Mathilde Landauer
Mathilde Landauer wurde am 2. März 1849 im schwäbischen Hürben bei Krumbach geboren. Ihre Eltern waren der Kaufmann Heinrich und seine Frau Jette Guggenheimer. Mathilde Landauer wuchs mit vier jüngeren Geschwistern auf, ein Geschwister starb kurz nach der Geburt.
Am 3. November 1872 heiratete Mathilde in Hürben den Kaufmann Albert Landauer. Im Mai 1884 zogen die beiden nach München und lebten an drei Adressen, jeweils in der Schwanthalerstraße.
Ihr Ehemann Albert Landauer hatte in der Israelitischen Kultusgemeinde München viele Funktionen inne, u.a. war er Vizepräsident und Mitglied des Vorstandes. Am 1. Mai 1890 übernahm er drei Jahre nach der Einweihung der prächtigen Hauptsynagoge in der Herzog-Max-Straße den Vorsitz der Synagogenkommission und übte über Jahrzehnte maßgeblichem Einfluss auf die Gestaltung der Gottesdienste aus. In dieser Zeit wurde der namhafte Rabbiner Cossmann Werner nach München berufen.
Albert Landauer stand auch an der Spitze der Friedhofsverwaltung. In seine Amtszeit fiel die Errichtung des neuen Israelitischen Friedhofs in der heutigen Garchinger-Straße. Über viele Jahre nahm er an jeder Beerdigung teil.
Auch für soziale Belange engagierte sich Albert Landauer und war u.a. Mitbegründer des Israelitischen Altersheims in der Kaulbachstraße in München-Schwabing.
Bis zuletzt aktiv starb Albert Landauer im Juli 1927 in seiner Geburtsstadt Hürben, wo er sich – bereits schwer erkrankt – zu einem Urlaub aufhielt. Im Nachruf auf Albert Landauer fasste Dr. Alfred Neumeyer, von 1920 bis 1939 Vorsitzender der Israelitischen Kultusgemeinde in München, Landauers Engagement zusammen: „Er war geradezu die Verkörperung der Gemeinde.“
Über Mathilde Landauer ist dagegen kaum etwas überliefert. Die Ehe blieb kinderlos, persönliche Erinnerungen, Dokumente an haben sich nicht erhalten.
Die verwitwete Mathilde Landauer lebte bis zuletzt in der Wohnung in der Schwanthalerstraße 7. Mitte der 1930er Jahre wurde sie als Patientin in der privaten Heilanstalt Ranke – auch als Kuranstalt Obersendling bekannt – in München-Solln aufgenommen.
Am 14. September 1940 wurde Mathilde Landauer vom Kurhaus Obersendling in die Heil- und Pflegeanstalt Eglfing-Haar verlegt und am 20. September 1940 in die Tötungsanstalt Hartheim in Österreich deportiert und nach ihrer Ankunft mit Kohlenmonoxid ermordet. Mathilde Landauer ist mit 91 Jahren das älteste Opfer der „Sonderaktion“ gegen jüdische Anstaltspatienten in Bayern.
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