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17. April 2012
Assange-Show. „Unser wichtigster Gegner ist der Westen“
Von Julia Smirnova, erschienen auf Welt Online. Zum Auftakt seiner Interview-Show hat sich Wikileaks-Gründer Julian Assange im russischen Sender RT einen schiitischen Hisbollah-Führer ausgesucht – eine Generalabrechnung mit dem Westen.
Auch unter Hausarrest sorgt Wikileaks-Gründer Julian Assange für Skandale. Am Dienstag wurde die erste Folge seiner Talk-Show „The World Tomorrow“ im staatlichen russischen Fernsehsender „Russia Today“ (RT) ausgestrahlt.
Der Name des ersten Gastes wurde bis zum letzten Moment geheim gehalten. Dann erschien Hassan Nasrallah auf dem Bildschirm vor Assange, der Führer der schiitischen Hisbollah. Nasrallah befand sich „an einem geheimen Ort im Libanon“ und Assange unter Hausarrest in London, die beiden mussten das Gespräch per Video führen.
In einem Interview mit Russia Today, das am Tag davor erschienen war, erzählte Assange über seine Arbeit als Moderator. Er selbst sei oft von Journalisten interviewt worden, die das Gespräch in einem sehr aggressiven Stil geführt hätten. Als Moderator wolle er einen anderen Stil zeigen.
Assange solidarisiert sich manchmal mit seinem Gast
Das ist ihm sicherlich gelungen. Zu Hassan Nasrallah, der seit dem Libanon-Krieg 2006 nicht mit westlichen Medien gesprochen hat, war er ausgesprochen freundlich.
„Israel ist und bleibt ein illegaler Staat“, fing Nasrallah seine erste Antwort an. „Er wurde nach einer Besetzung des Landes der anderen gegründet.“ Danach fragte Assange nach Korruption in der Hisbollah.
Der zentrale Teil des Interviews drehte sich aber um Syrien, wo die Hisbollah das Regime von Assad unterstützt. Nasrallah warf der syrischen Opposition vor, Reformen und einen Dialog abzulehnen und für den Tod vieler Zivilisten verantwortlich zu sein.
In den Formulierung seiner Fragen solidarisierte sich Assange manchmal mit seinem Gast, der (Zitat von Assange) „gegen Hegemonie der USA kämpft“. Er ließ sich die Gelegenheit nicht entgehen, nach dem Hisbollah-Sender Al-Manar zu fragen, der in den USA verboten ist, also in dem Land, das sich „zur Bastion der Pressefreiheit erklärt hat“.
„RT ist die Stimme Russlands“
Die Show von Assange ist eine Abrechnung mit westlichen Medien, doch sein Verständnis der Pressefreiheit wirft viele Fragen auf. Im Interview mit RT erklärte er, warum er sich für den staatlichen russischen Sender entschieden hat. Er habe nach einem internationalen Sender gesucht. Aber Sender mit weltweit hohen Einschaltquoten wie die BBC seien gegenüber Wikileaks feindlich eingestellt gewesen und als Partner nicht in Frage gekommen. „Unsere wichtigste Konfrontation ist die mit dem Westen, deshalb ist RT naturgemäß unser Partner“, sagte Assange.
In der Tat ist der russische Sender, der in englischer, spanischer und arabischer Sprache weltweit zu empfangen ist, durch seine anti-westliche und anti-amerikanische Position bekannt. Der Guardian-Journalist Luke Harding nannte RT „einen Versuch, ein neues postsowjetisches Propaganda-Imperium aufzubauen“.
Das scheint Julian Assange, den Kämpfer für die Freiheit, nicht abzuschrecken. „RT ist die Stimme Russlands, genau wie die BBC die Stimmer der britischen Regierung und Voice of America die Stimme der US-Regierung ist“, ist er überzeugt.
Angst vor Auslieferung
Der Gründer der Enthüllungsplattform Wikileaks kämpft gegen seine Auslieferung nach Schweden, wo ihm Vergewaltigung und sexuelle Belästigung von zwei Frauen vorgeworfen werden. Assange befürchtet, Schweden könnte ihn in einem zweiten Schritt an die USA ausliefern. Dort droht ihm ein Verfahren wegen Spionage.
Seine Sendung wird von einer britischen Firma produziert, RT hat die Übertragungsrechte bekommen. Es sind 10 halbstündige Folgen geplant. Wer Assanges nächste Gäste sind, ist noch nicht bekannt. Er habe den chinesischen Künstler Ai Weiwei und den inhaftierten russischen Ex-Oligarchen Michail Chodorkowski eingeladen, heißt es, doch beide könnten nicht. Chodorkowski ist im Gefängnis und Ai Weiwei wolle wegen des politischen Drucks nicht sprechen.
Eingeladen habe Assange auch Vertreter der russischen Opposition, doch sie konnten angeblich wegen der Proteste vor den Wahlen nicht kommen. Als Ausgleich habe Assange Vertreter der russischen Regierung eingeladen. Dass ein Vertreter Israels und der syrischen Opposition als Ausgleich zu Hussein Nasrallah interviewt wird, ist dagegen kaum zu erwarten.
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Das Gespräch mit Yael Neeman führt ihre Übersetzerin Lucia Engelbrecht. Weiterlesen »
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