Israelitische Kultusgemeinde München und Oberbayern

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16. Februar 2012

15. Jahrestag der Hubschrauberkatastrophe der israelischen Armee

Vor 15 Jahren ereignete sich das schwerste Flugzeugunglück in der Geschichte der Israelischen Armee (IDF). Am 4. Februar 1997 kurz nach 7 Uhr kollidierten zwei Hubschrauber über Sie’ar Shear Yashuv in Nordisrael. Die Yas’ur (Ch-53) Helikopter sollten Soldaten zu IDF-Posten im südlichen Libanon transportieren. Bei dem tragischen Unglück kamen 73 Soldaten ums Leben. Darunter Angehörige der Nahal Brigade, der Golani Brigade, der Panzer Brigade sowie der Israelischen Luftwaffe. Anlässlich des 15. Jahrestags der Katastrophe hat nun Shuli Mualem, die damals ihren Mann verlor, in einem Artikel ihre Gedanken über die Zeit, die seither vergangen ist, zusammengefasst.
Ihr verstorbener Ehemann, Moshe Mualem sel.A., hinterließ neben seiner Frau Shuli zwei kleine Töchter. Moshe Mualem war Soldat der Golani Brigade und zum Zeitpunkt des Unglücks Kommandeur des legendären Vorpostens Boufor im Süden des Libanon. Er war der hochrangigste Offizier der bei dem Unglück getötet wurde.

 

Im Folgenden veröffentlichen Wir den Beitrag von Shuli Mualem, veröffentlicht und übersetzt von der IDF Widows and Orphans Organization.

Moshe Mualem

Moshe Mualem

 

Von Shuli Mualem. Zwei Tage nach der Katastrophe erschienen 73 Fotos auf der Titelseite der Zeitung. Unter den Fotos  war auch das, meines geliebten Mualem. Jedes Bild war mit einem kleingedruckten Namen beschriftet und aus dem Rahmen lächelte ein Gesicht, ein menschliches Wesen – wie ein großes Mosaik, ein riesiges Puzzle, eine perfekte Abbildung des Staates Israel.

Zwei Hubschrauber mit der Repräsentation des ganzen Volkes Israel darin: junge und alte Menschen aus der Stadt, aus dem Kibbuz, Moschaw und aus den Siedlungen, Neueinwanderer aus Äthiopien und Russland neben alteingesessenen einheimischen Israelis. Ein Ohrring neben einer Kippa, Rechtsgesinnte neben den Linken, Tom von Neve Shalom neben Shilo aus Karnei Shomron, Rosenberg und Feldman neben Abukasis und Saban, Vitali und Vladislav neben Aviv, Assaf und Saguy, Migdal Haemek und Kfar Yona neben Ramat Hasharon und Tel Aviv, Oberstleutnant neben Feldwebel, die Fallschirmjäger-Brigade neben der Panzertruppe, Hassan, Kamal und Fadi neben Menahem, Yaron und Avishai.

Ein großes, schmerzhaftes und tiefsinniges, bis auf den Grund tiefgründiges Bild.

Fünfzehn Jahre sind verstrichen und noch immer habe ich Mühe, die Worte zu finden, nicht weil mir die Worte fehlen oder weil ich nichts über Dich vor Deinem Tod zu sagen hätte, oder über uns seitdem. Ich habe Mühe, weil es mir vorkommt, als hätte sich das Unglück erst gestern ereignet. Es ist manchmal kaum zu fassen, dass seither bereits 15 Jahre vergangen sind.

Familie Mualem

Familie Mualem

Fünfzehn Jahre sind sowohl im Leben eines einzelnen Menschen, als auch im Bestehen eines Volkes eine wesentliche Zeit.

Auf nationaler Ebene haben wir den Rückzug der israelischen Armee aus dem Libanon geschafft – die IDF verließ die Orte, von denen ich von Dir gehört habe. Als beim Abzug der IDF-Truppen aus dem Beaufort der Außenposten bombardierte, den Du kommandiert hattest, fühlte ich, dass dies Dein endgültiger Tod war.

