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29. März 2012
Wahl in London: Bürgermeister-Kandidat hasst Juden
Von Thomas Kielinger, erschienen auf Welt Online, 29.3.2012. Am 3. Mai 2012 wird der neue Bürgermeister von London gewählt. Ken Livingstone, einst von Margaret Thatcher entmachtet, führt den Wahlkampf mit brachialen Slogans und setzt dabei voll auf die Muslime.
Die unerwartete Wärme des englischen März mag verfrüht wirken, eine generöse Anzahlung auf einen sonnenreichen Sommer. Dass sich andererseits auch die politischen Gemüter in London schon jetzt erhitzen, ist durchaus zeitgemäß und vom Kalender her unvermeidbar: Es herrscht Wahlkampf um das Amt des Bürgermeisters, am 3. Mai wird gewählt, und die Spannung steigt, ob es ein Boris Johnson, die Celebrity-Figur auf der politischen Bühne, schafft, wieder gewählt zu werden, oder ob sein Vorgänger Ken Livingstone, der von 2000 bis 2008 die City Hall beherrschte, erneut zum Bürgermeister gekürt wird.
Livingstone ist so etwas wie ein Urgestein der Londoner politischen Szene, er machte schon Margaret Thatcher in den 80er-Jahren das Leben schwer mit seiner radikal linken Politik, als Kopf des Greater London Council (GLC), der ehemaligen Stadtverwaltung – bis 1986, als die Eiserne Lady, echauffiert ob der sozialistischen Experimente des „roten Ken“, den GLC einfach auflösen ließ und ihn zentralistischer Leitung unterstellte.
Pfahl im Fleische des Establishments
Im Jahr 2000 dann, als zum ersten Mal ein regelrechter Bürgermeister gewählt wurde, gelang es Livingstone, auf der Woge einer Anti-Labour-Welle an die Spitze durchzustoßen. Schon immer zehrte er von seiner Aura, Pfahl im Fleische des Establishments zu sein, Freund einer großen Koalition Ausgegrenzter.
Die jüdische Gemeinde Londons zählt er nicht dazu, die grenzt er selber gerne aus, schon in seinen acht Jahren als Bürgermeister, mit zum Teil an Rassismus grenzenden Äußerungen. Für ihn sind „Israel, Juden, Zionismus“ ein und dasselbe, wie eine Gruppe besorgter jüdischer Vertreter und Anhänger der Labour-Partei unlängst bei einem Treffen mit ihm erneut feststellen musste.
Auf dem von der iranischen Regierung bezahlen Kanal „Press TV“ präsentiert der Ex-Bürgermeister regelmäßig eine Show zur Ventilierung seiner Ressentiments, umarmt gerne besuchende Scheichs, die Homosexuellen und Ehebrechern den Tod wünschen und Selbstmordattentaten in Israel das Wort reden, und wartet mit anti-jüdischen Kommentaren auf, wenn immer er bei seiner bevorzugten Gruppe, der islamischen Bevölkerung, glaubt, punkten zu können.
Labour-Anhänger sind verschreckt
Vor wenigen Tagen, während eines Besuches in der Finsbury Park Moschee, in der einst der armamputierte Abu Hamsa seine Hasspredigten und Jihad-Aufrufe losgeworden war, ließ er gar wissen, er werde, falls gewählt, dafür sorgen, die Londoner in den Lehren des Islam zu unterweisen.
Selten ist sektorale Politik so schamlos vertreten worden wie von Ken Livingstone, der unter den Randgruppen die Mehrheit, also Muslime, favorisiert, Juden dagegen abgeschrieben hat, „weil ihr ja alle reich seid und sowieso nicht für mich stimmen werdet“, wie er seine jüdischen Besucher wissen ließ.
Er scheint sich freilich sein eigenes politisches Grab zu schaufeln: Einer jüngsten Umfrage nach sehen sich ein Drittel traditioneller Labour-Anhänger, die einst dem roten Außenseiter ihre Stimme geschenkt hatten, außerstande, dies noch einmal zu tun. Was nicht nur in London mit großem Aufatmen quittiert worden ist.
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