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11. März 2012
Grundsteinlegung für NS-Dokumentationszentrum in München
APA/AFP, 9.3.2012. 67 Jahre nach Ende des Zweiten Weltkriegs ist am 9. März 2012 in München der Grundstein für ein NS-Dokumentationszentrum gelegt worden. Im Jahr 2014 soll die Ausstellung in dem auf dem Gelände der früheren Zentrale von Adolf Hitlers NSDAP entstehenden Gebäude eröffnet werden. An dem Festakt zur Grundsteinlegung nahmen der Kulturstaatsminister der deutschen Regierung, Bernd Neumann, Bayerns Kultusminister Ludwig Spaenle und Münchens Oberbürgermeister Christian Ude teil.
Neumann erklärte, die besondere Aussagekraft der authentischen Schauplätze der Geschichte als „Orte des Lernens“ seien unverzichtbar. Deshalb sei es wichtig, dass das Dokumentationszentrum an dem Ort entstehe, wo von 1930 bis 1945 die NSDAP-Parteizentrale stand. „Hier nahm der nationalsozialistische Terror seinen Anfang, dem ungeheuerliche Menschheitsverbrechen und Vernichtungskriege folgten.“
Bund, Freistaat Bayern und die Stadt München teilen sich die Kosten des Dokumentationszentrums in Höhe von gut 28 Millionen Euro zu gleichen Teilen. Der Grundsteinlegung vorausgegangen war über Jahrzehnte ein Streit über die Errichtung einer Gedenkstätte zur Bedeutung Münchens für den Nationalsozialismus.
Hitler hatte der bayerischen Landeshauptstadt 1935 den Ehrentitel “Hauptstadt der Bewegung” gegeben. In München stand nicht nur die Deutschlandzentrale der NSDAP, hier wurde auch 1919 deren Vorgängerpartei Deutsche Arbeiterpartei gegründet. In der süddeutschen Großstadt organisierte Hitler zudem 1923 einen erfolglosen Putsch, für den er zu einer Haftstrafe in der Festung Landsberg verurteilt wurde, wo er seine Programmschrift „Mein Kampf“ verfasste.
Bei der Grundsteinlegung erklärte Kulturstaatsminister Bernd Neumann: „Die Grundsteinlegung für das NS-Dokumentationszentrum München ist nicht nur ein wichtiger Schritt für die Landeshauptstadt München und den Freistaat Bayern, sondern für die Erinnerungskultur in ganz Deutschland. Dem Gedenken an die Opfer der nationalsozialistischen Verbrechen und ihrer Aufarbeitung kommt in der deutschen Erinnerungskultur eine unvergleichlich hohe Bedeutung zu – jetzt und für alle Zeit. Diese Aufgabe ist von Dauer und darf nie zu den Akten gelegt werden.“
Der Kulturstaatsminister betonte weiter: „Die besondere Aussagekraft der authentischen Orte als ‚Orte des Lernens‘, an denen eine lebendige und fortdauernde Auseinandersetzung mit der Vergangenheit ermöglicht wird, ist unverzichtbar. Das Dokumentationszentrum entsteht genau an dem Ort, an dem sich von 1930 bis 1945 die Parteizentrale der NSDAP befand. Hier festigten die Nationalsozialisten ihre Macht. Hier nahm der Nationalsozialistische Terror seinen Anfang, dem ungeheuerliche Menschheitsverbrechen und Vernichtungskriege folgten.
Jahrzehntelang förderte der Bund dauerhaft nur die großen Opfergedenkstätten. Es war richtig und auch verständlich, dass sich das Gedenken in der ersten Zeit nach dem Krieg auf die Konzentrationslager als Schauplätze der grauenerregenden Menschheitsverbrechen der Nationalsozialisten konzentrierte. Die Förderung des Bundes in den acht großen KZ-Gedenkstätten in Deutschland wird fortgesetzt. Zunehmend stellten sich noch intensivere Fragen nach den Tätern. Auf solche Fragen können wir am eindringlichsten Antworten geben an authentischen Orten, den sogenannten Täterorten wie dem geplanten Dokumentationszentrum in München. Deshalb haben wir uns entschlossen, auch an bedeutenden Täterorten Dokumentationszentren zu unterstützen.“
Der Kulturstaatsminister abschließend: „Am 23. Februar haben wir in einer bewegenden Gedenkveranstaltung in Berlin an die Opfer rechtsextremistischer Gewalt erinnert. Hieraus – und insbesondere aus den Verbrechen des nationalsozialistischen Regimes – erwächst eine dauerhafte Verantwortung und Verpflichtung für die Zukunft. Wir müssen unmissverständlich gegen Fremdenfeindlichkeit, Rassismus und Antisemitismus vorgehen. Wir müssen Aufklärung leisten, damit vor allem Jugendliche lernen, dass extremistische Ideologien, wenn sie sich verbreiten, nur zu Unfreiheit und Unterdrückung oder – wie im Falle der „Zwickauer Zelle“ – zu kaltblütigem Mord führen. Aufklärung und Wachsamkeit gegen Ausgrenzung und Fremdenfeindlichkeit ist die Basis für eine freie und demokratische Gesellschaft. Ich bin überzeugt, dass das NS-Dokumentationszentrum München hierzu einen wichtigen Beitrag leisten wird.“
Das „NS-Dokumentationszentrum München“ am Königsplatz, das bis 2014 realisiert werden soll, wird neben einer Dauerausstellung und Wechselausstellungen vor allem eine breite historisch-politische Bildungsarbeit ermöglichen. Als Ergebnis eines Architektenwettbewerbs wurde ein Entwurf zur Realisierung ausgewählt, der den historischen Standort markiert, sich als Kubus aus Weißbeton jedoch deutlich vom vorhandenen Bautenensemble absetzt. Die Kosten von rund 28,2 Millionen Euro tragen zu gleichen Teilen Bund, Land und die Stadt München.