Vor fünfzehn Jahren in unserem geliebten und geborgenen Zuhause und den „Rina Kindergarten“ besuchend, hatte Noam, unsere Tochter, noch Eltern, die mit den Überlegungen beschäftigt waren, in welcher Schule sie die erste Klasse antreten würde. Heute ist Noam eine junge Dame, die ihren Zivildienst in einer Organisation absolviert hatte, die krebskranke Kinder betreut und sich nun auf die psychometrische Prüfung vorbereitet.

Begreifst Du das, Mualem? Während dieser 15 Jahren absolvierte Noam ihre ganze Schulausbildung sowie den Zivildienst. Nach all dieser Zeit, die inzwischen verstrichen ist, ist es unmöglich, jene Nacht zu vergessen. Ich erinnere mich, dass Noam um vier Uhr morgens erwachte und ich sie wie eine kostbare Fracht mit einer Jacke zudeckte, um sie zu meinen Freunden zu bringen. Ich überreichte sie mit dem Bewusstsein, dass das Zuhause, welches sie zu diesem Zeitpunkt verließ, niemals wieder dasselbe sein würde.

Und Nitzan, Nitzan unser Baby – hatte sich in den vergangenen 15 Jahren zu einem eigenwilligen Mädchen und einer besonders begabten Pianistin entwickelt und hat bereits ihre Abiturprüfungen begonnen. Noam und Nitzan sind wie wir alle bemüht, ihren Lebensweg zu gehen, mein lieber Mualem.

Nach fünfzehn Jahren spüre ich, lieber Mualem, dass wir auf so vielen Ebenen leben. Eine Ebene ist ein solides Leben der Hoffnung. Wir entscheiden uns jeden Tag, zu leben und unserem Leben Substanz und Bedeutung zu verleihen. Wir wählen, aus der Finsternis Deiner Tode herauszuwachsen. Wir entscheiden uns die ganze Zeit, weiter zu gehen und aufwärts zu streben.

Moshe Mualem mit seiner Frau Shuli und den beiden kleinen Töchtern.

Moshe Mualem mit seiner Frau Shuli und den beiden kleinen Töchtern.

In der Zwischenzeit habe ich keine Ahnung, was Gott von mir will. Ich habe keine Ahnung, was meine Lehre diesbezüglich sein soll. Ich habe keine Ahnung – warum?

Familien der Gefallenen

Ein Mosaik aus 73 Bildern begleitet uns und fordert uns zu Rechenschaft auf. Es begleitet uns Tag und Nacht und verpflichtet uns zu einem Gedenken der Vereinigung und Maßnahmen zu ergreifen, die Erinnerung an Menschen, Volk und Land Liebenden aufrecht zu erhalten.

Unsere Lieben sind unser Kompass – zur Orientierung, woher wir kommen – und damit sind wir sowohl als Individuen als auch als Familien, als Gesellschaft und als Nation ausgerichtet.

Fünfzehn Jahre nach der Dunkelheit dieser schrecklichen Nacht hat die Finsternis, die in unsere Herzen eingedrungen war, nicht nachgelassen. Ich weiß sehr wohl, dass wir in Euren Wegen wandeln, während wir unseren inneren Kompass ausgerichtet halten, und vor allem versuchen, das einzige Licht aufrecht zu erhalten, das von euch allen ausstrahlte – um mit diesem Licht und den gebliebenen Erinnerungen unsere eigenen Lichter zu schaffen.

Die „IDF Widows and Orphans Organization“ bietet für Frauen und Kinder, die bei der Verteidigung Israels ihre lieben Angehörigen verloren haben, entscheidende Unterstützung. Spenden an die Organisation können bei www.idfwo.orgoffice@idfwo.org oder  über  +972-3-691-8403  geleistet werden.

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Februar 2026 | Schwat-Adar I | « »

Aktuelle Veranstaltungen


Do. 05.03.2026 | 16. Adar 5786

Kultur

»Wie rettet man das Tote Meer?«

Vorstellung eines Dokumentarfilmprojekts und Vortrag im Rahmen der 17. Jüdischen Filmtage

Initiatoren: Florentinfilm, Herzliya / Israel

Das Tote Meer stirbt. Es verliert anderthalb Meter pro Jahr. Der Wasserspiegel sinkt, die Strände verschwinden, Erdfälle öffnen sich. Wenn das so weitergeht, ist es in 30 Jahren verschwunden.

