetz zur Auflösung des Parlaments formuliert hat, hat um eine Überprüfung gebeten. Und diese Überprüfung ist auf unbestimmte Zeit verschoben. Wir haben also keinen gültigen Entwurf für eine Abstimmung.“

Koalition hat mehr als 90 der 120 Sitze im Parlament

Nach Mitternacht war allen klar, warum: Die größte Fraktion im Parlament, die Kadima, tritt der Regierung Netanjahu bei. Kadima will die Regierungskoalition bis zum regulären Ende der Wahlperiode, also bis Ende 2013 unterstützen. Netanjahus Koalition verfügt jetzt über mehr als 90 der 120 Mandate im Parlament. Vorgezogene Neuwahlen sind damit überflüssig.

Finanzminister Juval Steinitz, ein Netanjahu-Getreuer, hat mit der plötzlichen Wende kein Problem: „In dem Moment,wo eine ernsthafte Option entstand, weiterhin mit Stabilität und Regierbarkeit an der Macht zu bleiben – durch den Beitritt von Kadima – ist es das Recht, aber auch die moralische Pflicht des Ministerpräsidenten, sie mit beiden Händen zu packen. Und ich bin sicher, dass das dem Staat Israel und der Wirtschaft Israels zugutekommt.“

War das jetzt nötig?

Kritiker von Ministerpräsident Netanjahu wenden ein, dass die Stabilität der Regierung zu keinem Zeitpunkt in Gefahr war. Auch die Debatte um eine Reform des Militärdienstes, also eine Teilnahme ultraorthodoxe Juden am Wehrdienst habe die Handlungsfähigkeit des Ministerpräsidenten nicht eingeschränkt.

Die Chefin der Arbeitspartei und neue Oppositionschefin, Shelly Yachimovitch, spricht von einem abscheulichen Hin und Her sowie einer Kumpanei der Politiker, die sich bereits aus dem Militärdienst kennen: „Ich denke, die Bevölkerung hat genug von dieser Bande von Sicherheitsleuten, die es lieben, die eigentliche Tagesordnung mit hohen Sicherheitsthemen zu überlagern, aber längst vergessen haben, dass es ihre erste Pflicht ist, dem Volk zu dienen. Und dieses schreckliche Vergessen dringt aus jeder Ritze dieses stinkenden Tricks, der heute Nacht passiert ist.“

Mofas in Erklärungsnot

Die größten Probleme die neue Situation zu erklären, müsste Kadima-Chef Mofas haben. Denn er hatte nach seiner Wahl zum Parteichef im März noch erklärt, die Regierung Netanjahu stehe für alles, was falsch läuft in Israel: „Aus diesem Abend geht eine geeinte Kadima hervor, die größte Partei in der Knesset, die Führerin der Opposition. Wir erneuern die Hoffnung einer großen Mehrheit der Bürger Israels auf einen anderen Weg.“

Dass die Fraktion der Kadima eine Regierungsbeteiligung trotzdem zugestimmt hat, lässt sich nur mit Angst erklären. Denn die Hälfte der Abgeordneten hätte im Fall vorgezogener Neuwahlen ihr Mandat verloren. Diese Gefahr ist vorübergehend abgewendet.

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Do. 05.03.2026 | 16. Adar 5786

Kultur

»Wie rettet man das Tote Meer?«

Vorstellung eines Dokumentarfilmprojekts und Vortrag im Rahmen der 17. Jüdischen Filmtage

Initiatoren: Florentinfilm, Herzliya / Israel

Das Tote Meer stirbt. Es verliert anderthalb Meter pro Jahr. Der Wasserspiegel sinkt, die Strände verschwinden, Erdfälle öffnen sich. Wenn das so weitergeht, ist es in 30 Jahren verschwunden.

Der in Entstehung befindliche Film will die Geschichte dieses Binnenmeeres aus der Perspektive von drei Personen erzählen: Mosche Bernstein, einem orthodoxen jungen Mann, der statt in der Jeschiwa zu lernen, mit seiner Kamera die Salzschichten, Rückzugslinien, sich ändernden Farben, dokumentiert; Oded Rahav, Umweltaktivist , Extremsportler und Gründer der Initiative Dead Sea Guardians; Jackie ben Zaken, ehem. Marine-Soldat, der dort seine innere Ruhe wiederfand und nun Bewußtseins-Touren leitet, mit Blick auf die sich ändernden Landschaften und seltene geologische Phänomene, die das zurückweichende Wasser freigibt.

Präsentation des Film-Teasers zur in Vorbereitung befindlichen Film-Dokumentation mit den Filmemachern Harel Yana und Mordechai Malka

»Last chance to save the Dead Sea«
Vortrag des Umweltaktivisten Oded Rahav
in engl. Sprache mit Powerpoint-Präsentation

Moderation: Emanuel Rotstein

Eintritt frei.

Anmeldung erbeten unter karten@ikg-m.de oder (089) 202 400 4i91

Veranstalter: Kulturzentrum der IKG München & Oberbayern mit freundlicher Unterstützung von florentinfilm

Veranstaltungsort: Jüdisches Gemeindezentrum, St.-Jakobs-Platz 18

Di. 10.03.2026 | 21. Adar 5786

Kultur

„Lieber Gott als nochmals Jesus“ – eine humoristische Beichte mit Ilja Richter

Beginn 19:00

Buchpräsentation

Dienstag, 10. März 2026, 19 Uhr
Teil der Woche der Brüderlichkeit

Ilja Richter nimmt seine Zuhörerschaft mit auf (s)eine Suche nach religiöser Heimat und Zugehörigkeit. Dabei umkreist er das Thema Judentum / Christentum in bitter-komischen Geschichten, pointierten Glossen, mit Fakten und Zitaten – und Musik. Damit eröffnet er seinen ganz eigenen, ungewöhnlichen Blick in die Welt des Glaubens.

Ilja Richter, 1952 in Ost-Berlin geboren, ist das Kind einer jüdischen Mutter und eines nichtjüdischen Vaters, der als Kommunist 9 ½ Jahre in Zuchthaus und KZ verbrachte. Er gehört zu den vielseitigsten Künstlern in jeder nur denkbaren Sparte: als Schauspieler, Synchron- und Hörfunksprecher, Sänger, Autor, Theater- und Musical-Regisseur und -Darsteller. Frühe Berühmtheit erlangte er als jüngster TV-Moderator mit der Sendung »Disco« im ZDF. Weiterlesen »

Do. 12.03.2026 | 23. Adar 5786

Kultur

Ephraim Kishon. Ein Leben für den Humor

Beginn 19:00

Ein Abend mit der Biographin Silja Behre
Donnerstag, 12. März 2026, 19 Uhr
Teil der 
Woche der Brüderlichkeit

Seit den 1960er-Jahren führten Ephraim Kishons Bücher immer wieder die Bestseller-Listen an, wurden teilweise auch verfilm, inklusive zwei Oscar-Nominierungen. Wie kam es dazu, dass der aus Budapest stammende Israeli Ephraim Kishon (1924-2005) mit seinen Humoresken gerade beim deutschen Publikum seinen größten Erfolg hatte? Ausgehend von Kishons eigenen Aufzeichnungen, Erinnerungen von Zeitzeugen und Weggefährten sowie Presseberichten und Archivmaterial beschreibt die Biographin Silja Behre seine Erfolgsgeschichte im Spannungsfeld von Literatur, Humor und Politik. Weiterlesen »

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