Mehr Informationen unter ns-dokumentationszentrum-muenchen.de.
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Do. 05.03.2026 | 16. Adar 5786
Kultur
»Wie rettet man das Tote Meer?«
Vorstellung eines Dokumentarfilmprojekts und Vortrag im Rahmen der 17. Jüdischen Filmtage
Initiatoren: Florentinfilm, Herzliya / Israel
Das Tote Meer stirbt. Es verliert anderthalb Meter pro Jahr. Der Wasserspiegel sinkt, die Strände verschwinden, Erdfälle öffnen sich. Wenn das so weitergeht, ist es in 30 Jahren verschwunden.
Der in Entstehung befindliche Film will die Geschichte dieses Binnenmeeres aus der Perspektive von drei Personen erzählen: Mosche Bernstein, einem orthodoxen jungen Mann, der statt in der Jeschiwa zu lernen, mit seiner Kamera die Salzschichten, Rückzugslinien, sich ändernden Farben, dokumentiert; Oded Rahav, Umweltaktivist , Extremsportler und Gründer der Initiative Dead Sea Guardians; Jackie ben Zaken, ehem. Marine-Soldat, der dort seine innere Ruhe wiederfand und nun Bewußtseins-Touren leitet, mit Blick auf die sich ändernden Landschaften und seltene geologische Phänomene, die das zurückweichende Wasser freigibt.
Präsentation des Film-Teasers zur in Vorbereitung befindlichen Film-Dokumentation mit den Filmemachern Harel Yana und Mordechai Malka
»Last chance to save the Dead Sea«
Vortrag des Umweltaktivisten Oded Rahav
in engl. Sprache mit Powerpoint-Präsentation
Moderation: Emanuel Rotstein
Eintritt frei.
Anmeldung erbeten unter karten@ikg-m.de oder (089) 202 400 4i91
Veranstalter: Kulturzentrum der IKG München & Oberbayern mit freundlicher Unterstützung von florentinfilm
Veranstaltungsort: Jüdisches Gemeindezentrum, St.-Jakobs-Platz 18
Di. 10.03.2026 | 21. Adar 5786
Kultur
„Lieber Gott als nochmals Jesus“ – eine humoristische Beichte mit Ilja Richter
Beginn 19:00Buchpräsentation
Dienstag, 10. März 2026, 19 Uhr
Teil der Woche der Brüderlichkeit
Ilja Richter nimmt seine Zuhörerschaft mit auf (s)eine Suche nach religiöser Heimat und Zugehörigkeit. Dabei umkreist er das Thema Judentum / Christentum in bitter-komischen Geschichten, pointierten Glossen, mit Fakten und Zitaten – und Musik. Damit eröffnet er seinen ganz eigenen, ungewöhnlichen Blick in die Welt des Glaubens.
Ilja Richter, 1952 in Ost-Berlin geboren, ist das Kind einer jüdischen Mutter und eines nichtjüdischen Vaters, der als Kommunist 9 ½ Jahre in Zuchthaus und KZ verbrachte. Er gehört zu den vielseitigsten Künstlern in jeder nur denkbaren Sparte: als Schauspieler, Synchron- und Hörfunksprecher, Sänger, Autor, Theater- und Musical-Regisseur und -Darsteller. Frühe Berühmtheit erlangte er als jüngster TV-Moderator mit der Sendung »Disco« im ZDF. Weiterlesen »
Do. 12.03.2026 | 23. Adar 5786
Kultur
Ephraim Kishon. Ein Leben für den Humor
Beginn 19:00Ein Abend mit der Biographin Silja Behre
Donnerstag, 12. März 2026, 19 Uhr
Teil der Woche der Brüderlichkeit
Seit den 1960er-Jahren führten Ephraim Kishons Bücher immer wieder die Bestseller-Listen an, wurden teilweise auch verfilm, inklusive zwei Oscar-Nominierungen. Wie kam es dazu, dass der aus Budapest stammende Israeli Ephraim Kishon (1924-2005) mit seinen Humoresken gerade beim deutschen Publikum seinen größten Erfolg hatte? Ausgehend von Kishons eigenen Aufzeichnungen, Erinnerungen von Zeitzeugen und Weggefährten sowie Presseberichten und Archivmaterial beschreibt die Biographin Silja Behre seine Erfolgsgeschichte im Spannungsfeld von Literatur, Humor und Politik. Weiterlesen »
Israelitische Kultusgemeinde
München und Oberbayern K.d.ö.R.
St.-Jakobs-Platz 18
80331 München
Tel: +49 (0)89 20 24 00 -100
Fax: +49 (0)89 20 24 00 -170
E-Mail: empfang@ikg-m.de