Der in Entstehung befindliche Film will die Geschichte dieses Binnenmeeres aus der Perspektive von drei Personen erzählen: Mosche Bernstein, einem orthodoxen jungen Mann, der statt in der Jeschiwa zu lernen, mit seiner Kamera die Salzschichten, Rückzugslinien, sich ändernden Farben, dokumentiert; Oded Rahav, Umweltaktivist , Extremsportler und Gründer der Initiative Dead Sea Guardians; Jackie ben Zaken, ehem. Marine-Soldat, der dort seine innere Ruhe wiederfand und nun Bewußtseins-Touren leitet, mit Blick auf die sich ändernden Landschaften und seltene geologische Phänomene, die das zurückweichende Wasser freigibt.

Präsentation des Film-Teasers zur in Vorbereitung befindlichen Film-Dokumentation mit den Filmemachern Harel Yana und Mordechai Malka

»Last chance to save the Dead Sea«
Vortrag des Umweltaktivisten Oded Rahav
in engl. Sprache mit Powerpoint-Präsentation

Moderation: Emanuel Rotstein

Eintritt frei.

Anmeldung erbeten unter karten@ikg-m.de oder (089) 202 400 4i91

Veranstalter: Kulturzentrum der IKG München & Oberbayern mit freundlicher Unterstützung von florentinfilm

Veranstaltungsort: Jüdisches Gemeindezentrum, St.-Jakobs-Platz 18

Di. 10.03.2026 | 21. Adar 5786

Kultur

„Lieber Gott als nochmals Jesus“ – eine humoristische Beichte mit Ilja Richter

Beginn 19:00

Buchpräsentation

Dienstag, 10. März 2026, 19 Uhr
Teil der Woche der Brüderlichkeit

Ilja Richter nimmt seine Zuhörerschaft mit auf (s)eine Suche nach religiöser Heimat und Zugehörigkeit. Dabei umkreist er das Thema Judentum / Christentum in bitter-komischen Geschichten, pointierten Glossen, mit Fakten und Zitaten – und Musik. Damit eröffnet er seinen ganz eigenen, ungewöhnlichen Blick in die Welt des Glaubens.

Ilja Richter, 1952 in Ost-Berlin geboren, ist das Kind einer jüdischen Mutter und eines nichtjüdischen Vaters, der als Kommunist 9 ½ Jahre in Zuchthaus und KZ verbrachte. Er gehört zu den vielseitigsten Künstlern in jeder nur denkbaren Sparte: als Schauspieler, Synchron- und Hörfunksprecher, Sänger, Autor, Theater- und Musical-Regisseur und -Darsteller. Frühe Berühmtheit erlangte er als jüngster TV-Moderator mit der Sendung »Disco« im ZDF. Weiterlesen »

Do. 12.03.2026 | 23. Adar 5786

Kultur

Ephraim Kishon. Ein Leben für den Humor

Beginn 19:00

Ein Abend mit der Biographin Silja Behre
Donnerstag, 12. März 2026, 19 Uhr
Teil der 
Woche der Brüderlichkeit

Seit den 1960er-Jahren führten Ephraim Kishons Bücher immer wieder die Bestseller-Listen an, wurden teilweise auch verfilm, inklusive zwei Oscar-Nominierungen. Wie kam es dazu, dass der aus Budapest stammende Israeli Ephraim Kishon (1924-2005) mit seinen Humoresken gerade beim deutschen Publikum seinen größten Erfolg hatte? Ausgehend von Kishons eigenen Aufzeichnungen, Erinnerungen von Zeitzeugen und Weggefährten sowie Presseberichten und Archivmaterial beschreibt die Biographin Silja Behre seine Erfolgsgeschichte im Spannungsfeld von Literatur, Humor und Politik. Weiterlesen »

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