Israelitische Kultusgemeinde München und Oberbayern

Von Gemeinderabbiner Shmuel Aharon Brodman

Liebe Gemeindemitglieder, Shalom!

Seit dem gestrigen Donnerstagabend ist Lag BaOmer: Der 33. von insgesamt 49 Omer-Tagen zwischen Pessach und Shavuot.

Eigentlich halten wir uns in der Omer-Zeit an einige Trauerbräuche: Wir hören keine fröhliche Musik, es finden keine Hochzeiten statt, wir lassen Haare und Bart wachsen. Dadurch erinnern wir an die 24.000 Schüler von Rabbi Akiva, die in diesen Tagen von einer Pandemie hinweggerafft wurden. Unsere Quellen erklären, dass die Schüler mit dieser Pandemie bestraft wurden, weil sie nicht respektvoll miteinander umgegangen sind. Aber am 33. Tag endete die Pandemie, niemand starb mehr. Und Rabbi Akiva began noch am selben Tag, neue Schüler zu unterrichten. Einer von ihnen war Rabbi Shimon Bar Jochai, der später das Buch „HaSohar HaKadosh“, das Grundwerk der Kabbalah, schrieb. Die neuen Schüler wurden alle wichtige Rabbiner, die das Volk Israel viel Torah lehrten. Darum enden am 33. Tag des Omer die Trauerbräuche und wir feiern wieder und hören Musik, und wir gehen zum Friseur.

Der 33. Tag der Omerzeit ist auch die Jahrzeit von Rabbi Shimon Bar Jochai. Viele Juden pflegen den Brauch, an diesem Tag sein Grab in Meron in Galiläa zu besuchen. Zwar ist es eigentlich ein Anlass zur Trauer, wenn ein wichtiger Rabbiner stirbt, doch Rabbi Shimon bat darum, dass die Menschen an seinem Todestag fröhlich sein sollen. Große Lagerfeuer nicht nur in Meron, sondern überall auf der Welt erinnern an das Licht der Torah, die Rabbi Shimon lehrte, und die Menschen tanzen und singen die ganze Nacht.

Das Feuer zeigt uns noch etwas, das an und für sich unglaublich ist: Holz und Öl sind kalt – aber das Feuer, das aus ihnen kommt, ist heiß. Es erhellt die Dunkelheit und es wärmt. Genauso sind auch Torah und Mitzvot: Sie erhellen und wärmen diese Welt. Und wer in dieser Welt Torah lernt und Mitzvot tut, der bringt Licht in die Welt.

An Lag BaOmer gibt es auch noch einen weiteren Brauch: Viele Eltern schneiden ihren Söhnen in den ersten drei Jahren nicht die Haare. Erst wenn das Kind drei Jahre alt ist, fahren die Eltern mit ihm nach Meron und schneiden ihm zum ersten Mal die Haare (auf Jiddisch „Upsherin“). Mit drei Jahren beginnt für ein Kind der Unterricht. Dieser Anfang der Erziehung soll mit einem großen Zaddik, einem Gerechten, verbunden sein. Wer weit weg von Meron wohnt, fährt zum Grab eines anderen Zaddik. Oder man schneidet die Haare in der Nähe der Synagoge. In manchen Gemeinden bitten die Eltern den lokalen Rabbiner, dem Jungen einige Haare abzuschneiden, als symbolischer erster Haarschnitt.

Ich wünsche Ihnen allen ein fröhliches Lag BaOmer!